Elf Gürtelrose-Mythen

Warum Windpocken eine Rolle spielen und Sie mit der Behandlung nicht warten sollten. Elf Behauptungen über die Viruserkrankung im Realitätscheck
von Elke Schurr, 13.10.2017

Gürtelrose: Die Viren können sich an vielen Stellen zeigen

plainpicture GmbH & Co KG/Goto-Foto / Don Freeman

Mythos 1: Wer schon einmal Windpocken hatte, kriegt keine Gürtelrose mehr

Stimmt nicht. Nur wer bereits Windpocken hatte, kann eine Gürtelrose bekommen. Denn nach der Infektion bleibt das auslösende Virus Herpes zoster, auch Varizella zoster genannt, unbemerkt im Körper – es "schläft". Erst wenn das Abwehrsystem des Menschen an Kraft verliert, etwa beim Älterwerden oder aufgrund von Krankheiten, können die Viren erneut aktiv werden und dann eine Gürtelrose auslösen. 

Mythos 2: Herpes an der Lippe schützt vor Gürtelrose

Nein. Zwar gehören auch die Erreger der Gürtelrose zur Herpes-Familie, doch es sind verschiedene Arten. Herpes simplex zeigt sich an Mund und Nase, im Genital- oder Gesäßbereich. Herpes zoster dagegen kann sich in allen Nervenregionen des Körpers bemerkbar machen. Lippenherpes bekommt man immer wieder, Gürtelrose in der Regel nur einmal.

Mythos 3: Wer eine Gürtelrose bekommt, hat sich bei Kindern angesteckt

Nein. Wer bereits Windpocken hatte, kann sich damit auch nicht mehr anstecken. Der Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern ist für den Betreffenden nicht gefährlich, er kann seine Abwehrstärke damit sogar verbessern. Wer keine Windpocken hatte oder nicht dagegen geimpft ist, sollte den Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern meiden; gegebenenfalls mit dem Arzt besprechen, ob eine Impfung sinnvoll ist.

Mythos 4: Zoster ist so ansteckend wie Windpocken

Nicht im gleichen Ausmaß. Aber ansteckend sind die Viren schon. Sie befinden sich in der Bläschenflüssigkeit. Wenn Sie unter Menschen gehen, sollten Sie die Bläschen deshalb mit einem Pflaster abdecken.

Mythos 5: Gürtelrose bekommen nur alte Menschen

Nein. In seltenen Fällen können auch Kinder oder junge Menschen an einer Gürtelrose erkranken, aber nur wenn sie stark immungeschwächt sind. Betroffen sind vor allem Menschen ab 50, ab 85 hat jeder Zweite die Gürtelrose durchgemacht. Grund dafür ist, dass Menschen in jungen Jahren das Virus in der Regel besser in Schach halten. Mit dem Alter lässt jedoch auch das immunologische Gedächtnis nach. Ein schwächelndes Immunsystem muss bei Senioren daher nicht zwangsläufig auf eine andere Erkrankung hindeuten. Bei einem großflächigeren Ausschlag wird der Arzt aber nach Krankheiten fahnden, die die Abwehr zusätzlich schwächen, etwa ein unerkannter Diabetes.

Mythos 6: Die Gürtelrose heißt so, weil die Bläschen im Gürtelbereich auftreten

Ein Missverständnis. Treffender wäre "halbgürtelförmiger Ausschlag", weil die typischen Bläschen sich meist bandartig und halbseitig am Rumpf verteilen, auf welcher Höhe auch immer: am Rücken, auf der Brust oder unter dem Rippenbogen. Die Infektion kann sich aber auch an Armen, Beinen und im Gesicht bemerkbar machen, was gar nicht so selten ist. Mit einem Gürtel hat das dann nicht  mehr viel zu tun.

Mythos 7: Bei der Gürtelrose handelt es sich um eine Hautkrankheit

Jein. Die Gürtelrose betrifft in erster Linie das Nervensystem und erst in zweiter Linie die Haut. Sie beginnt meist mit brennenden oder bohrenden Nervenschmerzen, dann erst folgt die Rötung: Die reaktivierten Viren wandern an den Nerven entlang. Sind sie an der Hautoberfläche angekommen, entstehen Bläschen, manchmal auch Pusteln, die nach zwei bis vier Wochen verschwinden. Nur in seltenen Fällen bleibt die Gürtelrose ohne Ausschlag.

Mythos 8: Deswegen muss man nicht zum Arzt

Doch. Eine Gürtelrose sollte immer ein Arzt behandeln. Gehen Sie deshalb beim ersten Verdacht zu einem Dermatologen. Innerhalb der ersten drei Tage der Bläschenbildung sind antivirale Medikamente, etwa Aciclovir-Tabletten, am wirkungsvollsten: Die Symptome klingen schneller ab, der Ausschlag lässt sich leichter eingrenzen, was sich auch günstig auf die Nervenschmerzen auswirkt. Zusätzlich helfen austrocknende Salben und Lotionen. Wenn das Auge mit betroffen ist, sollte man sofort zum Augenarzt gehen. Bei starken Beschwerden oder einer Gürtelrose im Gesicht kommt manchmal eine Behandlung im Krankenhaus infrage.

Mythos 9: Wenn die Bläschen weg sind, ist alles verheilt 

Leider nein. Bei jedem zweiten Patienten über 60 werden die Nerven stark geschädigt, sodass auch nach dem Verheilen der Bläschen oder Pusteln Schmerzen bleiben. Diese sogenannte Post-Zoster-Neuralgie kann monatelang, in seltenen Fällen sogar über Jahre quälen, ist aber in der Regel gut behandelbar.

Mythos 10: Nervenschmerzen muss man aushalten 

Auf keinen Fall. Nervenschmerzen sind zwar schwieriger zu behandeln als herkömmliche, aussichtslos ist es aber nicht. Ansprechpartner ist der Hausarzt, der zu einem Hautarzt, Neurologen oder Schmerztherapeuten überweist. Bei Gürtelrose verordnete Antiepileptika etwa wirken auf die Nervenreizung und können die Beschwerden verkürzen oder lindern. Wichtig ist, die Mittel regelmäßig zu nehmen, der Arzt steigert langsam die Dosis.

Mythos 11: Gegen das Zostervirus gibt es keinen Impfstoff

Doch. Seit 2013 gibt es einen Impfstoff, der aber keinen hundertprozentigen Schutz garantiert. Immerhin verhindert er bei Geimpften bis zum 69. Lebensjahr rund zwei Drittel der Erkrankungen. Bei den ab 70-Jährigen ist er am schwächsten wirksam. Das ist der Grund, weshalb die Kassen nicht dafür zahlen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und wann eine Impfung infrage kommt.


Lesen Sie auch:

Lippenherpes

Was tun bei Herpesbläschen auf der Lippe? »

Auf der Lippe zeigen sich plötzlich lästige Bläschen. Was sind die Ursachen und wie lässt sich Herpes behandeln? Apothekerin Elke Wanie weiß Rat »

ReadSpeaker

So lassen Sie sich unsere Artikel vorlesen  »

Seniorin am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Grippe: Sind Sie geimpft?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages