Raucherhusten: Höchste Zeit zum Aufhören

Dauerhusten gilt bei Rauchern als Alarmsignal. Spätestens jetzt sollten sie von ihrem Laster lassen. Wie der Ausstieg klappt

von Elke Schurr, 29.06.2016

Lohnt sich immer: Mit dem Rauchen aufhören


Machen wir uns nichts vor: Welcher Raucher winkt nicht müde ab, wenn Zigarettenpackungen, Ärzte und Ehepartner warnen, dass die Sucht seiner Gesundheit schadet? Geschenkt! Doch wenn sich allmorgendlich die verstopften Luftwege vom Schleim der Nacht befreien, könnte das den einen oder anderen schon mal aufhorchen lassen.

Zumindest sollte es das. Denn chronischer Raucherhusten ist ein geräuschvoll-grollendes Warnsignal des Körpers. Und der ruft: "Aufhören! Um die Luftkanäle in meiner Lunge steht es schlecht! Mein Atemtrakt ist überlastet!" Die Gefahr, dass es noch schlimmer kommt, ist zudem groß. Chronische Entzündungen oder gar bleibende Verengungen der Bronchien stehen möglicherweise am Ende der täglichen Zerstörungsarbeit durch das Rauchen. Wer früh genug damit aufhört, hat noch die Chance, dass sich das Atemsystem erholt.

Raucherhusten: Kehrarbeit in den Bronchien

Oft meldet die Lunge sich am Morgen besonders geräuschvoll. Das liegt an den nächtlichen Aufräum­arbeiten, die sie in der rauchfreien Phase verstärkt vornimmt. "Ein Raucherhusten ist das Ergebnis dieser Müllabfuhr", erklärt Dr. Michael Barczok, Pneumologe aus Ulm. "Der Körper transportiert damit die angesammelten Schadstoffe nach draußen." Am Tag jedoch, wenn der Rauch erneut die Luftwege vernebelt, wird der nützliche Kehrdienst teilweise außer Kraft gesetzt.

Normalerweise produzieren die Bronchien einen Schleim, den Tausende von Flimmerhärchen nach oben befördern und der mit dem Speichel verschluckt wird. Das geschieht unmerklich und zum Schutz vor Schmutz und Keimen. Wer jedoch seinen Schleimhäuten unablässig heißen Teer und anderes Gift zumutet, killt die winzigen Transportmittel, erklärt Barczok: "Die Flimmerhärchen nehmen Schaden, der Schleimtransport ist massiv gestört."

Flimmerhärchen erholen sich wieder

Höchste Zeit, hellhörig zu werden und sich zu trauen, beim Arzt vorbeizuschauen – auch wenn er mit Sicherheit das unbequeme Thema "Rauchausstieg" anschneidet. "Wir klären zunächst, was genau hinter dem Husten steckt", versichert Dr. Thomas Hering, Lungenarzt aus Berlin und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen. "Am besten für den Patienten wäre es, wenn man den Husten noch im Stadium einer Bronchitis erwischt – also ohne weitere Einbußen der Lunge."

Ein optimaler Zeitpunkt, mit dem Laster aufzuhören: "Sobald Sie das Rauchen lassen, können sich auch die Flimmerhärchen wieder erholen", verspricht der Lungenexperte.

Warnzeichen ernst nehmen

Ein Argument, das bei vielen Rauchern wenig zieht. Nach dem Motto "Ich rauche, also huste ich" möchten die meisten das morgendliche Warnzeichen als Bagatelle abtun.

"Leider kommen viele Patienten erst in die Lungenarztpraxis, wenn ihr Husten gar nicht mehr aufhören will, wenn es beim Atmen pfeift oder sogar kleinste Anstrengungen von Atemnot begleitet werden", bedauert Michael Barczok. Ein Zeitpunkt also, an dem so mancher Lungenschaden nicht mehr rückgängig zu machen ist.

"Es kann zwar sein, dass es ein Leben lang bei der chronischen Bronchitis bleibt", räumt Barczok ein. "Doch ob sich aus der Dauerentzündung noch Schlimmeres entwickelt, hängt nicht nur von den Erbanlagen, sondern auch von der Dauer des Rauchens und vom Ausmaß der Zerstörungen ab."

"Die Lunge vergisst leider keine einzige Zigarette"

Bei bis zur Hälfte aller Raucher entwickelt sich aus der chronischen Bronchitis eine chronisch obstruktive Form, abgekürzt COPD – jene unheilbare und fortschreitende Krankheit, die in neun von zehn Fällen auf starkes langjähriges Rauchen zurückgeht. Dabei sind die Atemwege nicht nur kurzzeitig verengt, sondern dauerhaft. Später bläht sich die Lunge auf. Ein solcher Schaden, der den Menschen den Atem nimmt und oft eine Sauerstoff­therapie erfordert, ist nicht mehr rückgängig zu machen.

"Die Lunge vergisst leider keine einzige Zigarette", bedauert Barczok. "Trotzdem, das Rad lässt sich zwar auch bei einer Bronchitis nicht mehr ganz zurückdrehen, aber den Verfall der Lunge können Sie zumindest abbremsen."

Rauchstopp muss sein

Lungenexperten sind sich deshalb einig: Ob chronischer Husten oder bereits schwere Lungenerkrankung – die Konsequenz muss bei allen Patienten gleich sein: "Sie müssen das Rauchen lassen! Etwas anderes gibt es nicht!" Bronchien-erweiternde Sprays oder Kortison zu inhalieren und gleichzeitig weiterzurauchen – das bringt wenig. 

Leichter gesagt als aufgehört. Die Sucht ist genau die Hürde, die den Weg in die Arztpraxis versperrt. Das ist allen Ärzten klar. "Jeder Raucher weiß von den Gefahren. Er muss sie nicht noch einmal hören. Deshalb sollte man mehr die inneren Widerstände verstärken, die jeder Raucher selbst gegenüber seiner Sucht hat", betont Pneumologe Hering. Er hat den Rauchstopp zu seinem Hauptarbeitsgebiet gemacht.

In seiner Praxis bietet der Suchtexperte und Diplompsychologe Hans-Joachim Ruhr eine Therapie an, die sowohl die körperliche als auch die psychische Abhängigkeit angeht. "Die Kursteilnehmer sprechen dabei über praktische Dinge, über Rückfallgefahren, über neue, notwendige Gewohnheiten als Ex-Raucher. Beim dritten Termin ist dann meist die Angst vor dem Ausstieg weg", so Psychologe Ruhr.

Was beim Rauchausstieg hilft

  • Punkt setzen: Am sichersten führt die Schlusspunkt-Methode zum Ziel, bei der Raucher beschließen, von einem Tag auf den anderen aufzuhören. Schritt-für-Schritt-Ausstiege sind weit weniger erfolgreich.
  • Kurs besuchen: Wer schon öfter vergeblich versucht hat loszukommen, sollte sich Unterstützung holen. Tabakambulanzen, Kliniken und Arztpraxen bieten Rauchfrei-Programme oder Tabakentwöhnungskurse an. Ihr Haus- oder Lungenarzt und auch Ihre Krankenkasse beraten Sie. Auf rauchfrei-programm.de finden Sie unter dem Stichwort "Kursangebote in Ihrer Nähe" einen Kurs an Ihrem Wohnort.
  • Stoff ersetzen: Ob Kaugummi, Pflaster, Inhalationen oder Lutschtabletten mit Nikotin: Alle diese Präparate erleichtern den Entzug, führen dem Körper allerdings weiter den Suchtstoff zu. Wichtig: Die Mittel sollten ausreichend hoch dosiert und lange genug, mindestens acht Wochen, angewendet werden. Ihr Apotheker kann Sie hierzu beraten.
  • Pille schlucken: Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin oder Bupropion drosseln das Rauchverlangen und lindern Entzugssymptome. Die Medikamente sind rezeptpflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

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