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So pflegen Sie reife Haut

Apotheker Dr. Joachim Kresken im Interview über Sinn und Unsinn von Anti-Aging und die knifflige Suche nach den Ursachen von Hautreizungen.

von Annette Bieber, 17.12.2018
Frau betrachtet sich im Spiegel

Gold, Kaviar und Co.: Die Kosmetikbranche entdeckt immer neue Wirkstoffe für sich. Was braucht die Haut wirklich, um jünger zu wirken, Herr Dr. Kresken?  

Einfach wegcremen lassen sich Fältchen nicht. Eine gezielte Pflege aber kann den Prozess der nicht genetisch bedingten Hautalterung verzögern. Tagsüber ein Plus an Feuchtigkeit, nachts eine fetthaltigere Cremevariante – das ist schon mal ein guter Anfang. Ob zusätzlich Anti-Aging-Wirkstoffe wie bestimmte Vitamine, Antioxidanzien oder Peptide sinnvoll sind, sollte man mit dem Apotheker klären.

Stichwort Anti-Aging: Haben wir es selbst in der Hand, wie schnell wir altern?

Unsere Gene können wir nicht beeinflussen, unseren Lebenswandel schon. Wer in jungen Jahren mit seiner Haut nicht sorgfältig umgeht, bekommt dafür später oft die Quittung. Ein ungesunder Lebensstil, Nikotin, Stress und andere Umwelteinflüsse können deutliche Spuren hinterlassen. Die Haut vergisst nichts! Das beste Anti-Aging-Mittel aber ist: die Sonne in Maßen genießen und dabei einen Lichtschutz mit hohem UV-Schutzfaktor auftragen. Das senkt nicht nur das Risiko für Falten, sondern beugt auch Altersflecken und Hautkrebs vor.

Was macht die reife Haut überhaupt so anfällig?

Mit den Jahren wird die Haut dünner und durchlässiger für Fremdstoffe. Außerdem enthält reife Haut weniger Fett, weniger Elastin und weniger Kollagen. Da sie zur Trockenheit neigt und sich nicht mehr so schnell regeneriert, sollte sie schonend und möglichst mit Produkten mit schwachsaurem pH-Wert von 5 bis 6,5 gereinigt werden. Für die Pflege danach eignen sich Produkte, die hautverwandte Lipide und feuchtigkeitsbindende Substanzen wie beispielsweise Harnstoff, Hyaluronsäure oder Glycerin enthalten.

Wellness für Haut und Seele
Creme für die Haut, Balsam für die Seele: Immer mehr Senioren gönnen sich im Kosmetikstudio eine Auszeit vom Alltag. Eine schonende Reinigung und ­­pflegende Masken helfen, den Jahren ein Schnippchen zu ­schlagen. Kosmetikerinnen schenken zudem Aufmerksamkeit, Nähe und Berührung – das, was viele ­Menschen im Alter vermissen. Ein wenig Luxus, der die Lebens­qualität steigert und auch bei hochbetagten oder dementen Bewohnern in Senioreneinrichtungen ankommt.

Hier eine Rötung, dort eine schuppige oder juckende Stelle, die vorher nicht da war – werden solche Hautbeschwerden mit den Jahren häufiger?

Ja. Und gerade unsere älteren Kunden reagieren häufig sehr überrascht, wenn plötzlich etwas nicht mehr stimmt. Die Suche nach den Ursachen für Hautveränderungen ist ein bisschen wie Detektivarbeit. Wir nehmen uns die Zeit, das weiß die Kundschaft zu schätzen. Auslöser können neben erblich oder altersbedingten Hautproblemen auch Kosmetika oder Medikamente sein, die durch den im Alter langsameren Stoffwechsel zu Unverträglichkeiten führen. Wir lassen uns dann das ganze Arzneipaket mitbringen und prüfen, was möglicherweise nicht passt.

Die Haut ist ein Spiegel der Seele, heißt es. Ist da was dran?

Natürlich. Das erfahren wir im persönlichen Kundenkontakt immer wieder. Emotionaler Stress, der Verlust des Partners oder Zukunftsängste etwa können auch noch im hohen Alter erstmalig Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte auslösen. In solchen Fällen raten wir dem Kunden, einen Hautarzt aufzusuchen.

Dr. Joachim Kresken

Dr. Joachim Kresken ist Apotheker in Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie.


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