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Wirbelkanalstenose: OP muss nicht sein

Schmerzen beim Stehen und Gehen sind typische Symptome des Nerven-Engpasses an der Wirbelsäule. Welche Therapien gegen die Beschwerden helfen

von Elke Schurr, aktualisiert am 31.07.2019
Rückenschmerzen

Verengungen im Wirbelkanal können sehr schmerzhaft sein


"Es wird halt immer enger da hinten", meint Professor Stefan Zausinger vom Münchener Uniklinikum Großhadern, und deutet an seinem Wirbelsäulenmodell auf eine Stelle, die zwischen Wirbelkörpern und Dornfortsätzen verborgen liegt. "Stenosen haben leider die natürliche Tendenz, sich zu verschlimmern."

Diese Verengungen im Wirbelkanal sind eine natürliche Alterserscheinung. Jeder Dritte über 60 leidet an ihren Folgen. Die Beschwerden nehmen im Laufe der Jahre eher zu als ab. Zunächst sollte durch eine Behandlung mit Medikamenten und mit physiotherapeutischer Hilfe versucht werden, die Schmerzen einzudämmen. Den Nerven im Kanal wieder mehr Platz zu schaffen vermag aber nur eine Operation.

Die Beschwerden entscheiden über die Therapie

Grund für das Leid am Rücken sind nachgebende Bandscheiben, wachsende Gelenkknochen und verdickte Bänder, die allmählich den Wirbel­kanal einengen. Ein Bereich, der sowohl das Rückenmark als auch jene Nervenbündel beherbergt, die bis in die Beine reichen. Hat sich ein solcher Engpass im Lendenwirbelgebiet gebildet – dort geschieht es am häufigsten –, kann der Rücken höllisch wehtun und das Gehen zur Tortur werden.

Kann. Muss aber nicht. Denn ob der Arzt zum Skalpell greift, hängt nicht nur davon ab, wie viel Platz die Nerven noch in ihrem Schutzraum haben, sondern ob und wie der Patient auf die gezwickten Nerven reagiert. Ließe man alle Menschen über 60 radiologisch untersuchen, könnte man bei jedem bereits erste Einengungen des Wirbelkanals nachweisen, so Neurochirurg Zausinger. "Nicht jeder von ihnen leidet aber unter Schmerzen. Viele Ältere mit Wirbelkanalstenosen merken davon überhaupt nichts!"

Gut gestützt ist halb gewonnen

Zu diesen Glücklichen zählen Menschen, die sportlich sind, nicht rauchen, ein ordentliches Muskelkorsett aufgebaut haben und es vermeiden, ihr Kreuz falsch zu belasten. Im Gegenzug den Rücken entlasten, ihn stützen und stärken: Das sind die wichtigsten Schritte, um das Enge-Problem auch außerhalb des Operationssaals lösen zu können.

"Wir können dem Patienten so wieder Lebensqualität zurückgeben", bekräftigt Peter Tschuran. "Er soll wieder schlafen, nicht bei der kleinsten Bewegung aufwachen, spazieren gehen können."

Der Münchener Physiotherapeut, der seit mehr als 30 Jahren Rückenschmerzgeplagten zur Seite steht, zeigt, wie’s geht: Mit der Rückenschule lernen Patienten, wie sie sich schon morgens richtig aus dem Bett erheben, sich rückenschonend auf einem Stuhl herumdrehen und mit seinen Übungen die Bauch- und Rückenmuskeln kräftigen (siehe unten). "Sie können damit zwar nicht wie ein Chirurg die Enge im Kanal weiten. Aber Muskeln aufbauen und den Druck von der Wirbelsäule nehmen – das kann viel ausgleichen."

Operation, wenn jeder Schritt schmerzt

Dass es irgendwann doch auf eine Operation hinauslaufen könnte, liegt an den Problemen in den Beinen. Der Druck auf dem Nervenkanal lastet derart, dass der Patient nur noch mit Mühe gehen oder stehen kann. "Wenn  bei jedem Meter der Schmerz ins Bein zieht, es kribbelt und pelzig wird, sollte man nicht zu lange mit der Operation warten", rät Zausinger. Denn im Gegensatz zu Bandscheibenvorfällen, die irgendwann von selbst schrumpfen, verbessert sich hier nichts von alleine. Im Gegenteil.

"Vor einem Jahr konnte ich noch eine halbe Stunde gehen. Jetzt schaff‘ ich gerade noch fünf Minuten." Die typische Klage eines Stenosepatienten und der wichtigste Grund, warum Chi­rurgen wie Zausinger ihr Ja zur Operation geben.

Der Patient liegt dabei auf dem Bauch, der Schnitt am Rücken ist rund sieben Zentimeter lang. Unter dem Mikroskop fräst, stanzt und entfernt der Arzt all das, was den Kanal einengt. Normalerweise, wenn nur ein Wirbelsegment, also eine Etage, betroffen ist, dauert ein solcher Eingriff 90 Minuten. "Das kann sich allerdings verlängern, wenn Wirbel aufeinandergleiten und wir sie mit Schrauben verbinden müssen." Der Arzt wird immer vorher klären müssen, ob gerade ältere Patienten die Belastung einer länger dauernden Operation riskieren können.

Trainieren gegen das Kreuzweh 

Ohnehin vermag die Operation die Kreuzschmerzen nicht völlig zu nehmen, unter denen mancher oft schon jahrelang leidet. Zausinger betont, wie wichtig es ist, dass Patienten das vorher wissen. "Mit der Operation verlängern wir die Gehstrecke, verbessern die in die Beine ausstrahlenden Schmerzen, das Kribbeln, die Müdigkeit in den Beinen." Alles Weitere aber liege in der Hand des Patienten. "Die Kräftigung der Rumpfmuskulatur ist das A und O. Das können Sie nur selbst beeinflussen."


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