{{suggest}}


Was hinter Schlafgeräuschen steckt

Wer nachts im Bett redet und schnarcht, nervt nicht nur den Partner. Vielleicht steckt etwas Ernstes dahinter. Ein Überblick

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 22.10.2019
Frau schnarcht im Schlaf

Lautes Schnarchen ist vor allem für den Partner eine Qual


1. Im Schlaf reden

Was passiert? Mal sind die Worte klar verständlich, mal murmelt ein Schläfer leise vor sich hin. Meist geschieht das während der Traumphasen. Nach dem Aufwachen weiß der nächtliche Redner nichts von seinen Äußerungen.

Welche Ursachen? Neben Veranlagung und fieberhaften Infekten gelten psychischer Stress und Kummer als typische Auslöser. Auch Alkohol lockert die Zunge. Wie viele Senioren im Schlaf reden, lässt sich schwer abschätzen. Singles etwa wissen nicht um ihr näch­tliches Redebedürfnis. Experten gehen davon aus, dass rund fünf Prozent der Älteren betroffen sind.

Wann zum Arzt? In der Regel ist keine spezielle Therapie notwendig. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie sich tagsüber erschöpft fühlen.

Was kann ich tun? Alles, was tagsüber hilft, Stress abzubauen, wie Sport, Entspannungsübungen.

Tipp für den Partner: Überlegen Sie, was Sie zur Entlastung Ihres Partners beitragen können. Möchte er über seine Sorgen und Probleme reden? Achten Sie auch darauf, selbst gut zu schlafen. Vielleicht sind Ohrstöpsel oder eine räumliche Trennung in der Nacht die Lösung. Fragen Sie in der Apotheke bei Bedarf nach Einschlafhilfen, die zum Beispiel pflanzliche Wirkstoffe aus Baldrian, Passionsblume oder Melisse enthalten.

2. Schnarchen

Was passiert? Im Schlaf entspannt sich die Rachenmuskulatur, die oberen Atemwege verengen sich, Gaumen und Zäpfchen vibrieren beim Atmen und erzeugen die Schnarchgeräusche. Der Schlafende bemerkt in der Regel nichts davon, der Partner fühlt sich oft stark durch den Lärm belastet. Mindestens 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen schnarchen, hohe Dunkelziffer an Betroffenen.

Welche Ursachen? Mit dem Alter nimmt die Muskelspannung im Rachen ab. Als Verstärker gelten Schnupfen, Polypen, Alkohol, Rauchen, Übergewicht sowie synthetische Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Wann zum Arzt? An sich ist Schnarchen unbedenklich. Häufig drängt der Partner aber auf eine Therapie, weil er sich gestört fühlt. Bei sehr lautem Schnarchen mit Atemaussetzern und starker Tagesmüdigkeit unbedingt zum Arzt. Dann ist eine gründliche Diagnostik im Schlaflabor ratsam. Eine vom Zahnarzt individuell angepasste Schiene für die Nacht schiebt Unterkiefer und Zunge leicht nach vorn und kann Geräusche ausbremsen. Eventuell hilft ein operativer Eingriff, die Atemwege frei zu halten. Individuell mit dem Experten besprechen, was sinnvoll ist.  

Was kann ich tun? Den Lebensstil ändern, Alkoholkonsum und Rauchen einschränken oder ganz verzichten, Übergewicht abbauen, Schlafmittel weglassen. Besser auf der Seite schlafen, als Stütze ein kleines Kissen in den Rücken legen. In der Apotheke gibt es spezielle Klemmen, die die Nasenflügel dehnen.

Tipp für den Partner: Oft reicht es, den Schnarcher kurz anzusprechen oder ihn zu bitten, sich auf die Seite zu drehen. Bleibt das erfolglos: mit Ohrstöpseln ruhen, leichte Schlafmittel aus der Apotheke ausprobieren oder, falls möglich, in ein anderes Zimmer umziehen.

3. Mit den Zähnen knirschen

Was passiert? Unbewusst knirscht der Schlafende mit den Zähnen oder presst die Kiefergelenke aufeinander. Knirschen und Pressen können allerdings auch tagsüber stattfinden.

Welche Ursachen? Meist steckt psychischer oder körperlicher Dauerstress dahinter. Alkohol, Koffein, Rauchen oder Medikamente können verstärkend wirken. Grob geschätzt zählen fünf Prozent der über 65-Jährigen zu den nächtlichen Knirschern.

Wann zum Arzt? Auf nächtliche Mahlgeräusche wird meist der Partner aufmerksam. Hin und wieder zu knirschen ist nicht schlimm. Wer aber öfter Schmerzen im Bereich der Wange, der Schläfe oder vor dem Ohr verspürt, sollte beim Zahnarzt mögliche Ursachen abklären lassen. Hat das Gebiss bereits Schaden genommen, etwa durch verstärkten Zahnabrieb, ist er ebenfalls der richtige Ansprechpartner. Eine individuell angefertigte Aufbissschiene für die Nacht schützt die Zähne und entlastet die Kaumuskeln.

Was kann ich selbst tun? Lassen Sie Knirschverstärker wie Zigaretten oder Alkohol weg. Prothesenträger sollten nachts ihre Dritten herausnehmen. Wichtig ist es, den Stresspegel so weit wie möglich zu senken. Sprechen Sie über Ihre Sorgen und Nöte, die Sie offenbar bis in den Schlaf verfolgen. Haben Sie schon einmal Yoga ausprobiert? Gut ist es, ein Entspannungsverfahren zu erlernen. In manchen Fällen ist eine Gesprächstherapie beim Psychologen der beste Weg, Probleme zu lösen.

Tipp für den Partner: Hören Sie zu, wenn Ihr Partner über seine Belastungen reden will. Sorgen Sie gleichzeitig gut für Ihren Schlaf.

Fachliche Beratung: Prof. Helmut Frohnhofen, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin; Dr. Michael Bohndorf, HNO-Zentrum Düsseldorf; Dr. Bruno Imhoff, Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie


Newsletter abonnieren

Newsletter Senioren Ratgeber

Senioren Ratgeber - Newsletter