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Warum schwindeln Patienten?

Psychotherapeutin Dr. Margareta Kampmann-Schwantes erklärt, warum Patienten manchmal nicht die Wahrheit sagen und gibt Tipps für gelungene Arzt-Patienten-Gespräche.

von Raphaela Birkelbach, 26.07.2019
Sprechstunde

Psychotherapeutin und Hausärztin Dr. Margareta Kampmann-Schwantes


Frau Dr. Kampmann-Schwantes, merken Sie es, wenn ein Patient Sie anlügt?

Mich stört das Wort lügen. Wenn ein Patient mir nicht die Wahrheit sagen will, warum auch immer, ist das ein Ausdruck fehlenden Vertrauens.

Was läuft da eventuell schief?

Oft fragt der Arzt Patienten gleich zu Beginn nach ihrem Hauptanliegen. Mir ist es lieber, sie erst mal reden zu lassen. Patienten testen meist vorsichtig an, wie offen sie reden können. Bei Themen wie Inkontinenz oder Suchtproblemen beispielsweise haben viele Angst vor einem Stigma.

Wie fühlen Patienten vor?

Im Gespräch lassen sie beiläufig einen Satz fallen wie "Ich habe da so Probleme mit meinem Mann, der hat doch Diabetes!". Das könnten Hinweise auf sexuelle Schwierigkeiten sein. Mit der Nachfrage "Was bedeutet das für Sie?" baue ich eine Brücke. Gehen Patienten darauf ein, bedanke ich mich für ihr Vertrauen.

Nicht jeder Arzt ist so sensibel.

Manche Kollegen reagieren leider vorwurfsvoll, wenn jemand etwa sagt, dass er viel raucht oder zum Heilpraktiker geht. Patienten zu bewerten schadet dem Zusammenhalt. Manchmal ist ein Arzt aber aus ganz anderen Gründen so abwehrend.

Was kann noch dahinterstecken?

Mancher Arzt hat vielleicht selbst ein Problem, vielleicht weil er auch keinen Sport macht oder übergewichtig ist. Solche Themen übergeht er dann auch gerne bei seinen Patienten.

Entbindet das Patienten von ihrer Verantwortung, ehrlich zu sein?

Keinesfalls. Nur haben Patienten in der Regel gegenüber dem Arzt immer den schwächeren Part, weil sie Hilfe suchen. Dadurch kann ein Verhältnis wie zwischen Eltern und Kindern entstehen.

Schadet sich jemand nicht selbst, wenn er etwas verschweigt?

Ja, das sollte er bedenken. Wer etwa heimlich Medikamente nimmt oder weglässt, geht immer ein Risiko ein. Das kann lebensgefährlich sein.

Wie gelingt es, beim Arzt heikle Themen offen anzusprechen?

Bitte nicht die eigenen Hemmungen dem Arzt unterstellen! Für den Arzt sind Themen wie Impotenz oder ­Blasenschwäche Alltagsbeschwerden. Der Patient sollte sich sagen: So wie mir geht es vielen anderen auch.

Und wer das nicht schafft?

Der sollte sich bewusst machen, wie viel Last er mit sich herumträgt. Wenn er aber offen über sein Problem spricht, kann ihm der Arzt wahrscheinlich helfen. Man sollte in das Gespräch mit dem Wunsch hereingehen: "Ich will nicht mehr so darunter leiden!" Das kann helfen, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Das verlangt Selbstbewusstsein.

Es gibt viele Wege, gut miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich habe mal eine Patientin mit chronischen Magenschmerzen untersucht. Auf Stress angesprochen, sprang sie von der Liege herunter, funkelte mich wütend an und erwiderte: "Ich habe keinen Stress!" Das war so komisch, dass wir beide lachen mussten, und das Eis war gebrochen.

Unsere Expertin:

Die Psychotherapeutin und Hausärztin Dr. Margareta Kampmann-Schwantes arbeitet im brandenburgischen Oberkrämer.


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