{{suggest}}


Meine zweite Chance: Leben nach dem Infarkt

Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall leben Patienten oft bewusster. Doppelt gut, wenn ihre Familie und Freunde mitmachen.

von Raphaela Birkelbach, 07.01.2019
EKG

Rund 300.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Herzinfarkt, fast 270.000 Bundesbürger einen Schlaganfall. Selbst wer den akuten Notfall relativ unbeschadet übersteht, schwebe weiter in großer Gefahr, warnt Prof. Axel Schlitt von der Deutschen Gesellschaft für Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DGPR). "Ein Infarkt bahnt sich lange an. Es ist wichtig, die Ursachen zu behandeln." Sonst droht bald der nächste. Bestenfalls wirkt der neue gesunde Lebenswandel obendrein ansteckend auf andere. Wenn der Partner oder die Freundin mitmachen, um so besser.

Engpass im Herz oder Gehirn

Hauptursache für einen Gefäßverschluss im Herzen oder Gehirn ist die Arteriosklerose. "Cholesterinablagerungen verengen die Adern", beschreibt Kardiologe Schlitt. Im schlimmsten Fall verstopft ein Pfropf das komplette Blutgefäß. Die Neigung zu dem gefährlichen Engpass liegt häufig in den Genen, mit dem Altern erhöht sie sich. Ein Infarkt ist aber nicht nur Schicksal. "Jeder kann viel dazu beitragen, einem weiteren vorzubeugen", sagt Schlitt.

Wer sich nach der Akutbehandlung für eine Reha entscheidet, dem fällt das meist leichter. "Dort setzt sich der Patient bewusst mit seiner Krankheit auseinander", so Schlitt. Je einschneidender das ­lebensbedrohliche Ereignis, umso eher ist der Betreffende bereit dazu, zeigt die Erfahrung. "Mancher ist so geschockt, dass er sofort aufhört zu rauchen", berichtet Dr. Christa Bongarth vom Rehazentrum Klinik Höhenried am Starnberger See. Es gibt aber auch Raucher mit Übergewicht, Diabetes und hohem Blutdruck, die ihren Lebensstil nicht hinterfragen, bedauert die Ärztin. "Mit dem Patienten besprechen wir sein individuelles Risikoprofil. Jeder kann so zum Experten seiner eigenen Erkrankung werden."

Schlaganfall- oder Herzinfarktkranke punkten, wenn sie Cholesterin- und Blutzuckerwerte regelmäßig checken. "Schon einfache Lebensstiländerungen bewirken ganz viel", beteuert Prof. Jan Sobesky vom Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss. Nicht mehr rauchen, leichte Küche bevorzugen, viel bewegen und penibel seine verordnete Arznei einnehmen – ein so veränderter Alltag wirkt sich positiv auf Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes aus und senkt die Gefahr, dass lädierte Blutgefäße weiter Schaden erleiden.

Ein ungesunder Lebensstil begünstigt einen Infarkt

Nachsorge ist gleich Vorsorge, beherzigt auch Helmut Röder aus Losheim am See. Vor gut 20 Jahren wäre er nach einem Infarkt beinahe gestorben. Er habe selbst dazu beigetragen, gibt sich der 69-Jährige selbstkritisch. "Als Selbstständiger war ich oft unterwegs, habe geraucht, hinzu kamen hohe Blutfette, erhöhter Blutdruck und kaum Bewegung." Den Kontrast lebt er schon längst: Seit 20 Jahren geht Röder bei jedem Wetter mit seinem Vierbeiner Gassi, hält sich bei deftiger Küche zurück und engagiert sich im Herzsport. Das imponiert anderen. "Leute fragen mich nach den Sportangeboten", erzählt der Rentner, der sich auch als Vorstand der Herzgruppen Saar und in der DGPR engagiert. "Ich habe schon manchen zu einem gesunden Lebensstil motiviert." Auch seine Frau, die nun fettärmer kocht.

 

Gewohnheiten ändern: Gemeinsam klappt es besser

Ideal, wenn der Funke überspringt. Setzen auch Umstehende auf herzgesunde Menüs, Rauchstopp und tägliche Spaziergänge, sorgen sie für ihr eigenes Wohlergehen. "Und der Erkrankte fällt nicht so schnell wieder in seinen alten Trott", erklärt Kardiologin Bongarth von der Klinik Höhenried. Sie weiß um die große Gefahr ihrer Patienten, wieder rasch in alte, ungesunde Gewohnheiten zu verfallen. Spätestens dann, wenn einen zu Hause die Alltagsroutine einholt. Umso sinnvoller findet es die Rehamedizinerin aus Bayern, dass jemand aus der Familie den Erkrankten bei Visiten, in Ernährungsschulungen oder zum Abschlussgespräch in der Klinik begleitet und sich informiert.

Bewusster leben

"Ein Schlaganfall oder Herzinfarkt ist schlimm", weiß Prof. Jan Sobesky vom Johanna-Etienne-Krankenhaus, "kann aber zugleich eine zweite Chance sein." Wer auf sich achte und die medizinische Nachsorge nutze, sei gut geschützt, so der Schlaganfallexperte. "Man kann fast zur alten Form auflaufen, lebt aber gleichzeitig gesünder."

Adressen:


Newsletter abonnieren

Newsletter Senioren Ratgeber

Senioren Ratgeber - Newsletter