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Was gegen Wundliegen hilft

Wenn jemand ständig im Bett liegen muss, entwickelt sich rasch ein Dekubitus: ein Druckgeschwür in der Haut, das oft schlecht heilt. Wie Sie als Angehöriger vorbeugen können – und wann Sie Pflegeprofis zu Rate ziehen müssen.

von Raphaela Birkelbach, aktualisiert am 21.03.2019
Pflege

Regelmäßig die Liegeposition wechseln: Verhindert gefährliche Druckgeschwüre


Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus oder Wundgeschwür ist ein örtlich begrenzter Schaden der Haut. Je nach Schwere des Dekubitus kann das Gewebe darunter bis zum Knochen Schaden nehmen.

Wie entsteht Wundliegen?

Gesunde Menschen verändern ständig im Sitzen oder Liegen unbewusst ihre Körperposition, etwa indem sie die Ferse kaum merklich zur Seite rücken. Das nimmt Druck von belasteten Hautstellen, sie sind gut durchblutet und nehmen keinen Schaden.

Pflegedürftige, bettlägerige Menschen oder auch Menschen gestörter Sensibiliät (etwa bei Diabetes) sind zu diesen kleinen Bewegungen manchmal zu schwach. Ferse, Steißbein oder Ellenbogen liegen dann etwa längere Zeit auf einer Stelle auf. Das übt Druck auf die Haut aus und das Gewebe wird nicht mehr richtig durchblutet, stirbt im schlimmsten Fall sogar ab.

Hautschäden können auch entstehen, wenn sich Hautschichten gegeneinander verschieben – also wenn sich die Oberhaut verschiebt, aber sich das Fettgewebe unter der Haut nicht mitbewegt. Das kann beispielsweise passieren, wenn Sie Ihren Angehörigen auf die Seite drehen oder ihn im Bett hoch- oder herunterziehen.

Wo entsteht das Geschwür?

Ob im Liegen oder Sitzen: Am Körper können überall Druckgeschwüre entstehen. Besonders gefährdet sind Stellen, an denen die Haut direkt auf dem Knochen liegt.

Wie erkenne ich ein Druckgeschwür?

Der Dekubitus kündigt sich durch eine gerötete Stelle auf der Haut an. Wenn Sie feststellen, dass sich auf der Haut, vor allem an gefährdeten Stellen wie zum Beispiel Steißbein oder Ferse – gefährliche Veränderungen wie Rötungen zeigen: Dann entlasten Sie die entsprechende Hautpartie, indem Sie die Lage der betreffenden Person ändern. Ist die Stelle nach Stunden aber immer noch rot, ziehen Sie einen Arzt oder eine Pflegefachfrau zu Rate.

Warum ist ein Druckgeschwür so gefährlich?

Ein Dekubitus kann dramatische Folgen haben. Wird er nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das zu tiefen Wunden, schweren Infektionen mit Befall der Knochen und einer Blutvergiftung führen. Der Patient leidet, wernn er nicht rasch behandelt wird, unter starken Schmerzen. An der Blutvergiftung kann er sogar sterben.

Wer ist gefährdet?

  • Menschen, die immer oder meist im Rollstuhl sitzen
  • Kranke, die fast oder nur noch im Bett liegen und dort ihre Position nicht verändern – etwa nach einem Oberschenkelhalsbruch, nach einem Schlaganfall oder bei einem Wachkoma.
  • Pflegebedürftige Menschen mit sehr trockener, dünner und unelastischer Haut
  • Alle, die Wassereinlagerungen im Gewebe, Durchblutungsstörungen und Sensibilitätsstörungen haben – etwa bei einer Diabeteserkrankung.
  • Stark untergewichtige Menschen: Bei ihnen liegen Haut und Knochen direkt aufeinander. Bei Mangelernährung heilt außerdem eine offene Wunde nicht gut ab, die Person ist auch geschwächt.
  • Ist jemand inkontinent, schwitzt er stark oder hat er hohes Fieber, entwickelt sich ein Wundgeschwür schneller: Schuld ist das feuchte Hautklima.
  • Bestimme Medikamente begünstigen das Wundliegen. Wer Beruhigungstabletten oder Schmerzmittel einnimmt, spürt oft nicht mehr, wenn die Haut Schaden nimmt.

Wie schnell entsteht ein Dekubitus?

Es gibt die Faustregel: Schon nach zwei Stunden kann eine Hautstelle nicht mehr gut durchblutet werden – dann steigt die Gefahr für ein Geschwür. Doch das ist eine allgemeine Einschätzung. Ob und wie schnell sich der bettlägerige Mensch wund liegt, hängt auch davon ab, wir schwer er krank ist und wie viel er sich noch – zumindest minimal – selbstständig bewegen kann.

Wie kann ich vorbeugen?

1. Für Bewegung sorgen

Das ist der allerbeste Schutz! Sei es ein Gang durch die Wohnung, die paar Schritte zur Toilette oder der kurze Weg vom Rollstuhl zum Bett: Bewegung schützt vor dem Druckgeschwür. Die Haut gerät nicht unter Druck, sie ist gut durchblutet.

2. Den Kranken lagern

Tun Sie das nur, wenn der Kranke sich gar nicht mehr bewegen kann. Legen Sie ihn dann auf die Seite – oder schieben Sie mal ein Kissen unter die Beine. Sie kennen den Kranken am besten und wissen, was er am liebsten hat. Darüber hinaus gibt es verschiedene Techniken, mit denen Sie den Kranken im Bett lagern können. Dadurch nimmt er automatisch eine andere Position ein – und die Hautpartie ist nicht mehr belastet. Lassen Sie sich diese Handgriffe von Pflegeprofis zeigen.

Hilfsmittel für die Lagerung:

Lagerungskissen: Sie können damit Patienten um- und weichlagern, damit gefährdete Hautpartien entlastet werden.

Wechseldrucksysteme: Verschiedene technische Modelle sorgen dafür, dass gefährdete Körperstellen automatisch regelmäßig be- und entlastet werden. Bei vorliegendem Rezept erstattet die Kasse die Kosten dafür. Eine regelmäßige Umlagerung ersetzen sie nicht. Vorsicht bei Patienten, die an Demenz erkrankt sind: Das automatische Arbeiten der technischen Systeme kann bei ihnen Ängste auslösen und das Gefühl der Desorientiertheit verstärken.

Bewegungssensoren: Sensoren können registrieren, ob jemand noch zu minimalen Eigenbewegungen fähig ist und wann ein bettlägeriger Menschen neu gelagert werden muss. Die Sensoren sind in Matratzen oder Textilien integriert oder lassen sich als elektrische Pflaster auf der Haut anbringen.

Wann, wie und in welchen Abständen ein Patient umgelagert werden muss, ist individuell unterschiedlich. Mit Ihrer Pflegeerfahrung können Sie das gut einschätzen. Lassen Sie sich von Pflegeprofis rund um Hilfsmittel beraten, die für Ihren Angehörigen sinnvoll sind. Sie erhalten sie im Sanitätsfachhandel und Apotheken, die auch auf ambulante Pflege spezialisiert sind. Nicht jede technische Hilfe eignet sich für jeden Patienten!

Erkundigen Sie sich nach einem Kurs, wo Ihnen Pflegehandgriffe und Hilfsmittel gezeigt werden. Informationen erhalten Sie beispielsweise über die Krankenkasse.

3. Die Haut pflegen

Achten Sie bei der Hautpflege auf pH-neutrale, seifenfreie und rückfettende Reinigungsmittel. Rubbeln Sie nicht zu stark an gefährdeten Hautstellen. Besonders wichtig ist die Hautpflege, wenn jemand unter Inkontinenz leidet oder stark schwitzt. Auch bei Fieber oder einer Tumorerkrankung kann Schweiß die Haut ständig reizen. Bei vorgeschädigter Haut kann sich ein Druckgeschwür rasch verschlimmern.

Lassen Sie sich vom Arzt, von der Apotheke oder vom Pflegedienst geeignete Hautpflegemittel empfehlen. Hausmittel wie Franzbranntwein oder Melkfett schaden mehr als sie nützen.

4. Auf ausgewogene Ernährung achten

Die Ernährung hat indirekt Einfluss: Sie verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, beugt Mangelerkrankungen vor, schützt die Haut und verbessert die Wundheilung. Besprechen Sie mit dem Arzt, wie Sie den Betreffenden vor einer Mangelernährung schützen können.

5. Auf die Auswahl der Medikamente achten

Wenn der Patient plötzlich über lokale Schmerzen in der Haut klagt, sprechen Sie mit dem Arzt ab, ob und welches Medikament Sie ihm dagegen geben. Hinter den Beschwerden kann ein beginnendes Wundgeschwür stecken – oder ein ganz andere Ursache. Beurteilen kann das nur der Arzt.

Therapie der offenen Dekubituswunde

Die Behandlung einer offenen Wunde gehört immer in die Hände von Fachleuten! Versuchen Sie nicht, sie selbst zu behandeln. Das kann für den Patienten sehr schmerzhaft und gefährlich sein. Die Wunde kann sich infizieren, es droht eine Blutvergiftung. Fachleute reinigen die Wunde sorgfältig und legen spezielle Verbände an. Das verbessert die Heilung und beugt vor, dass sich gefährliche Keime in der Wunde ansiedeln. Hatte eine pflegebedürftige Person bereits ein Dekubitus, erhöht sich das Risiko für ein neues Druckgeschwür. Sprechen Sie mit Pflegefachpersonal darüber, wie sich das verhindern lässt.

Fachliche Beratung: 

PD Dr. Nils Lahmann, MSE, Leitung Pflegeforschung und Stellvertretender Direktor Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité in Berlin


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