Interview: Dorthe Kollo

Die Schlagersängerin spricht über gute Umgangsformen, ihre Hobbys – und darüber, warum sie mit 20 Jahren ein Flugzeug hatte

von Thomas Röbke, 08.06.2018

Senioren Ratgeber: "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" – Fluch oder Segen, dass dieses Lied Sie seit 50 Jahren begleitet? 
Dorthe Kollo: Das ist ein Segen, absolut. Das Lied passt einfach zu mir. Und was ehrlich ist, hat auch Erfolg. 
Ihre Texte wie "Jeder Schotte hat in Schottland ein Schottenröckchen an" klangen oft ein wenig – nun ja – gaga. Das passte zu Ihnen?
Nicht weil ich "gaga" wäre. Aber weil ich diese Lieder mit einem Blitzen in den Augen gesungen habe und einfach Spaß daran hatte, dass sie beim Publikum so gut ankamen. Ich hatte das Glück, dass ich das in der richtigen Zeit machen konnte. Heute ist die Welt ganz anders geworden.

Senioren Ratgeber: „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“ – Fluch oder Segen, dass dieses Lied Sie seit 50 Jahren begleitet? 

Dorthe Kollo: Das ist ein Segen, absolut. Das Lied passt einfach zu mir. Und was ehrlich ist, hat auch Erfolg. 

Ihre Texte wie „Jeder Schotte hat in Schottland ein Schottenröckchen an“ klangen oft ein wenig – nun ja – gaga. Das passte zu Ihnen?

Nicht weil ich „gaga“ wäre. Aber weil ich diese Lieder mit einem Blitzen in den Augen gesungen habe und einfach Spaß daran hatte, dass sie beim Publikum so gut ankamen. Ich hatte das Glück, dass ich das in der richtigen Zeit machen konnte. Heute ist die Welt ganz anders geworden.

Wie kam Ihr Deutschland-Erfolg denn in Dänemark an?

Kurz nach dem Krieg hatten viele Dänen Schwierigkeiten mit den Deutschen. Das änderte sich zum Glück: Auf meinen Erfolg waren die Dänen dann sehr stolz. Meinen ersten Auftritt in Deutschland hatte ich mit 16 Jahren: 1963 in Binz auf Rügen.

Damals waren skandinavische Künstlerinnen in Deutschland äußerst populär. Wie kam das? 

Der Akzent war charmant, das passte. Auch die lockere, frisch-freche Art gefiel: Wir waren nicht so steif.

Hätten Sie sich einen anderen Beruf als Sängerin vorstellen können?  

Wenn ich etwas anderes hätte machen müssen, wäre ich Innenarchitektin geworden oder Psychologin. Ich richte sehr gerne ein und mache es gemütlich. Als Kind bin ich mit vielen Erwachsenen zusammengekommen und habe sehr viel gelernt über Menschen, daher mein Interesse an der Psychologie.

Sie hatten mit Anfang 20 einen Flugschein und ein Flugzeug. 

Ja, mit nur einem Motor und vier Sitzen, das hatte ich in Norwegen gebraucht gekauft. Die Maschine habe ich fünf Jahre geflogen und mit einem kleinen Gewinn wieder verkauft – der Käufer war ein Fan von mir.

Danach sind Sie nicht mehr selbst geflogen?

Ich wollte wieder damit anfangen, aber mein Mann hat sich nicht getraut. Er sagte: „Mit dir fliege ich nicht.“ Dabei habe ich mehr als 3000 Flugstunden!

Dorthe Kollo

*17. Juli 1947 in Kopenhagen

Erste Schallplattenaufnahme mit acht Jahren. Erster deutscher Erfolg: „Junger Mann mit roten Rosen“ (1964). Viele Hits wie „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“ folgten.

Aus der Ehe mit Opernsänger René Kollo stammt Nathalie (*1967), aus ihrer zweiten Ehe Jil (*1983). Seit 2007 ist sie zum dritten Mal verheiratet.

Das war ein ungewöhnliches Hobby für eine junge Frau. 
Ja, das hat sich einfach so ergeben – aus einem Gespräch mit einem Fluglehrer, der meinte, ich sollte den Pilotenschein machen. Ich hatte damals an vielen Samstagen drei Auftritte und wurde viel durch die Gegend geflogen. Dabei saß ich vorne bei den Piloten und fand das wahnsinnig interessant.
Haben Sie auch brenzlige Situationen erlebt? 
Oh ja! So wie damals, als ich auf einer Wiese landen wollte, die durch den Regen so rutschig war, dass ich nicht richtig bremsen konnte. Oder sagen wir: erst als sich der Propeller in den Boden bohrte. 
Als Sie mit 17 Jahren schwanger waren, durften Sie sich auf der Bühne nichts anmerken lassen …  
Das war wirklich nicht leicht. Zum Glück lebte da mein Vater noch, der gab mir Halt. Mit meiner Mutter konnte ich nicht darüber reden.

Das war ein ungewöhnliches Hobby für eine junge Frau. 

Ja, das hat sich einfach so ergeben – aus einem Gespräch mit einem Fluglehrer, der meinte, ich sollte den Pilotenschein machen. Ich hatte damals an vielen Samstagen drei Auftritte und wurde viel durch die Gegend geflogen. Dabei saß ich vorne bei den Piloten und fand das wahnsinnig interessant.

Haben Sie auch brenzlige Situationen erlebt? 

Oh ja! So wie damals, als ich auf einer Wiese landen wollte, die durch den Regen so rutschig war, dass ich nicht richtig bremsen konnte. Oder sagen wir: erst als sich der Propeller in den Boden bohrte. 

Als Sie mit 17 Jahren schwanger waren, durften Sie sich auf der Bühne nichts anmerken lassen …  

Das war wirklich nicht leicht. Zum Glück lebte da mein Vater noch, der gab mir Halt. Mit meiner Mutter konnte ich nicht darüber reden.

Warum war Ihr Verhältnis nicht so vertraut? 

Ich hatte immer schon ein besseres Verhältnis zu meinem Vater. Vielleicht weil er als Musiker – er war Kapellmeister – eher mit mir auf einer Wellenlänge lag.  

Stimmt es, dass Ihre Mutter Ihre ersten Gagen veruntreute? 

Sie hatte auch Schwierigkeiten und Krisen, dann hat sie sich mal was geborgt für ihre beiden Friseursalons, und es hat leider mit dem Zurückzahlen nicht geklappt. Sie sagte damals zu mir: „Das bekommst du, wenn du 18 bist.“ Aber dann war kein Geld mehr da. Meine Mutter hat auch sehr viel geopfert für mich und mich überallhin gefahren. Also habe ich ihr dann verziehen.

Mitte der 1980er erkrankten Sie an Brustkrebs. Wie sind Sie damit umgegangen? 

Da hatte ich unglaubliches Glück. Der Knoten wurde weggeschnitten, ohne dass ich eine Bestrahlung oder sonst etwas machen musste. Zehn Jahre später kam der Krebs wieder und wurde erneut entfernt. Seitdem habe ich Ruhe, ohne dass ich eine Chemotherapie hätte machen müssen.

Wie hat die Erkrankung Ihr Leben noch verändert?

Ich lebe viel bewusster und mache nur noch das, wozu ich Lust habe. Das, was ich vertreten kann. Krankheiten sind oft ein Wegweiser und spiegeln manchmal unser Inneres wider.  

Sie sagen über Ihren Mann: „Er ist ein Mann der alten Schule, der einem die Autotür aufhält.“ Wie wichtig sind Ihnen gute Umgangsformen?

Man sollte schon die Etikette kennen. Etwa seine Kinder darauf aufmerksam machen, dass sie im Bus älteren Menschen ihren Platz anbieten. Es ist wunderschön, wenn man einen Mann hat, der eine Frau schätzt, sie ein bisschen umgarnt, Blumen mitbringt, auch wenn man viele Jahre zusammen ist. Dass man Respekt hat voreinander, das mag ich gerne.

Bedauern Sie, dass es die großen Musikshows mit Treppe und Ballett heute nicht mehr gibt? 

Um die Shows von damals mit Chris Howland und Kulenkampff ist es sehr schade. Auch die CDs werden verschwinden, weil die Menschen alles runterladen. Man baut ja schon keine CD-Spieler mehr in die Autos.

Achten Sie auf Ihre Ernährung?

Ich übertreibe nicht, aber ich sorge dafür, dass wir gut und das Richtige essen. Als Botschafterin der Stiftung Bremer Herzen setze ich mich für das Thema Herzgesundheit ein. Viele Herzprobleme kommen von ungesundem oder zu üppigem Essen, vom Rauchen, Trinken, von mangelnder Bewegung.

Treiben Sie viel Sport? 

Ja, ich mache Kickboxen und Pilates, spiele Golf, fahre Rad, gehe viel mit meinem Hund spazieren.

Wie kamen Sie zum Kickboxen? 

Mein Fitnesstrainer forderte mich Anfang 2017 auf: „Zieh mal die Boxhandschuhe hier an!“ Es ist anstrengend, macht aber sehr viel Spaß und kann im Notfall nützlich sein.

Mit dem Wissen des Alters: Hätten Sie manches anders gemacht? 

Aus den ganzen Erlebnissen habe ich viel gelernt. Es würde mir heute mit 70 Jahren nicht so gut gehen, wenn ich nicht so viel durchgemacht hätte. Ich hatte sehr viel Spaß in meinem Leben. Ich bin ein Optimist, und ich picke mir immer die schönsten Rosinen heraus, um mein Leben gut zu gestalten. Wenn ein Tag grau ist, zünde ich eine Kerze an, und dann ist er auch schön.


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