So finden Sie den richtigen Arzt

Ein Arzt sollte sich natürlich in seinem Fachbereich auskennen. Wir stellen zehn Kriterien vor, auf die es sich aber ebenfalls lohnt, zu achten

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 29.04.2016
Arzt-Patienten-Gespräch

Eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen Arzt und Patient ist wichtig


Was einen guten Arzt ausmacht, ist für jeden Menschen anders. Der eine möchte unbedingt als gleichberechtigter Partner in die Therapie eingebunden sein. Der andere ist vielleicht froh, wenn der Mediziner ihm feste Anweisungen gibt, an die er sich halten kann.

Für die Genesung ist nicht nur wichtig, dass der Mediziner ein Fachmann in seinem Gebiet ist. Auch wenn der Patient sich in der Praxis wohl fühlt und dem Arzt vertraut, trägt das zum Behandlungserfolg bei. Laut einer US-amerikanischen Analyse bleiben Patienten bei der Therapie eher dran, wenn das Gespräch mit dem Arzt erfolgreich verlaufen ist.

Deswegen ist es absolut berechtigt, bei der Arztwahl auf solche weichen Kriterien zu achten. Wir stellen die wichtigsten vor, in Zusammenarbeit mit Experten der Unabhängigen Patientenberatung.

1. Die Praxis ist gut erreichbar

Ein kurzer Anfahrtsweg ist wichtig  – gerade beim Hausarzt und bei Fachärzten, die Sie regelmäßig aufsuchen. Wer kein Auto besitzt, sollte die Praxis gut zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Ein barrierefreier Zugang ist für Rollstuhlfahrer ebenso wie für Menschen wichtig, die nicht gut zu Fuß sind. Auch die Öffnungszeiten können ein Kriterium sein.

2. Der Umgangston ist freundlich

Die Sprechstundenhilfe begrüßt Sie höflich und schiebt Ihnen die Formulare zum Ausfüllen nicht einfach kommentarlos über die Empfangstheke? Das ist nicht nur zum Wohlfühlen wichtig. Der Umgangston kann außerdem ein Hinweis darauf sein, wie ansonsten in der Praxis mit Patienten umgegangen wird. Es lohnt sich zudem, darauf zu achten, wie der Arzt und sein Team untereinander sprechen. Oft überträgt sich das Verhältnis zwischen diesen auch auf die Patientenbetreuung.

3. Die Intimsphäre wird geachtet

Beim Arzt ist es oft medizinisch notwendig, die Hose herunter zu lassen. Eine gute Praxis nimmt Rücksicht auf das persönliche Schamempfinden der Patienten und bietet zum Beispiel im Sprechzimmer einen mit Vorhang abgedeckten Bereich zum Umziehen an. Außerdem sollte nicht ständig eine Assistentin ein- und ausgehen, während der Arzt Sie in Unterwäsche untersucht.

Auch außerhalb des Sprechzimmers sollte das Praxisteam darauf achten, den Patienten peinliche Momente zu ersparen. Dass das Rezept für die Inkontinenz-Einlagen fertig ist, muss nicht das gesamte Wartezimmer erfahren.

4. Bekannte empfehlen den Arzt weiter

Hören Sie sich ruhig in Ihrem Bekanntenkreis um, wenn Sie einen neuen Arzt suchen. Familienmitglieder und Bekannte können in der Regel ehrlich und unabhängig Auskunft geben, wie zufrieden sie mit einem Mediziner sind.

Mit Vorsicht zu genießen sind Arztbewertungen im Internet. Die Ergebnisse dort sind oft nicht aussagekräftig. Ein negativer Kommentar bedeutet nur, dass ein einzelner Patient mit der Behandlung unzufrieden war. Die überwiegende Mehrheit kann sich beim Arzt gut aufgehoben fühlen, sah aber keinen Anlass, deswegen einen Kommentar zu schreiben. Bewertungsportale können Sie aber gut dazu nutzen, um an Informationen wie Anfahrtsweg und Öffnungszeiten zu gelangen.

5. Der Arzt nimmt sich Zeit für Sie

Ein guter Arzt erkennt nicht unbedingt auf den ersten Blick, woran der Patient leidet. Stattdessen lässt er seinem Gegenüber genug Zeit, um seine Beschwerden zu beschreiben, bevor er sein Urteil fällt. Währenddessen sollte er dem Patienten seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Arbeitet der Arzt nebenbei am Computer, während der Patient spricht, dürften die wenigsten sich als Mensch ernstgenommen fühlen. Auch nach der Diagnose sollte der Arzt sich die Zeit nehmen, um den Sinn der einzelnen Behandlungsmaßnahmen zu erklären und auf Nachfragen einzugehen.

6. Der Arzt spricht kein Fachchinesisch

Patienten sollten keinen Dolmetscher mit ins Sprechzimmer nehmen müssen. Ein Arzt, dem an seinen Patienten liegt, hat vielleicht im Studium die ganzen lateinischen Fachbegriffe gelernt. Im Alltag kann er seine Befunde nun aber auch so erklären, dass Laien sie verstehen.

7. Der Arzt beteiligt Sie an Entscheidungen

Patienten haben das Recht, über Therapiemaßnahmen selbst zu bestimmen. Der Arzt sollte Ihnen deshalb die freie Entscheidung lassen und nicht versuchen, Sie in eine bestimmte Richtung zu drängen. Dazu gehört, dass er Sie offen über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Möglichkeiten informiert.

8. Arzt oder Ärztin?

Gerade bei intimen Problemen kann es leichter fallen, offen darüber zu reden, wenn Arzt und Patient das gleiche Geschlecht haben. Übrigens nehmen sich Ärztinnen im Schnitt mehr Zeit für das Patientengespräch – wobei es natürlich auch unter den männlichen Medizinern gute und unter den weiblichen weniger gute Zuhörer gibt.

9. Transparenz bei IGe-Leistungen

IGeL ist die Kurzform für Indivduelle Gesundheits-Leistungen. Die Kosten für diese Behandlungsmaßßnahmen muss der Patient selbst zahlen. Bei jeder Untersuchung, die der Arzt vorschlägt, sollte Ihnen auch ohne Nachfragen ersichtlich sein, ob Sie die Leistung aus eigener Tasche zahlen müssen oder ob die Krankenkasse sie übernimmt. Ist das nicht der Fall: Suchen Sie beim nächsten Mal lieber eine andere Praxis auf.

10. Unabhängiges Infomaterial

Bei der Beurteilung einer Praxis lohnt es sich, einen Blick auf die ausliegenden Informations-Broschüren zu werfen. Sind diese von unabhängigen Anbietern, etwa von Patientenorganisationen? Oder stammen sie fast ausschließlich von Pharma-Unternehmen? In Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung bieten wir Ihnen die Arztsuche der Weissen Liste an. Auf dem Portal können Sie schnell und einfach Haus- und Fachärzte finden und bewerten.


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