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Warum die Tagespflege oft eine gute Idee ist

Bei der Tagespflege wird ein Mensch mehrere Stunden in einer Einrichtung betreut. Das entlastet Angehörige – und hilft ihnen, etwas Zeit für sich zu haben.

von Elsbeth Bräuer , 22.09.2020

Wegen der Corona-Krise haben Tagespflegen derzeit nur unter bestimmten Auflagen geöffnet. Manche lassen weniger Gäste zu, um den Mindestabstand einhalten zu können. In vielen wird nicht mehr gemeinsam gekocht, Toiletten sind nach Gruppen aufgeteilt, oft gehört Fiebermessen zur neuen Routine. Welche Hygienevorschriften gelten, kann sich je nach Region unterscheiden. Erkundigen Sie sich am besten direkt bei der Einrichtung, wie Ihr Angehöriger dort vor Corona geschützt wird!

Was ist die Tagespflege?

Bei der Tagespflege verbringt ein pflegebedürftiger Mensch tagsüber bis zu acht Stunden in einer Einrichtung. Er wird dort in einer Gruppe betreut. Meist werden verschiedene Aktivitäten angeboten wie Kochen, Gedächtnistraining, Gymnastik oder Spielen. Die Mitarbeiter kümmern sich in der Regel um die Medikamentengabe oder unterstützen beim Toilettengang. Außerdem gibt es dort mehrere Mahlzeiten wie Frühstück oder Mittagessen.

Für viele Angehörige ist das wichtig, um eine Auszeit von der Betreuung zu haben. Manche gehen in der Zeit einem Beruf nach, andere nutzen die Stunden für sich zur Erholung. Die Tages­pflege können Sie einen oder mehrere Tage pro Woche in Anspruch nehmen. Am Wochenende ist sie in der Regel geschlossen.

Was kostet die Tagespflege?

Ein Tag in der Tagespflege kostet insgesamt meist 50 bis 90 Euro.

Bei Pflegegrad 1 müssen Sie die Kosten selbst tragen, erst ab Pflegegrad 2 steuert die Pflegekasse Geld dazu bei. Allerdings können Sie auch bei Pflegegrad 1 immerhin den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat einsetzen (kann angespart werden) und so zumindest einen Teil finanzieren.

Bei Pflegegrad 2, 3, 4 und 5 bekommen Sie von der Pflegekasse ein eigenes Budget für die Tagespflege. Diese Gelder stehen Ihnen pro Monat zu:

Pflegegrad 2: 689 Euro

Pflegegrad 3: 1298 Euro

Pflegegrad 4: 1612 Euro

Pflegegrad 5: 1995 Euro

Je nachdem, welchen Pflegegrad man hat und wie viel Zeit man in der Tagespflege verbringt, kommt man mit dem Budget der Kasse schon sehr weit. Bei den meisten reicht das Geld bei Pflegegrad 3 für vier, fünf Tage pro Woche Aufenthalt in der Tagespflege.

Wichtig: Tagespflege ist ein extra Topf, der nichts mit anderen Leistungen zu tun hat. Wenn Sie die Tagespflege in Anspruch nehmen, wird das Pflegegeld nicht gekürzt. Auch andere Leistungen gibt es weiterhin in voller Höhe – wie z.B. den Entlastungsbetrag oder die Verhinderungspflege.

Welche Eigenanteile fallen an?

Selbst bezahlen müssen Sie die Verpflegung – in den meisten Tagespflegen wird gefrühstückt, Mittag gegessen und oft ist nachmittags eine Brotzeit oder Kaffee und Obst mit dabei. Bei manchen Tagespflegen kommen noch die Fahrtkosten dazu, bei anderen Einrichtungen sind die schon inkludiert. Der Eigenanteil ist in jeder Einrichtung anders. In den meisten beläuft er sich auf 20 bis 30 Euro am Tag. Für diese Kosten können Sie den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat einsetzen.

Wie überzeuge ich jemanden, in die Tagespflege zu gehen?

"Viele Menschen haben Angst vor der Tagespflege – weil das Wort "Pflege" drinsteckt", sagt Michael Wissussek, der selbst eine Tagespflege leitet. Er rät, von einem Tagestreff, einem Begegnungstreff oder einer Seniorengruppe zu sprechen. Zum Beispiel so: "Hör zu, da gibt es einen Seniorentreff, da frühstückt man gemeinsam, liest Zeitung, bastelt, hört Musik. Hättest du nicht Lust, da hinzugehen?" Oft kann man probehalber einen Tag in die Tagespflege gehen. Vielen gefällt es nach kurzer Zeit so gut, dass sie sich darauf freuen.

"Die größte Angst meiner Tagespflegegäste ist, nicht wieder nachhause zu dürfen. Ab Mittag wird oft gefragt: Holt mich jemand? Diese Angst geht aber mit der Zeit weg. Ich mache das so: Ich gebe der Person die Hand und sage: Ich verspreche Ihnen, so wahr ich hier sitze, Sie werden heute abgeholt. Dann ist der Bann oft gebrochen."

Michael Wissussek, Sozial- und Pflegemanager

Manche Tagespflegeeinrichtungen nehmen keine Menschen auf, die zu schwer beeinträchtigt sind – etwa, wenn sie aggressiv sind oder weglaufen wollen. Dagegen können Sie leider nichts unternehmen. Die Einrichtungen sind nicht verpflichtet, einen Gast aufzunehmen.

Tipps für den ersten Besuch in der Tagespflege

Oft hilft es Ihrem Angehörigen, wenn Sie am ersten Tag dabei sind. Nutzen Sie nicht gleich den Fahrdienst, sondern bringen Sie die Person lieber selbst hin und setzen sich beim Frühstück noch dazu. "Verabschieden Sie sich dann und schleichen Sie sich nicht weg", sagt Michael Wissussek. Oft hilft es auch, die Person eine Stunde früher abzuholen als üblich. "Keine Sorge: Die Senioren finden sich in der neuen Welt meistens schnell zurecht, weil sie merken: Ich bin nicht allein."

In den nächsten Tagen können Sie dazu übergehen, den Fahrdienst zu nutzen. Der holt die Person in der früh von zuhause ab und bringt sie nachmittags wieder zurück. Ein Tipp für den Morgen: Manchmal entsteht in der Früh beim Fertigmachen eine Hektik, die gerade unruhige Menschen nervös werden lasst. Lassen Sie sich und Ihren Angehörigen nicht stressen – die Person darf sich auch im Schlafanzug ins Auto setzen. Die Mitarbeiter in der Tagespflege kommen damit zurecht und helfen beim Anziehen, wenn Sie Kleidung zum Wechseln mitgeben.

"Vielleicht fällt Ihnen das Abschalten anfangs schwer, wenn Ihr Angehöriger die ersten Tage in der Tagespflege ist. Denken Sie an einen Arbeitnehmer: Der hat auch Anrecht auf Urlaub! Sie haben es sich verdient, durchzuatmen und Energie zu tanken. Vielleicht haben Sie aber an den ersten freien Tagen ein schlechtes Gewissen. Ich rate deshalb immer, etwas zu unternehmen: Gehen Sie mit der Freundin einen Kaffee trinken oder lernen Sie ein Instrument. Die Füße hochlegen, das geht oft erst später."

Ulli Feder, Pflegedienstleitung Sozialstation St. Kilian, Mellrichstadt


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