Medikationsplan richtig nutzen

Wer drei oder mehr Medikamente am Tag einnimmt, hat jetzt Anspruch auf einen Medikationsplan. Was Patienten über den Arzneilotsen wissen müssen
von Kai Klindt, 27.11.2017

Medikationsplan: Apotheker können Patienten besser beraten

Getty Images/alvarez, Collection: E+

Es gibt sie in allen möglichen Farben. Besonders beliebt ist Gelb. Mal sind sie auf Pappe, mal auf Papier gedruckt. Einige haben die Maße eines Taschenbuchs, andere die Größe einer Spielkarte: Medikationspläne, auf denen Ärzte und Apotheker die Arzneimittel für den Patienten auflisten.

"Bisher hatten wir einen Wildwuchs an Formularen", weiß Renke Maas. Viele Patienten besitzen sogar mehrere Pläne neben­einander, oft mit abweichendem Inhalt, beobachtete der Erlanger Professor für Klinische Pharmakologie jüngst in einer Studie.

Ein Dokument für alle

Damit soll nun Schluss sein. Seit Kurzem sind Kassenärzte gehalten, einen einheitlichen Medikationsplan auszustellen – sofern der Patient dauerhaft mindestens drei Medikamente pro Tag einnimmt. Seit Oktober 2017 geben auch Krankenhäuser das DIN-A-4-große Dokument bei der Entlassung eines Patienten mit nach Hause.

Noch hapert es jedoch mit der Umsetzung. So müssen Praxen ihre EDV aufrüsten und ein Extralesegerät anschaffen – eine teure Investition. "Bislang kommt kaum ein Kunde mit dem neuen Medikationsplan zu uns", stellt Apotheker Dr. Hannes Egle aus Tuttlingen fest. Der Arzneifachmann hält große Stücke auf die Neuerung: "Zum ersten Mal können Arzt und Apotheker gemeinsam an einem Dokument arbeiten."

Arzneien leichter im Blick

Möglich macht das ein grau schraffiertes Feld in der rechten oberen Ecke. Es weist dem Computer den Weg zur elektronischen Fassung des Plans. Alle, die an der Behandlung eines Patienten beteiligt sind, sollen die Übersicht aufrufen und auf den aktuellen Stand bringen können.

Dr. Michael Bangemann weiß, wie wichtig das ist. "Wir mussten den Plan mehr als einmal zwischen Praxis und Apotheke hin und her tragen, um wirklich alle Arzneimittel zu erfassen, die der Patient im Augenblick nimmt – rezeptfreie eingeschlossen", sagt der Hausarzt aus der Nürnberger Südstadt. Er beteiligt sich an einem Modellprojekt, das den Praxisnutzen des genormten Medikationsplans unter die Lupe nimmt.

Medikationsplan bewahrt vor Fehlverschreibungen

Die Gesundheitsberufler haben einiges zu klären, wenn der Patient eine Vielzahl von Medikamenten braucht. Sei es, dass sich einzelne Mittel bei der Aufnahme im Körper im Weg stehen, die gleiche Arznei von zwei Ärzten aufs Rezept gesetzt wird oder "Verordnungskreisläufe" auftreten, wie Maximilian Dyckmans, Apotheker aus Xanten, beobachtet: Die Nebenwirkung eines Medikaments wird nicht als solche erkannt – stattdessen verschreibt der Arzt ein weiteres Mittel. Ein Medikationsplan hilft, solchen Irrungen auf die Spur zu kommen.

Bei den Betroffenen findet der Arzneilotse in Tabellenform Anklang, zeigt eine Studie des Apotheken-Dachverbands ABDA mit 200 Patienten aus Sachsen und Thüringen. Wie schon bei den Vorläufern nutzen die Menschen den Medikationsplan als Erinnerungshilfe und zur richtigen Dosierung, berichtet Projektleiterin Dr. Uta Müller. "Von den neuen Funktionen schätzen sie vor allem den einfacheren Abgleich zwischen Haus- und Facharzt."

"Verlängerung des Beratungsgesprächs"

Doch der Plan muss nicht nur aktuell und vollständig sein – er muss auch erläutert werden. Damit der Patient ihn zu Hause nicht nur "zu den Akten legt", wie Pharmazeutin Dr. Hanna Seidling vom Universitätsklinikum Heidelberg sagt.

Dass der Patient besser über seine Arzneitherapie Bescheid weiß, ist das eigentliche große Ziel des Medikationsplans. Zu den wichtigen Angaben auf dem Plan zählt daher der Zweck des Mittels. Zusätzliche Bemerkungen in der Spalte "Hinweise", etwa zur richtigen Einnahme oder Lagerung, sind freiwillig. Apothekerin Seidling plädiert dafür, den Platz bei wichtigen Hinweisen konsequent zu nutzen. In einer Studie fand sie heraus, dass das Wissen um die sachgemäße Anwendung der Medikamente so weit besser haften bleibt: "Der Medikationsplan dient damit gewissermaßen als Verlängerung des Beratungsgesprächs."


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