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Wie man Beipackzettel besser versteht

Die Informationen zu Medikamenten sind oft kompliziert. Was die Angaben auf dem Beipackzettel bedeuten – und wie man als Patient damit zurechtkommt.

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 24.08.2020
Beratung in der Apotheke

Beipackzettel: Bei Fragen kann der Apotheker weiterhelfen


Beipackzettel von Medikamenten können verunsichern. Laut einer repräsentativen Umfrage des "Senioren Ratgeber" verweigern 41 Prozent der ab 60-Jährigen die Einnahme, wenn sie im Beipackzettel von Nebenwirkungen lesen. "Dort sind alle denkbaren Risiken aufgelistet", sagt Ursula Funke, Apothekerin aus Wiesbaden. Andere werfen den Zettel weg, weil er zu lang oder kaum lesbar ist oder zu viele Fachbegriffe enthält. 

Beipackzettel: Zu lang, zu viele Fachbegriffe

Im persönlichen Gespräch gelingt es der Pharmazeutin meist, Risiken einzuordnen und Kunden viele Ängste zu nehmen. Was aber, wenn Patienten das Kleingedruckte erst zu Hause lesen? Bedenklich findet Apothekerin Funke es auch, "wenn jemand nicht versteht, warum eine Arznei überhaupt hilft". Darunter leidet die Therapietreue, kritisiert auch Dr. Barbara Keck von der "Arbeitsgemeinschaft Beipackzettel". Bereits seit 2006 fordert der Zusammenschluss von Arzneimittelherstellern, Patientengruppen und Seniorenvertretern, die medizinischen Gebrauchsanweisungen leserfreundlich zu gestalten.

Was Angaben im Beipackzettel bedeuten

1. Einnahmezeit

Vor dem Essen: mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit

Mit dem Essen: das Medikament mit der Speise einnehmen oder unmittelbar nach der Mahlzeit


2. Einnahme-Häufigkeit

Einmal täglich: je nach Wirkstoff sinnvollen festen Zeitpunkt für die Einnahme festlegen

Zweimal täglich: morgens und abends, falls nicht anders verordnet

Dreimal täglich: morgens, mittags und abends einnehmen, etwa um 8, um 13 und
um 18 Uhr


3. Nebenwirkungen

Selten: Kommt bei weniger als einem von 1000 Behandelten vor

Gelegentlich: Weniger als einer von 100 klagt über unerwünschte Begleiterscheinungen

Häufig: Einer bis zehn von 100 reagiert so auf das Mittel

Einige Pharmaunternehmen bieten diesen Service bereits und stimmen die Lesbarkeit der Gebrauchsinformationen mit Patientenverbänden ab. Um Blutdruckpillen oder Schmerzpflaster verständlich zu erklären, setzen Hersteller zudem verstärkt aufs Internet.

Vier Tipps zu Beipackzetteln

1. Fragen Sie!

Lassen Sie sich vom Apotheker beraten, besonders wenn Sie ein Mittel zum ersten Mal verschrieben bekommen. Fragen Sie, wofür, wann und in welcher Dosis Sie die Arznei einnehmen müssen. Notieren Sie sich die Antworten auf diese W-Fragen in Kurzform auf der Arzneischachtel. Der Apotheker erklärt Ihnen auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Mitteln.

2. Lesen Sie aufmerksam!

Nehmen Sie sich Zeit, um die Packungsbeilage durchzugehen. Schreiben Sie auf, was Sie nicht verstehen, und besprechen Sie, was unklar geblieben ist, mit dem Arzt oder Apotheker.

3. Machen Sie es sich leichter!

Bitten Sie Ihren Apotheker, den Beipackzettel in größerer Schrift auszudrucken. Sie können das auch selbst tun, wenn Sie zu Hause ins Internet gehen.

4. Melden Sie sich!

Lassen Sie sich nicht verunsichern. Die Hersteller müssen im Beipackzettel sämtliche Risiken aufzählen, die Sie aller Wahrscheinlichkeit nicht betreffen. Aber wenn Sie unmittelbar auf die Einnahme eines neuen Medikaments mit Nebenwirkungen reagieren, die nicht im Beipackzettel stehen, sagen Sie das Ihrem Apotheker. Ihre Beschwerden meldet er der Arzneimittelkomission, die bei Verdacht das Medikament kontrolliert.


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