Wieder aufstehen nach einem Sturz

Ein Sturz ist schnell passiert. Hier lesen Sie, wie Sie danach wieder auf die Beine kommen – alleine oder mit Unterstützung eines Mitmenschen
von Raphaela Birkelbach, 02.11.2016

Nach einem Sturz gilt: Ruhe bewahren

W&B/Jörg Neisel

Blaue Flecke, Schmerzen, Beulen: Zählen die Blessuren nicht? Physiotherapeut Samuel Schülein vom Waldkrankenhaus Erlangen scheint es so. "Erst wenn Blut fließt, sprechen viele Patienten von einem Sturz." Von Malheurs, die äußerlich weniger dramatisch wirken, einen aber auch zu Fall gebracht haben, erfährt der Leiter des Gang- und Mobilitätslabors oft erst auf Nachfrage. "Viele beichten mir dann,  dass sie bereits etliche Male gestürzt sind."

Jeder Sturz ist ein Warnsignal

Studien bestätigen das: Ab dem 65. Lebensjahr fällt jeder Dritte mindestens einmal im Jahr hin. "Bei den über 80-Jährigen ist es sogar jeder Zweite", so Schülein. Jeder Sturz ängstigt die Betreffenden zutiefst. "Manchmal liegen Menschen stundenlang in ihrer Wohnung, bevor Hilfe kommt."

Doch selbst wenn es glimpflicher abgeht: Ein Sturz ist immer ein Warnsignal, betont der Erlanger Physiotherapeut: "Meist fällt der Betreffende noch einmal hin." Umso wichtiger ist es, für den Fall des Falles gewappnet zu sein. Deswegen übt Schülein mit Patienten, im Ernstfall wieder auf die Beine zu kommen. "Vorausgesetzt, sie haben sich nicht gefährlich verletzt", betont der Sturzexperte. Sein Rat: Erst vorsichtig probieren, ob man sich bewegen kann, dann langsam aufstehen. Am besten mit einem Helfer.

Wichtig: Klagt der Gestürzte über Schwindel, heftige Schmerzen, Übelkeit oder blutet er stark, gleich den Notruf 112 wählen!

1. Aufstehen mit Unterstützung

W&B/Jörg Neisel

Einen Stuhl heranschieben

Einen Stuhl mit Lehnen nah heranschieben. Der Gestürzte soll das oben liegende (hier rechte) Knie anwinkeln. Prüfen Sie: Hat er rutschfeste Schuhe an?

W&B/Jörg Neisel

In den Vierfüßlerstand helfen

Kippen Sie nun sanft sein Becken nach rechts, der Gestürzte kann sich leichter hinknien. Dann soll er sich auf den Händen abstützen und zum Stuhl krabbeln.

W&B/Jörg Neisel

An der Hüfte hochziehen

Der Gestürzte stellt sein rechtes Bein auf,  zieht sich an der rechten Lehne hoch und drückt sich mit links vom Sitz ab. Sie ziehen ihn an der Hüfte (Hosenbund) hoch.

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Für sicheren Stand sorgen

Beide Lehnen bieten dem Patienten Halt, während er sich langsam nach rechts herumdreht. Sie führen dabei sanft seine Hüfte.

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In den Stuhl setzen 

Sie haben Ihr Gegenüber sicher in den Stuhl bugsiert. Selbst wenn es ihm gut geht: immer den Hausarzt informieren.

2. Aufstehen ohne Hilfe

W&B/Jörg Neisel

Kühlen Kopf bewahren

Nach dem Sturz ist nun das Wichtigste: ruhig bleiben. Durchatmen. Auf den Ellenbogen abstützen und hochdrücken.

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Auf allen vieren krabbeln

Versuchen Sie auf die Knie zu kommen und sich mit den Händen abzustützen. Zum nächsten Stuhl krabbeln.

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Aufstehen vorbereiten

Am Stuhl hochhangeln: Umfassen Sie rechts die Lehne, die linke Hand liegt auf der Sitzfläche. Rechtes Bein aufstellen.

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In den Stand kommen

Dann rechts an der Lehne hochziehen, mit der linken Hand von der Sitzfläche abstoßen, linkes Bein nachziehen.

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Zum Sitz drehen

Nun im Stehen an den Lehnen festhalten. Dann Gesäß und Beine zum Sitz drehen, um darin Platz zu nehmen.

W&B/Jörg Neisel

Zu Ruhe kommen

Durchatmen, dann Familie und Arzt informieren.

Was tun, wenn Sie nicht aufstehen können?

Laut rufen

Aber haushalten Sie mit Ihren Kräften, das strengt an. Rufen Sie laut, wenn Sie etwa jemanden in der Nachbarwohnung oder im Treppenhaus hören.


Notruf drücken

Falls Sie einen Hausnotruf haben, betätigen Sie ihn. Denken Sie daran, ihn stets bei sich zu haben, am Handgelenk oder um den Hals. Nie kurzfristig ablegen, etwa beim Duschen.


Klopfzeichen geben

Ziehen Sie einen Stock oder Ähnliches zu sich heran und schlagen Sie damit gegen die Heizung. Das macht Krach. Verabreden Sie solche Alarmzeichen mit den Nachbarn. Stellen Sie vorbeugend einen Stock neben die Heizung.


Zum Telefon robben

Gut, wenn Sie eine Anlage mit mehreren Anschlüssen zu Hause haben. Platzieren Sie auf Dauer ein schnurloses Telefon in einer Ecke am Boden. Kriechen Sie, falls möglich, im Notfall dahin.


Warm zudecken

Der Körper kühlt schnell aus, der harte Boden drückt. Wenn erreichbar, ziehen Sie ein Handtuch oder eine Decke zu sich heran, um Ihre missliche Lage etwas bequemer zu machen.


Kissen unterlegen

Betten Sie so Ihren Kopf, damit er nicht überstreckt und bald auch der Nacken wehtut.


Nasses entfernen

Bei längerem Liegen kann es passieren, dass Sie in die Hose machen. Versuchen Sie, aus dem Nassen zu kriechen, der Körper kühlt sonst schnell aus. 


Etwas trinken
Halten Sie gegen drohende Austrocknung im Zimmer eine Wasserflasche vor, zu der Sie in der Not hinrobben können.


Das können Sie selbst tun, um Stürzen vorzubeugen

  • Warnzeichen erkennen: Wer öfter stolpert oder beim Spaziergang zu zweit stehen bleiben muss, weil Sprechen und Laufen gleichzeitig nicht mehr klappt, sollte unbedingt dem Hausarzt davon berichten.
  • In Bewegung bleiben: Das stärkt Kraft und Selbstvertrauen und senkt das Sturzrisiko. Für Rollatornutzer: Gehhilfe individuell anpassen, vom Profi schulen lassen.
  • Kurs besuchen: Gutes Anti-Sturz-Training fördert Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer – inklusive Gangschulung! 
  • Stolperfallen meiden: Dicke Teppiche, Kabel oder wacklige Möbel entsorgen oder etwa mit Anti-Rutschmatten sicherer machen. An Spielzeug des Enkels und Haustiere denken! 
  • Für gute Sicht sorgen: Senioren brauchen im Schnitt zwei- bis dreimal so viel Licht wie früher. Bewegungsmelder beleuchten nachts den Weg zur Toilette. Und: regelmäßig die Sehkraft checken lassen!  
  • Auf Schuhe achten: Keine Schlappen! Für mehr Halt sollten Schuhe die Ferse umschließen, gut passen und ein griffiges Profil besitzen. 
  • Arznei checken: Einzelne Medikamente können die Sturzgefahr erhöhen. Den Apotheker um Rat fragen!

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