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Was bei Schluckstörungen hilft

Schluckstörungen können das Essen und Trinken erschweren. Vor allem im Alter ist das Problem häufig. Über Ursachen und Gegenmaßnahmen

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 03.05.2016
Tee trinken

Schluckstörungen: Beschwerdefrei trinken ist wichtig, auch für die Lebensqualität


Das Schlucken nehmen die meisten Menschen als selbstverständlich hin. Das ist weiter nicht verwunderlich, weil der Mensch um die 1000 mal pro Tag Essensbissen, Flüssigkeit oder einfach nur Speichel aus dem Mund in die Speiseröhre befördert. Doch Schlucken ist ein komplexer Mechanismus, bei dem zahlreiche Muskeln und Nerven zusammenarbeiten müssen. Auch ein intakter Speichelfluss ist wichtig, damit das Schlucken problemlos vonstatten geht.

Schluckstörungen können viele Ursachen haben

Ist dieses System gestört, kann das Schlucken Beschwerden bereiten. Vor allem bei älteren Menschen ist das häufig der Fall. "Rund die Hälfte der Altenheimbewohner leidet unter Schluckstörungen", schätzt Dr. Michaela Müller. Die Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie ist am Schluckzentrum an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden tätig. Altersübergreifend sind wohl um die fünf Millionen Menschen in Deutschland von Schluckstörungen betroffen.

Chronische Schluckbeschwerden – Mediziner sprechen dabei von einer Dysphagie – sind keinesfalls harmlos: Denn Betroffene verlieren die Lust am Essen und Trinken, nehmen infolgedessen häufig zu wenig zu sich. Das kann einen Gewichtsverlust zur Folge haben, der gerade bei Älteren den Körper anfälliger für Krankheiten macht. Auch Rückzugstendenzen können Betroffene entwickeln, wenn sie aus Scham über ihr Leiden Einladungen zu einem Kaffeeklatsch oder Abendessen ausschlagen. Im schlimmsten Fall kann eine Schluckstörung sogar lebensbedrohlich werden. Gelangen bei einem gestörten Schluckvorgang durch ständiges Verschlucken Flüssigkeiten oder Speisereste in die Atemwege, können sie dort eine Lungenentzündung begünstigen.

Schluckstörungen umgehend abklären lassen

Michaela Müller empfiehlt, Schluckstörungen immer von einem Arzt untersuchen zu lassen, sobald sie einem bewusst werden. Denn oft bemerken Betroffene diese erst spät, weil sie ihr Essverhalten unbewusst anpassen. Außerdem können Probleme beim Schlucken ein Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Krankheit sein.

Schluckbeschwerden können verschiedene Ursachen haben:

  • So können Verletzungen oder Entzündungen, in seltenen Fällen auch Tumore in Mund, Rachen oder Speiseröhre dazu führen, dass das Schlucken Schmerzen bereitet.
  • Mit dem Alter lässt zudem oft der Durst nach. Dadurch können die Schleimhäute austrocknen, das Schlucken fällt schwerer. Auch nachlassende Muskelkraft mit zunehmendem Alter kann eine Rolle dabei spielen.
  • Neurologische Krankheiten wie das Nervenleiden Parkinson, eine Demenz oder ein Schlaganfall können den Schluckreflex stören.
  • Bei einer sogenannten Achalasie öffnet sich der untere Ringmuskel der Speiseröhre nicht richtig. Dadurch verbleiben die Speisen länger in der Speiseröhre.
  • Eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) kann den Schluckakt behindern.
  • Ausstülpungen der Speiseröhre, sogenannte Ösophagusdivertikel, können zu einem Fremdkörpergefühl im Hals führen.
  • Bestimmte Medikamente, zum Beispiel Psychopharmaka, können ebenfalls Schluckbeschwerden begünstigen.
  • In einigen Fällen liegen psychische Ursachen dem Engegefühl in der Kehle zugrunde. Bilden sich Betroffene ein, dass ein Fremdkörper das Schlucken erschwert, sprechen Mediziner vom "Globusgefühl". Stress ist dabei ein möglicher Auslöser.

"Bei der Therapie von Schluckstörungen geht es zunächst einmal darum, die Grunderkrankung zu behandeln", sagt Müller. Mit dieser können in einigen Fällen auch die Schluckprobleme wieder verschwinden. Entsprechend der großen Bandbreite an möglichen Auslösern können Ärzte, Ernährungstherapeuten, Logopäden oder Pflegepersonal an der Behandlung beteiligt sein.

Schlucktraining: Schlucken wieder lernen

Bei der Schlucktherapie lernen Patienten, das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln beim Schluckvorgang wieder zu verbessern. Das ist vor allem bei neurologischen Ursachen wichtig, also beispielsweise bei der Parkinson-Krankheit oder nach einem Schlaganfall. Die Therapeuten vermitteln dabei bestimmte Kopfbewegungen und Körperhaltungen, die das Schlucken erleichtern, und trainieren gezielt bestimmte Muskeln. Das alles kann dazu beitragen, dass das Schlucken wieder zu einem selbstverständlichen Akt wird.

Zur Behandlung gehört auch, gegebenenfalls die Ernährungsweise des Patienten anzupassen. In schweren Fällen kann zumindest vorübergehend eine Ernährung über eine Magensonde sinnvoll sein – etwa wenn durch einen Schlaganfall das Schlucken erschwert ist. Ist die Sonde nur für eine kurze Zeit nötig, führen die Ärzte sie in der Regel über die Nase in den Magen ein, so Müller. Bei einer längeren Dauer wird sie dagegen durch die Bauchdecke gelegt.

Püriertes Essen appetitanregend anrichten

Selbst wenn die Betroffenen keine Sonde benötigen, kann es sein, dass sie sich von Breikost ernähren müssen. Diese empfinden viele nicht gerade als ansprechend. Es gibt aber einige Tricks, um diese Mahlzeiten genussvoller zu gestalten:

  • Das Essen frisch kochen.
  • Mit Kräutern würzen.
  • Die einzelnen Zutaten getrennt pürieren und nicht miteinander mischen. So bleiben die einzelnen Farben erhalten, das Essen sieht ansprechender aus.
  • Den Esstisch schön anrichten; das sorgt für eine ansprechendere Atmosphäre beim Essen.

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