Graues Haar richtig pflegen und färben

Graue Haare sind besonders für Frauen ein heikles Thema. Tipps zur passenden Pflege – und wie Sie der Farbe ohne Modepannen nachhelfen
von Dagmar Fritz , aktualisiert am 28.06.2017

Ein Makel müssen graue Haare nicht sein. Dennoch färben viele Frauen sie lieber

Digital Vision/ RYF

Früher oder später trifft es praktisch jeden: Je älter man wird, desto grauer werden die Haare. Für die einen ist Ergrauen ein ganz natürlicher Prozess, andere fühlen sich nicht wohl mit dem Altern der Haare und wollen den Zeitpunkt lieber selbst bestimmen, an dem sie reif für Silber sind.

Wann die ersten grauen Haare auf dem Kopf erscheinen und wie schnell sie überhandnehmen, ist individuell sehr unterschiedlich. "Ab dem 40. Lebensjahr ist es normal, dass man ergraut, weil die Aktivität der Melanozyten nachlässt", erklärt Dr. Hans-Georg Dauer, Dermatologe, Allergologe und Haarspezialist aus Köln. Melanozyten produzieren Melanin, also jene Pigmente, die Haar und Haut färben. Warum der eine früher und der andere später seine Haarfarbe verliert, kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. "Familiäre Veranlagung spielt beim Ergrauen eine große Rolle", so Haarspezialist Dauer, "aber auch Gendefekte, Anämien, hormonelle Störungen, Vitamin- und Mineralstoffwechselstörungen sowie fieberhafte Erkrankungen oder schwere posttraumatische Belastungsstörungen können die Haare grau werden lassen."

Haare werden weiß und dünner

Genau genommen werden Haare gar nicht grau, sondern weiß. "Der Farbverlust läuft nicht in jedem Haar gleich ab, so dass einige Haare pigmentlos werden, andere noch Pigmente enthalten. Diese Mischung aus weißen und pigmentierten Haaren vermittelt dann den Eindruck von grau", erklärt Dermatologe Dauer. Aber nicht nur die Farbe, auch die Struktur verändert sich mit zunehmendem Alter. "Der Haarfolikel ist im Alter nicht mehr in der Lage, ein kräftiges, jugendliches Haar zu bilden. Der Haarschaft wird dünner und die Wachstumszeit des Haares geringer", erklärt der Haarspezialist.

Graues Haar muss kein Makel sein – im Gegenteil

Schick zur Schau gestellt, ist der graue Kopf ein echtes Statement: "Ich mag mich so, wie ich bin. Und ich stehe zu mir und meinem Alter!" Allerdings: Graues Haar erfordert einen guten Schnitt – und etwas Schminke. Ein schöner Lippenstift, Wimperntusche und etwas Rouge müssen sein, sonst wirkt das Gesicht schnell mausgrau.

Männer ergrauen, Frauen färben

Auch Friseurmeister Christian Kaiser hat viel Erfahrung mit grauem Haar. "Graue Haare sind bei unseren Kundinnen ein sensibles Thema", so der Friseur aus München. "Viele Damen sind der Meinung, dass graues Haar sie älter erscheinen lässt." Männer stehen in der Regel zu ihren grauen Haaren. Einer repräsentativen Umfrage der Apotheken Umschau zufolge, färben sich nur 1,6 Prozent aller Männer die Haare. Im Gegensatz dazu wollen sich 41,4 Prozent der Frauen nicht mit ihrer natürlichen Haarfarbe abfinden und helfen nach. Die beliebteste Haarfarbe aus der Tube ist Blond, gefolgt von Brauntönen, Rot und Schwarz.

Tönung oder Coloration?

Bei der richtigen Wahl des Färbemittels kommt es ganz entscheidend darauf an, wie hoch der Anteil an grauen Haaren auf dem Kopf ist. "Bis 30 Prozent Grauanteil kann man gut mit einer pflegenden Intensivtönung arbeiten", erklärt Friseur Christian Kaiser. "Ist der Grauanteil höher als 30 Prozent, sollte man zu einer Coloration greifen, weil nur sie eine zuverlässige Grauabdeckung garantiert." Wenn eine Kundin keine Lust mehr aufs Färben hat, kann ein guter Friseur den Übergang zur grauen Naturfarbe attraktiv gestalten. "Man wählt dann eine etwas hellere Basishaarfarbe und kaschiert den Ansatz mit vielen Strähnchen", erklärt der Friseur das Vorgehen. Wenn das Haar nach mehreren Monaten komplett gesträhnt ist, reduziert man langsam die Strähnchen und lässt immer mehr Naturfarbe zu.

Geduld und Durchhaltevermögen sind bei diesem Vorgehen gefragt, denn bei schulterlangen Haaren kann der Prozess bis zu zwei Jahre dauern, bei kurzen Haaren, ungefähr ein Jahr. Aus eigener Erfahrung weiß der Friseur, dass dies nicht jede Kundin durchhält. "Viele beginnen mit der Prozedur, brechen jedoch nach ein paar Monaten wieder ab, weil sie sich mit ihrer Naturhaarfarbe nicht wohlfühlen können", so der Münchner Friseursmeister.

Allergien: Färben problematischer als blondieren

Wer sein Haar regelmäßig färbt, sollte jedoch ein paar Regeln beachten, damit die Färbemittel Haar und Kopfhaut nicht übermäßig belasten. Die meisten Haarfärbemittel enthalten starke chemische Substanzen wie Ammoniak und Wasserstoffperoxid. Manche Menschen reagieren auf die chemischen Inhaltsstoffe der Haarfärbemittel mit Hautreizungen oder sogar mit Kontaktallergien. Gerade bei dunklen Farben kommt es häufiger zu allergischen Reaktionen. "Die dunklen Farbstoffe werden oxidiert und verändert – aber meist nicht vollständig, sodass noch Reste der Ausgangsstoffe auf der Kopfhaut bleiben. Durch chemische Interaktion mit den Zellen der Haut können Reizungen entstehen", erklärt Dauer. Blondieren strapaziert auf Dauer zwar das Haar, ist aus allergologischer Sicht aber weniger bedenklich als dunkle Haarfarben. "Beim Blondieren werden Farbpigmente abgebaut und oxidiert. Dieser Vorgang hat kaum allergisches Potential", so der Experte.

Bestimmte Substanzen sollten in Haarfärbemitteln überhaupt nicht enthalten sein: "Die Hauptauslöser für Allergien im Bereich der Kopfhaut sind die dunklen Farbzusatzstoffe para-Phenylendiamin und 2.5-Toluylendiamin", so Dr. Dauer.

Grundregeln fürs Haarefärben

Um eine Sensibilisierung der Haut zu vermeiden, sollte beim Färben so wenig Färbemittel wie möglich auf die Kopfhaut kommen. Deshalb am besten vom Profi die Haare färben lassen – in der Regel bringt der Friseur die Farbe gezielter auf, als einem das im Badezimmer selbst gelingt.

Um die Haut nicht unnötig zu strapazieren, ist es besser, bei gereizter Kopfhaut auf das Färben zu verzichten. "Die Kopfhaut sollte erst einmal beruhigt werden, bevor sie mit weiteren chemischen Substanzen in Berührung kommt, und wer gegen Duft- und Farbstoffe allergisch ist, sollte möglichst überhaupt nicht zu Färbemitteln greifen", empfiehlt Dermatologe Dauer. Heuschnupfenallergiker haben hingegen nur sehr selten Allergien auf Haarfärbemittel. Was das Krebsrisiko angeht, gibt der Mediziner Entwarnung: "Nach momentaner Wissenslage ist eine Krebsgefahr nicht bewiesen", so Dermatologe Dr. Dauer, "aus medizinischer Sicht ist Färben kein Problem, solange man auf die Färbemittel nicht empfindlich reagiert."

Eine Regel, wann die Zeit gekommen ist, um auf Silber umzusteigen, gibt es nicht – diesen Zeitpunkt muss jeder für sich selbst finden. 


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