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Heilpflanzen: Sanfte Alternative im Alter

Aufgrund ihrer Wirkweise sind pflanzliche Mittel oft verträglicher als chemische. Deswegen setzen Apotheker und Ärzte gerade bei älteren Patienten gerne auf pflanzliche Helfer

von Raphaela Birkelbach, 24.11.2016
Lavendel

Lavendel: Ätherische Öle der Heilpflanze fördern den Schlaf


Klar, Chemie hilft. "Ich will niemanden missionieren", betont Apotheker Dr. Sebastian Michael aus dem sächsischen Waldheim. Doch sein Faible für Medizin aus der Natur erschließt sich auf den ersten Blick. In den Regalen seiner Apotheke stapelt sich vornehmlich Pflanzliches. Extrakte aus Mariendistel oder Ingwerwurzel etwa, Tinkturen aus Kamille, Kapseln mit Lavendel- oder Pfefferminzöl, alle Sorten Arzneitees. "Schließlich sind wir eine Kompetenzapotheke für pflanzliche Mittel." 

Heilpflanzen wirken an mehreren Stellen

Rund 900 Apotheken bundesweit setzen wie der Arzneimittelexperte aus Sachsen verstärkt auf Inhaltsstoffe von Blüten, Blättern und Wurzeln. Nicht nur bei kranken Kindern und ihren Eltern punktet der sanfte Ansatz. "Auch in der Altersmedizin und Pflege sollten Heilpflanzen einen hohen Stellenwert haben", betont Apotheker Michael. Ob bei Hautleiden, Erkältungskrankheiten oder gestörter Nachtruhe, "gerade bei leichten und mittelschweren Beschwerden können pflanzliche Arzneimittel eine Standardtherapie ergänzen, manchmal sogar ersetzen".

Regelmäßig berät der Pharmazeut aus Waldheim Pflegeheime und bildet Ärzte und Kollegen fort. Wie Heilpflanzen im Körper wirken, ist inzwischen gut erforscht. "Lange setzten Ärzte Kräuter allein aus guter Erfahrung ein. Heute wissen wir mehr über ihren Wirkmechanismus", sagt Michael, der – anders als Drogeriemärkte – ausschließlich streng geprüfte Arzneibuchqualität anbietet. 

Hilfe bei Reizdarm

So ist bekannt, dass Heilpflanzen "mit einem breiten Wirkstoffmix an mehreren Stellen im Organismus angreifen", erläutert Professorin Karen Nieber von der Gesellschaft für Phytotherapie. Jeder einzelne Inhaltsstoff ist dadurch mäßig dosiert, "als Folge treten weniger Nebenwirkungen auf".

Gerade für betagte Patienten ist das von großem Vorteil. Oft brauchen sie mehr als fünf Präparate gleichzeitig, was sie immer schlechter wegstecken. Zudem leiden Ältere häufig unter Beschwerden, die nicht nur eine Ursache haben. Beispiel Reizdarm oder Reizmagen: Bauchkrämpfe, entzündliche Prozesse, ein träger Darm und empfindlicher Magen machen Geplagten oft gleichzeitig zu schaffen. Ein klassischer Fall für Kombinationspräparate mit Bitterer Schleifenblume, sagt die Leipziger Pharmakologin Nieber, "weil sie gegen viele Beschwerden helfen". 

Einschlafen mit natürlichen Helfern

Bewährt haben sich natürliche Tausendsassas auch bei Schlafstörungen. Viele chemische Mittel erhöhen die Sturzgefahr und machen benommen, mahnt Professor André-Michael Beer, Direktor der Klinik für Naturheilkunde in Hattingen-Blankenstein. Eine Alternative ohne gravierende Nebeneffekte bieten Zubereitungen aus Baldrian, Lavendel oder Passionsblume, die die Nachtruhe sanft anstoßen. Patienten brauchen aber Geduld, die Wirkung stellt sich oft erst nach einiger Zeit ein.

Vor der Anwendung zuerst Apotheker fragen

Wer auf grüne Arzneien umsattelt, sollte sich vom Arzt und Apotheker beraten lassen, rät Heilpflanzenprofi Beer, selbst bei nur gelegentlicher Anwendung: "Manchmal sprechen gewichtige Gründe gegen Phytopharmaka." Die Schwere der Krankheit etwa, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder das Fehlen seriöser Studien über ein vermeint­liches Wunderkraut.

Bei wissenschaftlich gut erforschten Heilpflanzen gibt Beer dagegen grünes Licht. Nicht nur wegen deren guter Verträglichkeit und Wirkkraft, "auch die Therapietreue ist bei Phytopharmaka gut". Das liegt mit daran, dass pflanzliche Mittel oft als Tropfen, Säfte oder Tee verfügbar sind – gut bei Schluckstörungen oder mangelnder Fingerfertigkeit. Gründe, in Altersmedizin und Pflege öfter als bisher auf Natur zu setzen, gibt es
also genug. 

Wichtige Heilpflanzen im Überblick:

Aromatherapie

Echte Kamille

So wirkt sie: Antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend

Das steckt drin: Neben ätherischen Ölen werden aus den Blüten sekundäre Pflanzen- und Schleimstoffe extrahiert.

So hilft sie: Als Tee, Salbe, Badezusatz oder Gurgellösung

 

Bittere Schleifenblume (iberis amara)

Schleifenblume

So wirkt sie: Anregend für Magen-Darm-Trakt, krampflösend, entzündungshemmend

Das steckt drin: Senföle, Bitter- und andere sekundäre Pflanzenstoffe finden sich in der ganzen Pflanze

So hilft sie: Leicht einzunehmen in Tropfenform

 

Aromatherapie

Lavendel

So wirkt er: Schlaffördernd, beruhigend. Bei schweren Schlafstörungen immer zum Arzt!

Das steckt drin: Die Blüten enthalten ätherische Öle

So hilft er: Als Kapsel oder Tee, Badezusatz oder Riechessenz

 

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut

So wirkt es: Stimmungsaufhellend, löst Unruhe, hilft bei Hautproblemen. Einnahme mit Arzt abklären!

Das steckt drin: Neben sekundären Pflanzenstoffen kommt es auf Hyperforin an

So hilft es: Als Zubereitung zum Einnehmen, als Salbe bei Hautleiden

 

Weißdorn (Crataegus oxyacantha)

Weißdorn

So wirkt er: Unterstützend zur Standardtherapie bei leichter Herzschwäche, nicht ohne Absprache mit dem Arzt einnehmen!

Das steckt drin: Stoffmix aus Wirkstoffen in Blättern und Blüten

So hilft er: In Tablettenform

 

Mariendistel (Silybum marianum)

Mariendistel

So wirkt sie: Schützt die Leber vor schädlichen Einflüssen und fördert ihre Regeneration. Mit dem Arzt abklären!

Das steckt drin: Der aus den Früchten extrahierte Stoffkomplex Silymarin

So hilft sie: In Form von Tabletten, Dragees, Kapseln, Tropfen

 

Getrocknete Teufelskrallenwurzel

Teufelskralle

So wirkt sie: Entzündungshemmend und schmerzstillend (erst nach Wochen!) sowie verdauungsanregend

Das steckt drin: Bitterstoffe, gewonnen aus den Wurzelausläufern

So hilft sie: Als Kapsel, Dragee zum Einnehmen oder Verdauungstee


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