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Was Sie über Eisenmangel wissen müssen

Wie kommt es zu einem Eisenmangel und wie lässt er sich behandeln? Antworten auf die wichtigsten Fragen – und welche Lebensmittel wertvolles Eisen liefern

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 14.09.2020
Seniorin mit Schwindelgefühl durch Unterzucker

Kopfweh, Schwäche und Blässe können Zeichen eines Eisenmangels sein


1. Wofür benötigt der Körper eigentlich Eisen?

Eisen ist ein Spurenelement. Das bedeutet, dass es im Körper nur in sehr geringen Mengen vorkommt. Nichtsdestotrotz ist es überlebenswichtig. Der menschliche Organismus benötigt Eisen, um Hämoglobin zu bilden, einen Bestandteil der roten Blutkörperchen. Mithilfe des Hämoglobins wiederum transportieren die Blutkörperchen Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen, wo er mittels chemischer Prozesse der Energiegewinnung dient.

Bei einem entsprechend ausgeprägten Eisenmangel bildet der Körper weniger Hämoglobin und die Sauerstoffversorgung funktioniert in der Folge nicht mehr so gut. Mediziner sprechen von einer Eisenmangelanämie – also von Blutarmut infolge von fehlendem Eisen. Eisenmangel ist die häufigste Ursache einer Anämie.

2. Wie entsteht ein Mangel?

Die Ursachen für einen Eisenmangel können vielfältig sein. Oft entsteht er infolge eines Blutverlustes, etwa bei häufigem Nasenbluten. Die häufigste Ursache ist die Menstruation. Circa jede zehnte Frau (vor den Wechseljahren) hat einen Eisenmangel - bei Männern ist er eher selten.

Auch eine zu geringe Zufuhr von Eisen über die Ernährung kann einen Mangel hervorrufen. Doch: "In der Regel nehmen wir über die Nahrung sehr viel Eisen zu uns", erklärt Privatdozent Dr. Martin Bommer vom Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Ulm.

3. Welche Symptome gibt es?

Ein Eisenmangel zeigt meist keine eindeutigen Beschwerden. Bei einer Blutarmut durch Eisenmangel fühlen Betroffene sich manchmal schwach, geraten leicht in Atemnot und haben Schwindelgefühle. Außerdem können Konzentrationsstörungen, eine verminderte Leistungsfähigkeit auftreten. Auch das Risiko für Angina pectoris steigt, weil bei verengten Herzkranzgefäßen nicht zur wenig, sondern auch zu wenig sauerstoffreiches Blut durch die Gefäße strömt. Bei ausgeprägter Eisenmangelanämie beschleunigt sich der Puls, man ist blass und oft auch kurzatmig.

Vor allem bei älteren Menschen kann dadurch das Sturzrisiko ansteigen. Zudem können unter anderem Haare ausfallen, Fingernägel brüchig werden und Risse in den Mundwinkeln entstehen. Gerade bei älteren Menschen besteht die Gefahr, dass sie solche Hinweise nicht richtig deuten, sie für eine natürliche Alterserscheinung halten. Ärzte stellen einen Eisenmangel deshalb oft eher zufällig fest, wenn Betroffene sich aus einem anderen Grund untersuchen lassen.

4. Ist ein Eisenmangel gefährlich?

Gefährlich können vor allem die Auslöser und mögliche Folgen des Eisenmangels sein – etwa die erhöhte Sturzgefahr. Kurzatmigkeit und Schwächegefühle schränken zudem die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil stark ein. Vor allem bei älteren Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen beziehungsweise koronarer Herzerkrankung kann eine Eisenmangelanämie wirklich gefährlich sein.

5. Wie diagnostiziert der Arzt den Mangel?

Dazu genügt in der Regel eine Blutabnahme. Der Arzt misst den Hämoglobinwert und, je nach Bedarf, verschiedene Eisenwerte (v.a. Ferritin).

6. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei einem Eisenmangel ist es vor allem wichtig, nach Möglichkeit die auslösende Ursache zu behandeln. Bei Bedarf kann der Arzt auch Eisenpräparate verschreiben. Ansonsten: Eine eisenreiche Ernährung, die aber alleine in der Regel nicht ausreicht, um einen Mangel einigermaßen zügig zu korrigieren. Daher verordnet der Arzt meist eine zusätzlich Eisengabe in Form von Tabletten oder Kapseln - in schweren Fällen kann der Arzt Eisen auch spritzen. Den Mangel zu beseitigen, kann einige Zeit benötigen: "Es dauert etwa drei Monate, um leere Eisenspeicher aufzufüllen", sagt Bommer.

7. In welchen Lebensmittel steckt viel Eisen?

Ein prima Eisenlieferant ist Fleisch. Fleisch und Fisch enthalten sogenanntes Häm-Eisen, das leicht aufgenommen wird.

Pflanzliche Lebensmittel mit recht viel Eisen sind z.B. Vollkornreis, Pfifferlinge, Soja, die meisten grünen Blattgemüse, Pistazien, Sesam - das Eisen aus pfalnzlichen Lebensmitteln wird allerdings etwas schlechter aufgenommen. Außerdem stecken in pflanzlichen Lebensmitteln oft Stoffe, die Eisen binden und deshalb die Aufnahme zusätzlich erschweren. Das gilt v.a. für teeinhaltigen Tee, Oxalsäure (z.B. in Kakao, Roter Bete, Rhabarber, Spinat), aber auch für Milchprodukte (Phosphat im Schmelzkäse).

Zudem enthalten vielen pflanzliche Lebensmittel zusätzlich bestimmte Substanzen, die Eisen im Darm binden, die Aufnahme also beeinträchtigen. Dazu gehören z. B. Tannine (Rotwein, teeinhaltiger Tee), Oxalsäure (enthalten in Kakao, Spinat, Rote Bete, Rhabarber), Phosphat (z. B. in Schmelzkäse) oder Phytat (z. B. in Getreide). Wichtiger Tipp: Vitamin C verbessert die Umwandlung von Nicht-Häm-Eisen in Häm-Eisen, das leichter aufgenommen wird - daher kann ein Glas Orangensaft zum Essen die Aufnahme von Eisen verbessern.


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