Mundtrockenheit: Was hilft

Zu wenig Speichelfluss ist besonders im Alter ein weit verbreitetes Problem. Welche Ursachen dahinter stecken und was Betroffene dagegen unternehmen können
von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 05.07.2017

Ausreichend trinken hilft, Mundtrockenheit zu lindern

W&B/Marcel Weber

Die Patienten merken oft nichts. Doch dass der schützende Feuchtigkeitsfilm fehlt, sieht Dr. Anna Greta Barbe schon beim ersten Blick in den Mund. Die Zahnärztin von der Universität Köln kennt aber auch Frauen und Männer, die über eine raue Kehle klagen, "obwohl ihre Drüsen ausreichend Speichel produzieren".

Schlechter Atem, brennende Lippen

Ob so oder so, auffällig ist: Mundtrockenheit macht besonders Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu schaffen. Experten schätzen, dass etwa jeder dritte über 60-Jährige subjektiv darunter leidet, bei den über 80-Jährigen ist es nahezu jeder zweite. Nicht selten schleicht sich das Problem unmerklich ein: Schlucken und Sprechen fallen zunehmend schwerer, Wunden im Mund heilen langsamer, der Atem riecht schlecht, Zunge und Lippen brennen.

Den Zähnen droht ebenfalls Gefahr. "Die im Speichel enthaltenen Mineralien schützen die Hartsubstanz", erklärt Barbe. Ohne den Schutzfilm entsteht Karies, "oft an untypischen Stellen wie Zahnwurzeln, die in der Nähe von Speicheldrüsen liegen". Achtgeben müssen auch Menschen mit einer Prothese,  denn an der trockenen Schleimhaut haftet sie schlechter. 

Mundtrockenheit: Lebensstil entscheidend

Lange Zeit galt nachlassende Speichelproduktion im Alter als Hauptursache der Beschwerden. "Heute messen wir dem weniger Bedeutung zu", betont Professor Sebastian Hahnel von der Universitätsklinik Regensburg. Dafür gerät der persönliche Lebensstil mehr ins Visier. "Senioren trinken oft viel zu wenig", führt der Experte für Alterszahnmedizin an. Auch wer die Heizung immer zu hoch drehe, mit offenem Mund schlafe oder gerne scharf würze, müsse damit rechnen, dass sich Mundhöhle und Lippen unangenehm trocken anfühlen.

Medikamente können Speichelfluss stören

Auch ein prüfender Blick vom Fachmann auf die Medikamente lohnt sich. Ob Antidepressiva, entwässernde Tabletten, Mittel gegen Blutdruck, Parkinsontabletten oder Arznei gegen Dranginkontinenz: "Gerade Senioren nehmen oft viele Präparate ein", betont der Regensburger Zahnmediziner, "und Mundtrockenheit tritt bei vielen Wirkstoffen als Nebenwirkung auf." Zudem klagen häufiger Kranke mit Diabetes oder entzündlichem Rheuma über ein trockenes Gefühl im Mund, beim Sjögren-Syndrom sind die Speicheldrüsen sogar zerstört. Auch Krebskranke leiden massiv, wenn Bestrahlungen oder Chemotherapien den Schleimhäuten und Speicheldrüsen zusetzen. 

Gesunder Mund bedeutet Lebensqualität

Großen Schaden richtet das nicht nur im Mund an. Je nach Ausmaß und Fortschreiten der Beschwerden "ist die Lebensqualität vieler Patienten erheblich eingeschränkt", erklärt Zahnärztin Barbe. Wer nicht mehr sprechen mag, Speisen nur mühsam kaut oder einen übel riechenden Atem fürchtet, zieht sich immer mehr aus dem Leben zurück und schränkt sich unnötig ein.

Gleichwohl trauen sich Leidgeplagte oft nicht, das vermeintliche Wehwehchen beim Arzt anzusprechen, weil sie es für banal halten. "Tun Sie das unbedingt!", rät Anna Greta Barbe Betroffenen. In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden sanft beheben.

Tipps: So regen Sie den Speichelfluss an

  • Ausreichend trinken: Am besten Wasser oder ungesüßten Tee.
  • Öl ziehen: Mundhöhle mit einem Esslöffel Öl spülen. Lindert kurzfristig.
  • Neutral essen: Extrem saure, stark gewürzte und sehr süße Lebensmittel meiden. 
  • Kaugummi kauen Am besten zuckerfrei. Regt den Speichelfluss an. Vorsicht bei Schluckstörungen!
  • Eiswürfel lutschen: Nimmt das Trockenheitsgefühl. Nicht bei Diabetes und Bestrahlungen im Mund, wenn Nerven beschädigt sind.
  • Arzneien prüfen: Fragen Sie den Arzt oder Apotheker, ob eines Ihrer Medikamente die Beschwerden auslösen kann. Manche Wirkstoffe lassen sich problemlos austauschen.
  • Speichel ersetzen: Fragen Sie in der Apotheke nach künstlichem Speichel, der als Gel oder Spray erhältlich ist.  
  • Mundhygiene: Regelmäßige Pflege von Zähnen oder Zahnersatz schützt die angegriffene Schleimhaut vor Schäden.
  • Fluorid ergänzen: Schützt als Zahnpasta, Gel oder Mundspüllösung vor Karies.
  • Zähne kontrollieren: Regelmäßig zum Zahnarzt gehen, um Karies und Schleimhautschäden vorzubeugen.

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