Blutdruck senken: Was Patienten tun können

Bluthochdruck ist in Deutschland eine Volkskrankheit. Betroffene können einiges dazu beitragen, ihre Werte zu verbessern. Sechs wichtige Tipps
von Dagmar Fritz, 22.01.2018

Schwimmen: Bewegung hilft, den Blutdruck zu senken

iStock / Tom Merton

Die meisten älteren Menschen stehen unter Druck: Ab dem 70. Lebensjahr leiden 75 Prozent an erhöhtem Blutdruck. "Im Alter lässt die Funktion der Nieren nach, die Gefäße werden steifer und das Körpergewicht nimmt zu", erklärt Internist Professor Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V.

"Bei den meisten Hochdruckpatienten sind Risikofaktoren wie Übergewicht und ungesunde Essgewohnheiten, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen und Alkohol die Ursachen für den Bluthochdruck", sagt der Experte. "Nur in fünf bis zehn Prozent der Fälle gibt es eine fassbare Ursache, beispielsweise eine hormonelle Störung."

Bluthochdruck kann gefährliche Folgen haben

Das Tückische am Bluthochdruck: Er kann schwere Schäden im Körper verursachen, die Betroffenen spüren jedoch meistens nicht, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. Der Herzmuskel verdickt sich und die Gefäße werden anfälliger für Ablagerungen. Herzschwäche, Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Schlaganfall und Herzinfarkt können langfristige Folgen sein. Auch auf die Nieren und die Netzhaut der Augen wirkt sich Bluthochdruck negativ aus.

"Die Folgen von Bluthochdruck können tödlich sein", sagt Krämer, "mindestens jeder zweite Schlaganfall könnte sich vermeiden lassen, wenn die Patienten rechtzeitig behandelt werden und medikamentös gut eingestellt sind." Doch blutdrucksenkende Mittel sind nur ein Teil der Therapie: "Wer seinen Lebensstil bewusst ändert, hat gute Chancen, seinen Blutdruck positiv zu beeinflussen", so der Experte.

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Aktiv gegen Bluthochdruck vorgehen

Mit verschiedenen Maßnahmen können Betroffene langfristig ihren Bluthochdruck senken.

1. Übergewicht verringern

"Am wichtigsten für die Bekämpfung von zu hohem Blutdruck ist eine Gewichtsreduktion", sagt Bluthochdruckspezialist Krämer. Eine Studie hat gezeigt, dass sich pro abgenommenen Kilogramm Körpergewicht der systolische und der diastolische Wert um je ein bis zwei mmHg verbessern. Am besten gelingt dies mit einer Ernährungsumstellung. Ideal dazu ist zum Beispiel die sogenannte Mittelmeerküche: Viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, Wurst und Geflügel, dafür regelmäßig Seefisch und hochwertige pflanzliche Fette statt tierische.

2. Salzarme Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, nicht mehr als sechs Gramm Kochsalz pro Tag zu sich zu nehmen. Tatsächlich nehmen Frauen etwa 8,4 Gramm und Männer 10 Gramm Kochsalz pro Tag zu sich. Unter den Bluthochdruckpatienten reagieren Untersuchungen zufolge circa 30 bis 50 Prozent auf Speisesalz sensibel. "Zu viel Kochsalz in der Ernährung steigert den Blutdruck und wirkt Medikamenten entgegen", erklärt Krämer.

Forschungsergebnisse zeigen: Reduziert man den Salzkonsum auf die empfohlene Menge von etwa sechs Gramm täglich, kann sich der systolische Wert um circa fünf bis sechs mmHg vermindern, der diastolische um etwa zwei bis drei mmHg. Besonders viel Salz enthalten Fertiggerichte, Gemüse oder Eintopf aus der Dose und Wurstwaren. Selbst kochen und mit Kräutern würzen ist ein Weg Salz zu sparen. Auch beim Mineralwasser sollte man darauf achten, natriumarmes Wasser zu trinken.

3. Regelmäßige Bewegung

Bei körperlicher Aktivität steigt der Blutdruck zuerst zwar kurzfristig an, langfristig lässt er sich durch das Training aber senken. Wer nach längerer Sport-Abstinenz wieder tätig werden möchte, sollte gerade bei zu hohem Blutdruck unbedingt vorab Rücksprache mit seinem Arzt halten.

Ist das körperlich ohne Probleme zu schaffen, sollte man drei bis fünf Mal die Woche für etwa 30 Minuten seinen Kreislauf mit leichtem Ausdauersport wie Nordic Walking, Wandern, Radfahren oder Schwimmen in Schwung bringen. Die ideale Trainingsintensität ist meist erreicht, wenn man sich bei der Bewegung noch gut unterhalten kann. Auch Spaziergänge und kleinere Besorgungen mit dem Rad zu erledigen kann die Fitness verbessern.

4. Stress abbauen

Gefühle verändern innerhalb von Sekunden unsere Herz-Kreislauf-Regulation. Ärger, innere Anspannung, Ängste und persönliche Konflikte können den Blutdruck in die Höhe treiben und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Ein Weg zu mehr Entspannung kann sein, wieder mehr Zeit für persönliche Interessen zu finden. Entspannungstechniken und Bewegung in der Natur helfen, Stress abzubauen, den Blutdruck zu senken und damit das Herz-Kreislaufsystem zu schonen.

5. Alkoholkonsum verringern

Alkohol kann die Ausschüttung blutdrucksteigernder Hormone provozieren. Beim Mann ist der Blutdruckanstieg stärker als bei der Frau und bei Rauchern stärker als bei Nichtrauchern. Männlichen Hochdruckpatienten wird empfohlen, nicht mehr als 30 g Alkohol pro Tag zu trinken, was je nach Alkoholgehalt zum Beispiel zwei Gläsern Wein entspricht. Weil Frauen Alkohol langsamer abbauen und schlechter vertragen, sollten sie nicht mehr als 20 g Alkohol pro Tag trinken.

6. Rauchen aufhören

Rauchen birgt für Bluthochdruckpatienten ein mehrfaches Risiko: Der Zug am Glimmstengel steigert die Herzfrequenz, verengt gleichzeitig die Gefäße und fördert Gefäßverkalkung. Bluthochdruckpatienten, die rauchen, gehen damit ein erhöhtes Risiko ein, an schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu erkranken. Deswegen: Finger weg von Zigarette und Co.! Wer Unterstützung beim Aufhören benötigt, kann sich an eine Tabakambulanz oder seinen Arzt wenden.


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