Pflegegrade: Das ist anders

Seit Januar 2017 gelten Pflegegrade anstelle der alten Pflegestufen. Was Pflegebedürftige jetzt wissen müssen
von Dagmar Fritz, aktualisiert am 04.01.2017

Handreichung: Mit den Pflegegraden erhalten mehr Menschen Unterstützung

Thinkstock/istock

1. Warum gibt es die neuen Pflegegrade?

Die Einführung der Pflegegrade war Teil des sogenannten Pflegestärkungsgesetzes, das den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert. Unabhängig von körperlichen oder psychischen Ursachen ist nun die Selbstständigkeit das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. Dadurch sollen Menschen Hilfe erhalten können, die mit den alten Pflegestufen noch kein Recht auf Unterstützung hatten. Insgesamt gibt es nun fünf Pflegegrade anstatt der bisherigen drei Pflegestufen.

2. Welche Kriterien werden seit 2017 für die Pflegegrade angesetzt? 

Für die Einstufung in die Pflegegrade sind wie gehabt die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) zuständig. Sie besuchen die Patienten und ermitteln, welche pflegerischen Bedürfnisse eine Person hat. Bei der Begutachtung beurteilen sie die Beeinträchtigung der Betroffenen in sechs verschiedenen Bereichen, die sie unterschiedlich stark gewichten:

  • Selbstversorgung (gewichtet mit 40 Prozent)
: Kann sich der Betroffene selbstständig versorgen?
  • Selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20 Prozent): Benötigt jemand Unterstützung, um zum Beispiel Medikamente regelmäßig einzunehmen?
  • Gestaltung von Alltagsleben und sozialen Kontakten (15 Prozent): Empfängt der Betreffende etwa Besuch oder besucht er andere?
  • Mobilität (10 Prozent): Wie gut kann sich der Patient innerhalb und außerhalb des Wohnbereichs fortbewegen?

Bei den letzten beiden Bereichen zählt der Bereich, in dem der Betroffene mit einer höheren Punktzahl bewertet wird:

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent): Kann jemand Ereignisse etwa sinnvoll berichten, in der richtigen zeitlichen Abfolge erzählen?
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent): Ist der Betreffende zum Beispiel aggressiv?

Für jede Einstufung gibt es Punkte. Diese Punkte werden, wie in Klammern angegeben, gewichtet und daraus nach genau festgelegten Regeln der Pflegegrad berechnet. 

3. Wie sind die Pflegegrade eingeteilt? 

Die einzelnen Fähigkeiten und Verhaltensweisen aus den sechs Lebensbereichen werden von den Gutachtern des MDK mit Punkten versehen. Die Einteilung in die einzelnen Pflegegrade erfolgt auf einer Punkteskala von 0 bis 100 Punkten:

  • Pflegegrad 1: Ab 12,5 Gesamtpunkten liegt eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vor.
  • Pflegegrad 2: Ab 27 Gesamtpunkten bestehen erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 3: Ab 47,5 Gesamtpunkten spricht man von schweren Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 4: Ab 70 Gesamtpunkten liegen schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit vor. 
  • Pflegegrad 5: Ab 90 Gesamtpunkten sind außerdem besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgung nötig.

4. Wie viel Geld gibt es bei den Pflegegraden?

Seit 2017 erhalten Pflegebedürftige mehr Leistungen von ihrer Pflegeversicherung. Dies sind die Hauptleistungsbeiträge in Euro für die fünf neuen Pflegegrade (PG):

W&B/Eichstädt, Fotolia

5. Was passiert, wenn jemand schon eine Pflegestufe hatte?

Die rund 2,7 Millionen Pflegebedürftige erhalten ohne Neubewertung einen der neuen Pflegegrade – nach folgenden Regelungen:

  • bisher ohne Pflegestufe aber mit eingeschränkter Alltagskompetenz = Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1 = Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1 und eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 und eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 und eingeschränkte Alltagskompetenz = Pflegegrad 5
  • Härtefall = Pflegegrad 5

Quelle: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

6. Haben Pflegebedürftige Nachteile durch die Neuregelung?

Nein. Niemand wird durch die neuen Pflegegrade schlechter gestellt. Es gilt ein sogenannter Bestandsschutz: Niemand wird aufgrund der Neuregelung weniger Geld bekommen als er vor der Regelung erhalten hat.


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