Was die Nieren schützt

Nieren leiden lange stumm. Warum Bluthochdruck und Diabetes den Mini-Klärwerken des Körpers zusetzen und wie Sie die Nierenfunktion aufrechterhalten
von Elke Schurr, 23.10.2017

Die Nieren sitzen seitlich der Wirbelsäule am unteren Rücken

iStock/Kaarsten

Wie hoch ist Ihr Blutdruck? Was macht Ihr Blutzucker? Rauchen Sie? Wiegen Sie zu viel? Welche Medikamente nehmen Sie? Sie wundern sich, was all diese Fragen mit Ihren Nieren zu tun haben sollen? "Eine ganze Menge", weiß Professor Jan Galle, Nierenexperte aus Lüdenscheid und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. "Hier lauern ihre größten Feinde."

Warum die Nierenleistung von so verschiedenen Faktoren wie Blutdruckhöhe, Zucker im Blut oder Rauchen beeinflusst wird, hat mit ihrer täglichen Arbeit zu tun. "Eine Niere ist letztlich ein einziges großes Blutgefäß", erklärt Galle, "quasi ein großer Blutschwamm." Das Geflecht aus blut- und harnfördernden Kanälchen trennt unaufhörlich Brauchbares von Unbrauchbarem und regelt nebenbei den Wasser- und Mineralstoffhaushalt. Wenn also Gefäße durch Bluthochdruck oder Diabetes Schaden nehmen, kann auch das kilometerlange Gefäßnetz der Nieren schwächeln – mit weitreichenden Folgen.

Eiweiß im Urin verrät Nierenschaden

Das Fatale daran: Das Filteror­­gan leidet lange stumm. Keine Schmerzen, keine Müdigkeit, kein schäumender oder gar blutiger Urin, keine Beschwerden, die einen glauben machen, dass mit den Nieren etwas nicht stimmt. Doch schon einfache Labortests kommen einem beginnenden Leistungsknick auf die Spur. Nierenfachärzte halten es deshalb für sinnvoll, den Harn regelmäßig auf verdächtige Eiweiß- und Blutspuren zu überprüfen.

Bei einem Nieren-Check wird auch das Kreatinin im Blut gemessen, ein Stoff aus den Muskelzellen, der etwas über die Funktion der Niere aussagt. "Das allein reicht aber nicht", betont der Lüdenscheider Experte aus langjähriger Erfahrung. Der Krea­tininwert hänge sehr von der Muskelmasse des Untersuchten ab. "Aussagekräftiger ist die Filtrationsrate." Sie berücksichtigt auch Alter und Geschlecht.

Bluthochdruck setzt Teufelskreis in Gang

Ohnehin verlieren ab dem 40. Lebensjahr die Mini-Klärwerke jährlich knapp ein Prozent ihrer Leistungskraft. Bei einem 70-Jährigen kann das die Filterfunktion um etwa ein Drittel schmälern. Ein Verlust, der an sich noch keinen Grund zur Sorge liefert. Wenn sich jedoch auf dem Laborzettel weitere Funktionseinbußen abzeichnen, sollten die Alarmglocken läuten. Nicht zuletzt den Nieren zuliebe sollten Senioren, die etwa zu hohem Blutdruck neigen, ihre Werte unbedingt unter Kontrolle halten. Denn auf Dauer macht Bluthochdruck die winzigen Nierenkörperchen platt.

Hinzu kommt, dass "die Nieren eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulierung spielen", erklärt Professor Jürgen Floege vom Universitätsklinikum Aachen. "Bei einem Nierenschaden steigt der Blutdruck häufig an, andererseits schädigt Hochdruck die empfindlichen Gefäßknäuel in den Nieren – ein Teufelskreis."

Ist die Nierenschwäche bereits fortgeschritten, droht dem Patienten nicht nur ein Nierenversagen bis hin zur Dialyse. "Er hat zudem ein deutlich erhöhtes Risiko zum Beispiel für einen Herz­infarkt", warnt Nierenexperte Jürgen Floege. Zerstörerisch auf alle Gefäße im Körper wirken außerdem auch Zigaretten-Giftstoffe, zu viel Zucker im Blut, zu viel Bauchfett und zu wenig Bewegung.

Blutdruckwerte im Blick

Dass es nicht so weit kommt, hat jeder von uns zu einem großen Teil selbst in der Hand: Entscheidend ist vor allem, dass Blutdruck- und Blutzuckerwerte stimmen. Lassen Sie Ihren Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren, und besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihre medikamentöse Therapie – insbesondere den Gebrauch von Schmerzmitteln. Wer keine Medikamente braucht, sollte mit dem Arzt jedenfalls über sinnvolle Lebensstil­änderungen reden.

Wovon die fleißigen Filterorgane nämlich noch profitieren: sich mehr bewegen, das Rauchen einstellen, sich gesund, also gemüsebetonter ernähren. Und was ist mit ex­tra viel trinken? "Nieren durchspülen ist Blödsinn", betont Fachmann Galle. Nieren brauchen nicht mehr, aber auch nicht weniger Wasser als andere Gewebe. Eineinhalb bis zwei Liter über den Tag verteilt genügen.                      


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