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Mehr als nur Pflegegeld: Finanzielle Hilfe bei der Pflege

Pflege ist teuer, das Geld bei Angehörigen oft knapp. Das Pflegegeld kennt jeder – aber man kann sich noch mehr finanzielle Unterstützung holen.

von Elsbeth Bräuer , aktualisiert am 09.07.2020

1. Geld für Pflegehilfsmittel

Wenn Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat, hat er Anspruch auf Pflegehilfsmittel für den Verbrauch. Das sind Dinge, die die Pflege leichter machen und zum Beispiel für die Hygiene wichtig sind: Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Mundschutz.

Die Pflegehilfsmittel bekommen Sie etwa in der Apotheke oder im Sanitätshaus. Ein Rezept brauchen Sie dafür nicht. Nur einen Antrag, den Sie an die Kasse schicken. Oft wird für einen unbefristeten Zeitraum bewilligt. Manchmal ist die Laufzeit aber auch z.B. auf ein Jahr begrenzt, dann muss man im kommenden Jahr wieder einen Antrag stellen.

In der Corona-Pandemie können vorübergehend 60 Euro statt 40 Euro im Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch abgerechnet werden. Hintergrund ist, dass die Preise etwa für Mundschutz und Desinfektionsmittel stark angestiegen sind. Zur rechtlichen Grundlage hier entlang.

Viele Apotheken helfen dabei, den Antrag auszufüllen und übernehmen auch die Abrechnung mit der Kasse. Manchmal müssen Sie das Geld auch vorstrecken und die Quittung im Nachhinein bei der Kasse einreichen. Was über die 40 bzw. 60 Euro hinausgeht, müssen Sie selbst bezahlen. 

Wichtig: Inkontinenzartikel wie Windelhosen und Vorlagen zählen zu den Hilfsmitteln der Krankenversicherung. Dafür brauchen Sie eine Verordnung vom Arzt.

Apothekerin Tiana Rehme

Ihre Apotheke vor Ort unterstützt Sie dabei, den Antrag auf Pflegehilfsmittel auszufüllen und leitet ihn für Sie an die Pflegekasse weiter. Die Apotheke rechnet direkt mit der Pflegekasse ab, der pflegende Angehörige muss nichts weiter tun. Einige Pflegekassen legen in ihrer Genehmigung eine Mengenbeschränkung für einzelne Pflegehilfsmittel fest oder geben die Art der genehmigten Pflegehilfsmittel vor. Wenn das der Fall ist, hilft Ihnen Ihre Apotheke, das richtige Produkt für Ihren Angehörigen zu finden.

Apothekerin Tiana Rehme, Stockelsdorf

2. Stromkosten für Hilfsmittel

Benutzt Ihr Angehöriger elektrische Hilfsmittel? Durch E-Rollstühle oder Wechseldruckmatratzen entsteht Ihnen ein höherer Stromverbrauch. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen Ihnen diese Kosten ganz oder teilweise erstatten. Wichtig ist, dass es ein Hilfsmittel ist, das der Arzt verordnet und die Kasse bezahlt hat (also nichts Selbstgekauftes!).

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse: Manche haben spezielle Antragsformulare, bei anderen können Sie das formlos beantragen. Manche Kassen rechnen nach Pauschale ab, andere nach Verbrauch, dafür muss man eine Kopie der Stromkostenrechnung beilegen. Wie viel Sie ausgegeben haben, errechnen Sie mit Watt x Stunden x Strompreis. Wenn sich die Kasse weigert, legen Sie Widerspruch ein. Vier Jahre lang können Sie diese Kosten rückwirkend geltend machen.

3. Fahrtkosten zum Arzt

Auch Fahrtkosten zum Arzt können sich pflegebedürftige Menschen unter bestimmten Voraussetzungen erstatten lassen. Zumindest bei gesetzlich Versicherten. Wer privat versichert ist, bleibt leider oft auf den Kosten sitzen.

Zuständig ist die Kranken-, nicht die Pflegekasse.

  • Genehmigung: Zuerst holen Sie eine Genehmigung bei der Kasse ein. Bei schweren Fällen müssen Sie das nicht: bei Pflegegrad 4 oder 5 zum Beispiel. Oder wenn man eine außergewöhnliche Behinderung hat oder mit Pflegegrad 3 auf Dauer nicht mobil ist. Auch Fahrten von und zu stationären Behandlungen brauchen keine Genehmigung, also z.B. die Fahrt mit dem Taxi ins Krankenhaus und wieder nachhause.
  • Transportschein: Dann brauchen Sie einen Transportschein – eine Bestätigung, die Sie vom Arzt bekommen. Wenn klar ist, dass in den nächsten Wochen viele Arzttermine anstehen, können Sie sich auch einen Sammeltransportschein geben lassen.


Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit der Kasse abzurechnen. Vorstrecken müssen Sie das Geld meistens nicht. Viele Taxiunternehmen und Mietwagenverbände haben Verträge mit den Kassen und rechnen selbstständig mit ihnen ab. Sie müssen dem Taxifahrer nur den Transportschein geben. Hat der Taxiunternehmer keinen Vertrag mit der Kasse, können Sie Taxiquittung und Transportschein im Nachhinein bei der Kasse einreichen und das Geld erstattet bekommen.

Aus eigener Tasche zahlen müssen Sie bei jeder Fahrt eine Zuzahlung (mindestens 5, maximal 10 Euro). Meist zahlen Sie die direkt beim Fahrer. Sie können sich auch von der Zuzahlung befreien lassen (s. unten).

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland

Im ambulanten Bereich zahlt die Kasse die Fahrt zum Arzt nur bei Versicherten mit Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen aG, Bl oder H oder den Pflegegraden 3, 4 oder 5. Zudem bei intensivärztlichen, wiederkehrenden Behandlungen wie Dialyse oder Chemotherapie oder wenn durch eine ambulante OP eine Krankenhausbehandlung vermieden wird. Pro Fahrt müssen zehn Prozent zugezahlt werden (mind. 5, max. 10 Euro).

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland

4. "Hilfe zur Pflege" vom Sozialamt

Wenn das Geld nicht reicht, stellen Sie beim Sozialamt einen Antrag auf Hilfe zur Pflege. Das muss Ihnen nicht peinlich sein. Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und ersparen dem Staat dadurch viel Geld. Der Sozialhilfeträger kann Kosten übernehmen, wenn jemand zuhause gepflegt wird oder im Pflegeheim lebt.

Für wen kommt die "Hilfe zur Pflege" in Frage? Zum Beispiel für

  • Menschen mit kleiner Rente
  • Menschen, die nicht pflegeversichert sind
  • Menschen, die Hilfe brauchen, aber weniger als sechs Monate pflegebedürftig sind
  • Betroffene mit einer kostenintensiven Pflege (z.B. Komapatient in einer WG)
  • Pflegebedürftige im Heim, deren eigenes Vermögen aufgebraucht ist


Bevor das Sozialamt zahlt, müssen pflegebedürftige Menschen allerdings ihr eigenes Einkommen einsetzen - bis zu einem gewissen Betrag. Je nachdem, wie viel Geld Kinder oder Ehepartner haben, können auch die zur Kasse gebeten werden. Das nennt sich Unterhaltspflicht.

Wie viel das Sozialamt zahlt, hängt also von Ihrer persönlichen Situation ab. Stellen Sie einen schriftlichen Antrag. Darin müssen Sie etwa Vermögenswerte offenlegen, Wohnverhältnisse, Kontoauszüge, Arbeitsverträge – "es ist ziemlich aufwändig", sagt Gudula Wolf von der AWO Online- Pflege- und Seniorenberatung. Außerdem machen sich Gutachter des Sozialhilfeträgers ein eigenes Bild von Ihrer Situation – ähnlich wie der MD (beziehungsweise MDK).

Ob ein Antrag Erfolg hat, dazu können auch Pflegestützpunkte beraten. Außerdem haben alle Sozialhilfeträger eine Beratungspflicht.

5. Befreiung vom Rundfunkbeitrag

Der Rundfunkbeitrag liegt derzeit bei 210 Euro im Jahr. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich pflegebedürftige Menschen davon befreien lassen oder eine Ermäßigung bekommen.

Einen ermäßigten Beitrag von 5,83 Euro im Monat zahlen

  • blinde oder stark sehbehinderte Menschen
  • Gehörlose
  • Menschen mit einem Grad der Behinderung von 80 Prozent
    unter bestimmten Voraussetzungen.


Befreien lassen können sich

  • Taubblinde
  • Menschen, die bestimmte Sozialleistungen bekommen - z.B. Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II. Darunter fällt auch die "Hilfe zur Pflege".
  • Schwer demenzkranke Menschen oder Wachkomapatienten. Dafür braucht es eine Bestätigung des Arztes oder ein Gutachten des MD (ehemals MDK). Berufen Sie sich auf den sogenannten Härtefall.


Eine Befreiung kann sich auch auf Sie als Pflegeperson auswirken: Ist Ihr Angehöriger befreit und lebt mit Ihnen in einer Wohnung, müssen auch Sie nichts zahlen. Das gilt allerdings in der Regel nur dann, wenn es sich um Ihren Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner handelt. Auch Kinder bis zum 25. Lebensjahr zahlen keinen Rundfunkbeitrag, wenn ihre Eltern befreit sind und sie mit ihnen zusammen wohnen. Wenn Sie als erwachsene Tochter Ihre Mutter pflegen, Ihre Tante oder den Schwiegervater, müssen Sie weiterhin zahlen.

Für eine Ermäßigung oder Befreiung füllen Sie hier ein Antragsformular aus, drucken es aus und schicken nötige Nachweise in Kopie an den Beitragsservice. Offiziell muss Ihr pflegebedürftiger Angehöriger den Antrag stellen und unterschreiben. Wenn er das nicht mehr kann und Sie eine Vollmacht haben, dürfen Sie das in seinem Namen tun. 

Drei Jahre lang kann man sich im Nachhinein befreien und zu viel gezahlte Beiträge erstatten lassen.

6. Zuzahlungsbefreiung für Medikamente

Für Medikamente muss man einen Eigenanteil zahlen (Rezeptgebühr) – höchstens aber zwei Prozent Ihres Bruttoeinkommens. Wenn Sie drüber liegen, können Sie sich mit einem Antrag bei der Krankenkasse für den Rest des Jahres von der Zuzahlung befreien. Wie hoch Ihre Belastungsgrenze ist, können Sie hier ausrechnen. Wer chronisch krank ist, muss nur ein Prozent zahlen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von allen Zuzahlungen befreit. 

Kinder unter 18 Jahren sind von allen Arzneimittel-Zuzahlungen befreit. 

Um befreit zu werden, stellen Sie bei der Kasse einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung und reichen alle Rechnungen ein - für Medikamente, aber z.B. auch für Hilfsmittel, Krankenhausaufenthalte oder physiotherapeutische Maßnahmen.

Das geht vier Jahre rückwirkend. Wenn Sie schon wissen, dass Sie die Grenze auf jeden Fall überschreiten: Bieten Sie der Krankenkasse Ihres Angehörigen an, Ihren persönlichen Eigenanteil schon vorab zu überweisen (Antrag auf Vorauszahlung). Dann müssen Sie sich den Rest des Jahres nicht mehr kümmern.

7. Aufwandsentschädigung für rechtliche Betreuuer

Sie haben für Ihren Angehörigen die Betreuung übernommen? Für ehrenamtliche Betreuer wie z.B. Familienmitglieder gibt es 399 Euro im Jahr als Pauschale für den Aufwand ("Aufwandsentschädigung"). Das muss aber der Betroffene zahlen. Wenn er mittellos ist, gibt es das Geld aus der Staatskasse.

8. 1000 Euro Pflegegeld pro Jahr in Bayern

Seit 2018 gibt es in Bayern das "Landespflegegeld". Damit bekommen pflegebedürftige Menschen pro Jahr 1.000 Euro extra. Das Geld bekommt der Versicherte überwiesen und kann es einsetzen, wofür er möchte. Es wird auch nicht auf Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II angerechnet.

Einen Antrag stellen kann jeder, der seinen Hauptwohnsitz in Bayern und mindestens Pflegegrad 2 hat. Richten Sie den Antrag an das Landesamt für Pflege in Amberg oder stellen ihn online.

Beilegen muss man eine Kopie des Passes des Versicherten und den Pflegekassen-Bescheid über den Pflegegrad. Wenn Ihr Angehöriger nicht mehr geschäftsfähig ist und Sie ihn vertreten dürfen, fügen Sie eine Kopie der Vorsorgevollmacht bei. Den Antrag müssen Sie nur einmal stellen und bekommen einen Bescheid. Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, erhalten Sie auch in den nächsten Jahren Geld. 


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