Gefäße schützen: Zehn Tipps

Verengte, starre Arterien ziehen überall im Körper Probleme nach sich. Doch jeder kann dazu beitragen, seine Gefäße jung zu halten

von Petra Haas, 01.02.2018

Aktiv sein ist gesund für Herz und Gefäße


Gesunde Arterien sind elastisch, sie dehnen sich aus und ziehen sich zusammen. Das garantiert steten Blutfluss und Sauerstoffnachschub für Organe und Gewebe. Bei Arteriosklerose, angefeuert durch hohe Blutdruckwerte, Nikotin und Bewegungsmangel, geht diese Elastizität verloren: Die Gefäße versteifen, verstopfen sogar. Nicht nur Herzinfarkt und Schlaganfall passieren so. Bei Engpässen leiden auch das Gedächtnis, das Herz, der Bauch und die Beine. Umso wichtiger ist es, gegenzusteuern.

1. Vorsorge nutzen

Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit und schlechte Blutfettwerte tun nicht weh. Unbehandelt richten sie im Gefäßsystem über Jahre aber sehr viel Schaden an. Senioren sollten daher den Gesundheits-Check beim Hausarzt nutzen, den die Krankenkassen alle zwei Jahre bezahlen. Eine geeignete Therapie hilft, etwa den Blutdruck wieder einem guten Wert anzunähern.

Auf Warnzeichen achten

Herzstolpern, Herzklopfen, Pulsrasen, nach 100 Metern aus der Puste oder Schmerzen in den Beinen? Bei solchen Beschwerden rasch zum Hausarzt gehen. Den Notarzt unter 112 rufen bei Anzeichen eines Herzinfarkts wie Brustschmerzen, kalter Schweiß, Schwächegefühle, Blässe. Ein Schlaganfall kann sich mit Sprach- und Sehstörungen, einer Muskelschwäche oder Lähmung auf einer Körperseite bemerkbar machen.

2. Rauchen stoppen

Tabakrauch torpediert die Arterienwände auf vielfältige Weise. Studien zeigen: Bereits nach einem Jahr haben Ex-Raucher ein deutlich niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Aufhören lohnt sich in jedem Alter. Der Arzt und der Apotheker helfen dabei.

3. Alkoholfreies genießen

Wer öfter zum "bleifreien" Bier greift, macht vieles richtig. Denn Alkoholkonsum kann den Blutdruck in die Höhe treiben, was den Blutbahnen schadet. Männer etwa sollten nicht mehr als einen halben Liter Bier oder einen viertel Liter Wein täglich trinken. Wer schon einen Infarkt hatte, sollte das Limit niedriger ansetzen, rät die Deutsche Herzstiftung.

4. Familie befragen

Schlank, sportlich und trotzdem gefährdet? Ein erhöhtes Risiko für Gefäß- und damit Herz-Kreislauf-Leiden kann vererbt sein. Trotz gesunder Lebensweise muss der Arzt dann etwas öfter hinschauen, was die Blutwerte oder das Belastungs-EKG über seinen Patienten verraten. Beim nächsten Familientreffen die Ohren spitzen: Woran ist damals Tante Inge gestorben? Welche Beschwerden hat Cousin Karl?

Gute Werte – auf einen Blick

Blutdruck: Er sollte unter 140/90 mmHg liegen, bei hohem Risiko unter 135/85 mmHg.

Blutfette: Bei erhöhtem Gefäßrisiko gilt für LDL-Cholesterin: unter 100 mg/dl.

Blutzucker: Zielwerte besprechen Senioren individuell mit ihrem Arzt.

Bauchumfang: Bei Männern sollte er weniger als 94 cm, bei Frauen maximal 80 cm betragen. Knapp oberhalb des Bauchnabels messen.

5. Aktiv sein

Ob zackiger Spaziergang oder zum Vorabendprogramm im Fernsehen auf dem Ergometer in die Pedale treten: Vor allem ausdauernde Alltagsaktivitäten punkten! Sie beeinflussen die Blutfettwerte positiv, senken langfristig den Blutdruck und verbessern den Blutfluss. Erste Effekte messen Sportmediziner bereits nach vier Wochen. Experten empfehlen, täglich mindestens 30 Minuten aktiv zu sein. Für Betroffene mit Gefäßleiden, etwa ersten Engpässen, gibt es spezielle Angebote wie Herzsportgruppen.

6. Viel Gemüse essen

Aubergine mit Fetakäse, Zucchiniröllchen in Tomatensoße: lecker und so gesund! Eine mediterrane Kost mit viel Gemüse und Obst, Fisch und Meeresfrüchten, Ölen und Nüssen hält die Gefäße elastisch und den Cholesterinspiegel niedrig. Bei Brötchen, Toast und Nudeln öfter zur Vollkornvariante greifen. Die komplexen Kohlenhydrate halten länger satt und beugen so Heißhunger und Übergewicht vor.

7. Hektik ausbremsen

Genervt sein, sich gehetzt fühlen, das hat jeder mal. Doch nicht endender extremer Stress ist richtig gefährlich. Mediziner der Harvard-Universität fanden heraus: Als Folge der Dauerbelastung überschüttet der Körper das Blut mit Stoffen, die den Gefäßwänden zusetzen. Doch was hilft, besser zu entspannen? Das ist Typsache, wissen Experten. Die einen schalten ab, während sie zu flotten Rhythmen wie Zumba tanzen, andere gewinnen durch ein Meditationstraining Gelassenheit. Angebote gibt es bei Sportvereinen und Volkshochschulen.

8. Infekten vorbeugen

Gegen Grippe geimpft? Studien zeigen, dass Herzpatienten besonders davon profitieren, wenn sie sich vor schweren Infekten schützen. Auch unbehandelte Entzündungen wie eine Parodontitis können eine Arteriosklerose gefährlich anfachen.

9. Der Therapie treu bleiben

Täglich Blutdruck messen, den verordneten Cholesterinsenker schlucken: Der Erfolg einer Behandlung hängt davon ab, wie gut sich ein Patient an die Empfehlungen seines Arztes hält. Doch oft führen Unsicherheit oder Vergesslichkeit dazu, dass etwa Arzneimittel schludrig eingenommen werden. Ertappt? Der Apotheker hilft.

10. Gut schlafen

Eine US-Studie zeigt: Dauerhafter Schlafmangel geht mit Ablagerungen in der Halsschlagader einher. Forscher der Universität Pittsburgh untersuchten Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Ergebnis: Sowohl Schlafstörungen als auch eine kurze Schlafdauer von unter sechs Stunden sind mit verengten Gefäßen gekoppelt. Das hilft oft bei Problemen: dunkel schlafen, abends langes Fernsehen meiden.

Unsere Experten:

Prof. Viola Hach-Wunderle: Angiologin am Gefäßzentrum des Krankenhauses Nord-West in Frankfurt/Main

Dr. Elisabeth Schieffer: Internistin und Kardiologin am Institut für Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover

Prof. Markus Steinbauer: Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, Barmherzige Brüder Regensburg

Prof. Michael Torzewski: Chefarzt der Labormedizin am Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, Vorstandsmitglied Deutsche Gesellschaft für Arterioskleroseforschung

Eva Ungerer: Apothekerin in Heiningen


Newsletter abonnieren

Seniorin am Laptop

Senioren Ratgeber - Newsletter

Haben Sie einen Lebenstraum?
Zum Ergebnis