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Was bei Jucken und Brennen am Po hilft

Oft stecken Hämorriden dahinter, wenn es am After brennt und juckt. So können Sie vorbeugen – oder werden die Beschwerden wieder los.

von Orla Finegan, Elsbeth Bräuer, Stephan Soutschek, aktualisiert am 02.12.2019
Bidet

Juckreiz am Po: Im Bidet lässt sich der After mit klarem Wasser spülen


Juckt und brennt es am Po? Häufig sind vergrößerte Hämorriden der Auslöser. Allerdings kann auch falsche Hygiene im Intimbereich dafür verantwortlich sein.

Juckreiz: Seife und feuchtes Toilettenpapier können After reizen

"Falsche Hygiene" bedeutet dabei nicht, dass jemand sich den Po nicht gründlich genug gereinigt hat. Auch ein zu großes Sauberkeitsbedürfnis kann schaden. "Seifen oder Duschgels können Chemikalien enthalten, die die Haut am After reizen", sagt Professor Alexander Herold vom End- und Dickdarmzentrum Mannheim und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie.

Auch zu viel Schrubben oder raues Toilettenpapier kann die empfindlichen Hautpartien am Po schädigen und Juckreiz auslösen. "Vorsicht auch bei feuchtem Toilettenpapier", sagt Herold. Bei einigen Menschen reagiert die Haut darauf gereizt.

Was tun, wenn die Haut am After brennt? Steckt nur eine falsche Reinigung dahinter, lassen sich die Beschwerden mit einfachen Verhaltensänderungen in den Griff kriegen. Am besten ausprobieren, was hilft – der eine verträgt eine Sorte feuchtes Toilettenpapier, der andere nicht.

Tipps für die Analhygiene

  • Analbereich nach dem Stuhlgang erst trocken abwischen. Anschließend noch mit Wasser reinigen, damit keine Reste etwa an den Haaren zurückbleiben. "Ideal ist dazu ein Bidet", sagt Herold. Ersatzweise Toilettenpapier kurz mit Wasser befeuchten. Anschließend sanft trocken tupfen. Auf Seifen oder feuchtes Toilettenpapier verzichten.
  • Das Toilettenpapier sollte nicht zu rau und hart sein. Bedrucktes Klopapier kann Stoffe enthalten, die die Haut reizen. Auf das Blümchenmuster also besser verzichten und die schlichte Variante kaufen.
  • Auch Schweiß kann in Verbindung mit Stuhlresten die Haut reizen. Unterwäsche aus Baumwolle kann das Problem lindern: Sie nimmt Feuchtigkeit besser auf und verhindert so, dass ein feuchtes Milieu entsteht.
  • Einen gereizten After mit einer zinkhaltigen Creme oder Salbe pflegen.

Dauerhafte Beschwerden vom Arzt abklären lassen

Wer diese Tipps beherzigt, bei dem sollte das Jucken und Brennen nach etwa zwei Wochen verschwunden sein. Wenn nicht, wird es Zeit, einen Arzt aufzusuchen. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Beschwerden im Analbereich eine chronische Ursache haben. Oft sind es Hämorriden, die Probleme bereiten, oder aber Fisteln oder eine sonstige Entzündung. In seltenen Fällen stecken Erkrankungen des Dickdarms dahinter.

Was sind Hämorriden?

Hämorriden sind gut durchblutete Blutgefäßpolster am Ende des Darms, jeder Mensch hat sie. Sie sorgen zusammen mit dem Schließmuskel dafür, dass der After dicht ist. Wenn sich der Darm auf der Toilette entspannt, zieht sich das Blut aus ihnen zurück, sie werden kleiner und ­geben den Weg für den Stuhl frei. Danach schwellen sie wieder an und dichten den After ab.

Wie bemerkt man, dass sie Probleme machen?

Die Polster sind knotig vergrößert und ziehen sich nicht mehr so gut zusammen. "Das klassische erste Symptom ist Blut am After", sagt Andreas Joos vom Deutschen End- und Dickdarmzentrum in Mannheim. "Gegebenenfalls kann es auch jucken, nässen oder brennen." Da dies aber auch Symptome für ernstere Erkrankungen sein können, muss der Arzt andere Ursachen stets ausschließen. "Schmerz dagegen ist kein typisches Anzeichen, denn die Hämorride an sich hat keine Nerven­fasern", sagt Joos. Wenn es doch schmerzt, ist wahrscheinlich eine Begleiterscheinung schuld: eine entzündete und gereizte Schleimhaut am Po oder ein Ekzem zum Beispiel.

Etwa jeder dritte Erwachsene hat im Lauf seines Lebens mit vergrößerten Hämorriden zu kämpfen. Die gute Nachricht: Sie sind lästig, aber nicht gefährlich. Neben einem Arztbesuch raten Apothekern ihren Kunden dann meist zu Salben oder Sitzbädern mit entzündungslindernden Wirkstoffen wie Hamamelis oder Bismutgallat. Je nach Schweregrad empfehlen sich auch örtlich leicht betäubende Zäpfchen oder Salben.

Das können Sie tun, um Hämorriden vorzubeugen

  • Erst auf die Toilette gehen, wenn man wirklich muss.
  • Nicht zu lange auf dem Klo sitzen und pressen, dann leiert das Bindegewebe aus. Die Sitzungsdauer auf etwa drei bis fünf Minuten beschränken.
  • Ballaststoffreich essen – etwa Vollkornprodukte. Das sorgt für eine gute Verdauung und beugt Verstopfung vor, die wiederum Hämorriden begünstigt. Flohsamenschalen sind eine zusätzliche Ballaststoffquelle. Bitte unbedingt ausreichend trinken!

Frühe Behandlung lohnt

Stülpt sich die Hämorride beim Pressen auf der Toilette aus, rutscht aber nach dem Stuhlgang von alleine wieder in den Darm? Dann handelt es sich um ein beginnendes Hämorridalleiden. Wenn Sie sie dagegen mit dem Finger zurückstupsen müssen oder sie dauerhaft außerhalb des Darms bleiben, ist die Hämorride schon stark vergrößert.

Suchen Sie so früh wie möglich einen Arzt auf! Bei Beschwerden ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner, er kann weiter zum Gastroenterologen oder Proktologen überweisen. Wer sich gleich behandeln lässt, kann meist eine Operation vermeiden. Die Basis des Erfolgs: eine verdauungsfreundliche Ernährung und die richtigen Gewohnheiten bei der Sitzung.

Störende Polster ausschalten

Rutscht die Hämorride nicht mehr von selbst zurück in den Darm, reichen neue Gewohnheiten auf der Toilette nicht aus. Joos rät dann zusätzlich zur Verödung, in der Fachsprache Sklerosierung genannt. Der Proktologe spritzt dazu ein Mittel in den Hämorridalknoten, der das ausgeleierte Gewebe schrumpfen lässt.

Bei größeren Hämorriden empfiehlt Joos eine Methode, bei der der Arzt die Hämorride mit einem Gummi­band abschnürt. Nach etwa einer Woche wird das abgestorbene Gewebe mit dem Band entfernt. "Das ist aber schon invasiver als die Verödung", sagt Joos. Bei etwa einem Prozent der Patienten komme es zu Blutungen, die unter Umständen im Krankenhaus gestillt werden müssen. Dennoch: "Das Verfahren kann zwar unangenehm sein, für die meisten ist es aber unproblematisch."

Dauerhafte Lösung

Wenn diese Methoden nicht reichen, weil der Gewebeknoten zu stark angeschwollen ist, kommt eine Operation in Frage. Joos und seine Kollegen haben verschiedene Verfahren für die aktuellen ärztlichen Hämorriden-Leitlinien unter die Lupe genommen. Gute Noten bekommt dabei die Segment-Entfernung: Dabei schneidet der Chirurg die problematischen Hämorriden einzeln heraus. "Diese Methode gehört in Deutschland zu Recht zu den am häufigsten angewendeten Verfahren", sagt der Experte.

Wichtig sei aber vor allem, dass der Arzt die Methode wählt, die zum Leiden des Patienten passt. Ein Patentrezept gibt es nicht – der Arzt entscheidet immer individuell, welche Methode zum besten Ergebnis führt.

 


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