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Warum der Klimawandel für Senioren gefährlich ist

Im Hitzesommer 2018 sind nach Schätzung des RKI allein in Hessen 740 Menschen aufgrund der Hitze gestorben – vor allem ältere. Wissenschaftler der LMU in München haben nun einen Maßnahmenplan entwickelt, wie Pflegeeinrichtungen ihre Bewohner vor Hitze schützen können.

von Orla Finegan, 14.08.2020

Hanna Mertes ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe "Globale Umweltgesundheit" am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen entwickelte sie den "Maßnahmenplan für vollstationäre Pflegeeinrichtungen zur Anpassung an den Klimawandel".

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Senioren aus?

Hanna Mertes: Wir sehen in Deutschland, dass es tendenziell mehr Hitzewellen gibt, mehr heiße Tage. Hohe Temperaturen belasten den Kreislauf, vor allem den von älteren Menschen. Ein älterer Körper kann sich nicht mehr so gut an Hitze anpassen: Sie schwitzen weniger und können daher weniger Wärme über die Haut ableiten – sie überhitzen leichter. Das Risiko für ältere Menschen ist also größer. Hitzebedingt kann es sogar zu Todesfällen kommen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Jeder muss bei Hitze viel trinken – Ältere verspüren aber oft nicht mehr so viel Durst oder sind nicht mehr so beweglich und möchten beispielsweise vermeiden, häufig auf die Toilette zu gehen. Bewusst oder unbewusst trinken sie dann zu wenig.

Der neue Hitzemaßnahmenplan Ihrer Forschungsstelle gilt für die stationäre Pflege – welche Besonderheiten gibt es dort?

Mertes: Pflegebedürftige benötigen generell Unterstützung im Alltag, bei Hitze gilt das besonders. 
Pflegeeinrichtungen in Städten sollten darüber hinaus beachten, dass es dort den Wärmeinsel-Effekt gibt. Städte können bis zu 10 Grad wärmer werden als das Umland. Es ist also besonders wichtig zu schauen, dass die Räume kühl bleiben und die Hitze gar nicht erst ins Gebäude kommt. Und es gibt natürlich noch weitere Anpassungsmaßnahmen.

An wen richten sich die vorgeschlagenen Maßnahmen also konkret?

Mertes: In der stationären Pflege vor allem an das Pflegepersonal. Aber man kann dort auch andere Gruppen einbeziehen: Das Reinigungspersonal, Küchenpersonal, externe Ärzte und Physiotherapeuten, Sozialdienste oder Angehörige. Für jede Gruppe gibt es andere Punkte, wie sie beitragen können. Physiotherapeuten können beispielsweise die Übungen in andere Tageszeiten verlegen, die Küchenmitarbeiter können leichtere Speisen einplanen und so weiter.

Was können Angehörige machen?

Mertes: Angehörige können vor allem darauf achten, dass die ältere Person genug trinkt. Sie können am Telefon dazu motivieren oder auch zu Besuchen wasserreiches Obst wie Wassermelone mitbringen und vielleicht auch öfter vorbeikommen. Auch kühlende Arm- und Beinwickel können bei Hitze angenehm sein.

Andere Länder haben nationale Hitzemaßnahmenpläne. Worauf kommt es dabei generell an?

Mertes: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt eine Orientierung für solche Pläne vor. Aber es kommt natürlich auch auf die regionalen Besonderheiten an. Wir haben einen Hitzemaßnahmenplan für die stationäre Pflege ausgearbeitet, dieser kann Teil eines nationalen oder auch kommunalen Hitzeaktionsplans werden. Der Maßnahmenplan und unsere Flyer sind bundesweit gültig.


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