Was gegen Sodbrennen hilft

Säureattacken in der Speiseröhre plagen viele. Wie Sie Sodbrennen vorbeugen und was dagegen hilft
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 10.07.2017

Keine Frage des Alters: Unter Sodbrennen leiden viele Menschen

W&B/Marcel Weber

Beim Stichwort "Volkskrankheit" fallen einem zunächst Erkrankungen wie Diabetes ein. Nur wenige dürften dagegen an Sodbrennen denken. Dabei leiden ungefähr zehn bis zwanzig Prozent der Deutschen zumindest hin und wieder unter dem unangenehmen Brennen auf Höhe des Brustbeins.

Sodbrennen ist natürlich bei Weitem nicht so gefährlich wie zum Beispiel Diabetes. Oft ist es sogar harmlos, vor allem, wenn es nur gelegentlich auftritt. Doch es kann die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken.

Die Refluxkrankheit als Ursache für Sodbrennen

Streng genommen handelt es sich bei Sodbrennen nicht um eine Krankheit, sondern meist um ein Symptom der sogenannten Refluxkrankheit. Sodbrennen entsteht, wenn Säure aus dem Magen in die Speiseröhre aufsteigt – "Reflux" bedeutet übersetzt "Rückfluss". Dieser kann mehrere Ursachen haben: "Häufig liegt ein Zwerchfellbruch vor", erklärt Professor Romuald Adamek, Chefarzt des St. Vinzenz-Krankenhauses in Düsseldorf. Die Speiseröhre schließt nicht richtig ab, sodass Magensaft in die Speiseröhre eindringt.

Außerdem kann es zu Sodbrennen kommen, wenn der Magen sich zu langsam entleert. Das kann passieren, wenn man zum Beispiel zu viel gegessen hat. Seltener kann eine reduzierte Pumpfunktion der Speiseröhre die Ursache sein, etwa bei fortgeschrittenem Diabetes. Bei der seltenen Krankheit Achalasie weitet sich der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht richtig. Auch das kann Sodbrennen sowie Schluckstörungen und Aufstoßen unverdauter Speisereste verursachen.

Sodbrennen durch Medikamente

Auch bestimmte Medikamente können Sodbrennen begünstigen. Dazu gehören manche Mittel gegen Asthma, einzelne Herz-Kreislauf-Medikamente wie Kalziumantagonisten oder auch bestimmte Schmerzmittel.

Besteht der Verdacht, dass ein vom Arzt verordnetes Arzneimittel das Sodbrennen fördert, sollten Patienten das Medikament nicht selbstständig absetzen. Stattdessen immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten und sich über mögliche Alternativen aufklären lassen. Achtung: Manchmal können Schmerzen hinter dem Brustbein auch vom Herzen stammen. Wer den entsprechenden Schmerz als ungewöhnlich oder beunruhigend empfindet, sollte sofort den Arzt, notfalls auch den Notarzt hinzuziehen.

Häufiges Sodbrennen kann gefährlich werden

Chronisches Sodbrennen sollten Betroffene keinesfalls ignorieren, es kann durchaus ernste Komplikationen nach sich ziehen. Bei häufigem Sodbrennen kann sich die Schleimhaut in der Speiseröhre entzünden, in sehr seltenen Fällen kommt es auch zu Speiseröhrenkrebs. "Wer über mehrere Wochen hinweg häufig Sodbrennen hat, sollte sich von einem Arzt untersuchen lassen", rät Adamek. Je älter ein Mensch ist, desto eher sollte er sich durchchecken lassen. Eine Magenspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben kann näher darüber Aufschluss geben, ob bereits Folgeschäden bestehen.

Vorbeugen: So vermeiden Sie Sodbrennen

In einfachen Fällen können Betroffene selbst einiges tun, um Sodbrennen vorzubeugen:

  • Abnehmen: Übergewicht kann das Risiko für Sodbrennen steigern. Überzählige Kilos am Bauch erhöhen den Druck auf den Magen, sodass eher Säure in die Speiseröhre fließt. Deshalb kann Abnehmen dazu führen, dass die Säureangriffe seltener werden.
  • Späte Mahlzeiten vermeiden: "Der Magen benötigt etwa drei Stunden, um sich zu entleeren", weiß Adamek. Um Sodbrennen im Bett zu vermeiden, sollte man deshalb spätestens drei Stunden vor dem Schlafengehen die letzte Mahlzeit einnehmen.
  • Tritt Sodbrennen vor allem nachts auf, kann es helfen, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen.
  • Langsam essen: Manche Menschen schlingen sehr hastig. Ihnen hilft es vielleicht, sich mehr Zeit für die Mahlzeiten zu nehmen.
  • Auf bestimmte Speisen verzichten: Sehr fettige, süße oder säurehaltige Gerichte und Getränke können Sodbrennen verursachen. Verzichten Sie auf die betreffenden Nahrungsmittel. Welche das sind, können Sie durch Ausprobieren herausfinden.
  • Vermeiden Sie am besten auch Nikotin und Alkohol.
  • Stress kann ebenfalls Sodbrennen begünstigen. Diese Ursache ist nicht immer einfach abzustellen. Entspannungstechniken können helfen.

Medikamente und Operation

Bei gelegentlichen Beschwerden können Medikamente aus der Gruppe der Antazida helfen. Sie binden Säure im Magen. Lassen Sie sich vom Arzt oder Apotheker dazu beraten – auch wegen möglicher Wechselwirkungen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann der behandelnde Arzt Medikamente verschreiben, um das Sodbrennen zu lindern. Mittel erster Wahl sind dabei sogenannte Protonenpumpenhemmer. In niedriger Dosis sind sie zur kurzzeitigen Selbstbehandlung auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dasselbe gilt für sogenannte H2-Rezeptorblocker.

Sodbrennen lässt sich notfalls auch mittels Operation behandeln, der sogenannten laparoskopischen Fundoplikatio. Sie kommt vor allem für schwere Fälle infrage oder für Patienten, bei denen die übrigen Maßnahmen nicht helfen. Der Eingriff sollte aber – gemeinsam mit einem Arzt – gut überlegt werden. Schließlich sind Operationen gerade für ältere Menschen immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Bei dem Eingriff legt der Operateur einen Teil des Magens um den unteren Teil der Speiseröhre. Dadurch kann die Magensäure nicht zurückfließen.

Hausmittel gegen Sodbrennen: Milch und trockenes Brot

Bei gelegentlichem Sodbrennen schwören manche auch auf ein einfaches Hausmittel: Ein Glas Milch oder eine Scheibe Brot. In Einzelfällen kann das die Beschwerden lindern. Kehrt die Säureattacke aber immer wieder zurück, sollten Betroffene sich vorsichtshalber auf jeden Fall untersuchen lassen.


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