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Sechs Fragen zu Vitamin-B12-Mangel

Ältere Menschen haben häufiger einen Mangel an Vitamin B12, auch Cobalamin genannt, als jüngere. Dieser bleibt oft unerkannt. Was Senioren wissen müssen

von Gerlinde Gukelberger-Felix, aktualisiert am 22.07.2019
Rumpsteak

Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Käse enthalten viel Vitamin B12


1. Warum ist Vitamin B12 wichtig?

Der Körper braucht es, um Blut zu bilden, Zellen zu teilen, Fettsäuren abzubauen und Myelin aufzubauen. Letzteres wird für die Hülle von Nervenfasern benötigt. Der menschliche Körper kann Vitamin B12 nicht selbst herstellen. Deshalb muss es von außen zugeführt werden, normalerweise über das Essen.

2. Welche Symptome können bei einem Mangel auftreten?

Neben einer Blutarmut treten vor allem neurologische Beschwerden auf. Teilweise sind letztere sogar das erste Anzeichen für einen Mangel. Neben Gedächtnisstörungen und Depressionen können sich Symptome wie Kribbeln in Armen und Beinen, ein pelziges Taubheitsgefühl, Gangunsicherheit, Zungenbrennen, Müdigkeit, Schwindel, Ausfall der Reflexe und erhöhte Sturzneigung bemerkbar machen.

3. Welche Ursache kann ein B12-Mangel bei Senioren haben?

Ein Vitamin-B12-Mangel ist bei älteren Menschen häufiger als bei jungen. Er kann selbst dann auftreten, wenn jemand viele Lebensmittel mit dem Nährstoff zu sich nimmt. Eine Hauptursache ist in diesem Fall eine verschlechterte Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm. Dahinter können Medikamente stecken, zum Beispiel Metformin bei einem Typ-2-Diabetes oder sogenannte Magensäureblocker, wenn Patienten diese dauerhaft einnehmen.

Die Mittel heißen im medizinischen Fachjargon Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI. "Da PPI die Magensäureproduktion im Magen fast komplett ausschalten, nimmt der Körper zu wenig Vitamin B12 aus der Nahrung auf", erläutert Dr. Andreas Leischker, Ernährungsmediziner und Chefarzt der Klinik für Geriatrie der Alexianer Krefeld GmbH.

Dazu kommen Operationen, die Magen- und Dünndarm verkleinern, beispielsweise bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Durch den chirurgischen Eingriff kann sich zum Beispiel die Fläche im Verdauungstrakt verkleinern, über die Vitamin B12 aufgenommen wird. Auch eine chronische Magenschleimhautentzündung, unter der viele im Alter leiden, beeinträchtigt die Aufnahme.

4. Wie wird ein Vitamin-B12-Mangel richtig festgestellt?

Vitamin-B12-Mangelzustände bleiben bei Senioren oft unerkannt. Ein Grund ist, dass Ärzte häufig nur untersuchen, wie viel davon im Blut vorhanden ist. Dieser Wert sagt aber nichts darüber aus, wie viel Vitamin B12 vorliegt, das die Zellen tatsächlich verwerten können.

"Es reicht nicht, den Wert für Cobalamin zu messen. Er kann im unteren Normbereich liegen und es besteht trotzdem ein B12-Mangel ", sagt Leischker. In diesem Fall sollte unbedingt die Cobalamin-Variante Holotrans-Cobalamin (HoloTC) bestimmt werden. Dabei handelt es sich um Vitamin B12, das an das Transporteiweiß Transcobalamin gebunden ist. Dieses befördert den Nährstoff im Blut zu den Zellen.

"Zusätzlich ist, insbesondere auch bei Senioren mit eingeschränkter Nierenfunktion, die Methylmalonsäure (MMA) zu messen", sagt Leischker. Sie fällt bei einem Vitamin-B12-Mangel vermehrt an.

5. Wie wird ein Vitamin-B12-Mangel behandelt?

"Bei einem akuten Mangel wird das Vitamin direkt unter die Haut oder in den Muskel injiziert, um die Speicher schnell aufzufüllen und weitere Schäden zu verhindern", sagt der Krefelder Mediziner. Wer noch keinen akuten Mangel hat, aber nicht ausreichend aufnimmt, kann hochdosiertes Vitamin B12 schlucken. "Bei Senioren, die täglich Magensäureblocker verwenden, ist es ratsam, von Zeit zu Zeit B12 zu spritzen", rät Leischker. Das ist auch dann sinnvoll, wenn nicht sichergestellt ist, dass der Patient das B12 auch zuverlässig täglich schluckt.

6. Wie kann ich vorbeugen?

Tierische Nahrungsmittel enthalten Vitamin B12. "Wenn jemand nicht mehr gut kauen kann, ist es möglich, Fleisch zu pürieren oder einfach Hackfleisch zu verwenden", sagt Leischker. Es gibt aber auch Senioren, die kein Fleisch oder sonstige tierische Lebensmittel essen. Sie können etwas Vitamin B12 durch den Genuss von Sauerkraut oder Algen aufnehmen. Außerdem sollten sie unbedingt hochdosierte B12-Präparate einnehmen. "Im Gegensatz zu vielen anderen Vitaminen besteht bei B12 kein Risiko einer Überdosierung."


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