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Prostata: Das tut ihr gut

Mit dem Alter vergrößert sich die Drüse und verur­sacht häufig Probleme. Wie sich Prostatabeschwerden lindern lassen und wann eine Operation notwendig wird.

von Elke Schurr, 29.08.2019
Zwei Radfahrer

Radfahren ist gesund – auch für die Prostata


Dagegen können Männer nun mal nichts tun: Ihre Prostata wächst und wächst. Mit 50 Jahren ist sie bereits bei jedem Zweiten leicht vergrößert, ab 70 bei mehr als 70 Prozent der Männer, ab 80 trifft es praktisch jeden. Fakt ist auch: Irgend­wann bereitet dieses harmlose, altersbedingte Wachstum Beschwerden. Denn die Drüse liegt unterhalb der Harnblase und umschließt einen Teil der Harnröhre. Je nachdem, wie sehr und wo genau sich das Drüsengewebe ausdehnt, verlässt der Urin die Röhre nur mehr langsam. Harnreste bleiben häufiger in der Blase ­zurück. Zudem quält ein ständiger Harndrang, tagsüber wie nachts.

So leben Sie gesund

Gegenzusteuern wäre die einfachste Lösung. "Leider gibt es keine echte Vorbeugung gegen das Wachstum", bedauert der Urologe Professor Christian Gratzke von der Uniklinik Freiburg. Regelmäßige körperliche Be­wegung tut dem Körper aber auf alle Fälle gut und damit auch Prostata und Blase. Erfahrungsgemäß lassen zumindest die Beschwerden beim Wasserlassen nach. "Treiben Sie Sport, ernähren Sie sich ausgewogen, sorgen Sie für gute Blutzuckerwerte, und nehmen Sie nicht zu", bekräftigt Professor Michael Stöckle von der Saarländischen Uni­klinik Homburg. Er gibt Entwarnung für Männer, die nicht mehr aufs Fahrrad steigen ­wollen, weil angeblich der Druck des Sattels der Prostata schade: "Das ist ein Märchen!"

Infografik Prostata

Frühzeitig zur Bestandsaufnahme

Um die Prostata ranken sich noch mehr Mythen. "Allein vom Ausmaß der Vergrößerung hängen die Beschwerden nicht ab", korrigiert etwa Urologe Gratzke. Bei manchen Männern wächst das Gewebe nach innen. "Das kann starke Beschwerden beim Wasserlassen verursachen, obwohl die Prostata insgesamt gar nicht auffallend groß ist." Falls Ihr Harnstrahl also dünn und zögerlich ist oder Sie ständig auf die Toilette müssen, suchen Sie Ihren Hausarzt auf, der Sie bei Bedarf an einen Urologen überweist. "Entweder hat Ihre Blase Pro­bleme mit dem Entleeren oder mit dem Speichern oder mit beidem", betont der Freiburger Experte. Je nach Beschwerdebild wählt der Arzt die Behandlung und kann Komplikationen so rechtzeitig verhindern. Denn wenn nichts mehr abläuft oder gar Blasensteine entstehen, kann das für die Nieren gefährlich werden. Schon deshalb ermuntern Urologen zur Ultraschall- und Tastuntersuchung: Sie tut nicht weh, und das Tasten dauert kaum eine halbe Minute. Was ebenfalls für den Männer-Check bereits ab 45 Jahren spricht: Eine wachsende und vergrößerte Prostata hat zwar mit einem Prostatakrebs nichts zu tun, weil es "zwei völlig unterschiedliche Entwicklungen sind", wie Stöckle betont. Gleichwohl kann der Arzt mit seiner Tastuntersuchung auch ein mögliches Kar­zinom früh entdecken. Zusätzlich raten viele Urologen zum PSA-Test, der Blutuntersuchung zur Krebsfrüh­­erkennung. "Bevor Sie dem Test zustimmen, lassen Sie sich von Ihrem Arzt ausführlich aufklären", empfiehlt Gratzke. "Jeder Patient muss wissen, welche Vor- und Nachteile die Bestimmung des Wertes hat und welche Körpervorgänge den Wert außerdem erhöhen."

Blase entlasten und trainieren

Wer aber ständig auf Toilette muss, kann sich ge­rade zu Beginn der Erkrankung mit einem sehr einfachen Mittel das Leben, zumindest aber den Nachtschlaf erleichtern: Nehmen Sie Ihr Flüssigkeitspensum (ca 1,5 Liter) über den Tag verteilt auf, am Abend wenig bis gar nichts trinken. Also keinen Abendtee oder andere wassertreibende Getränke wie Kaffee oder Bier! Dann haben Sie in der Nacht mehr Ruhe. Ratsam ist auch ein Toilettentraining. "Erziehen Sie Ihre Blase: Gehen Sie nicht sofort beim kleinsten Drang auf die Toilette", rät Gratzke. "Stabilisieren Sie zudem Ihren Beckenboden mit der entsprechenden Gymnastik!"

Medikamente einnehmen

Viele Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass ihre anfänglichen, leichten Beschwerden durch pflanz­liche Präparate mit Arzneikürbis-, Brennnessel- oder Sägepalmenextrakten gelindert werden. "Die Effekte sind zwar nicht durch wissenschaftliche Studien gesichert, aber einen Versuch wert", urteilt Urologe Gratzke. Allerdings sollte der Zeitpunkt nicht verpasst werden, an dem andere ­­Medikamente zum Einsatz kommen sollten. Vor allem wenn immer wieder Harn in der Blase stehen bleibt, raten Urologen zu Wirkstoffen wie etwa Alpha­blockern, die entspannend auf die Muskulatur wirken und den Urinstrahl kräftigen. Einen Einfluss auf die Prostatagröße haben diese Mittel nicht. Andere wie etwa 5-Alpha-Reduktasehemmer dagegen schon: "Sie greifen in den Stoffwechsel der Drüse ein und verkleinern die Prostata um etwa ein Drittel." Erst wenn alle Arzneien nichts mehr ausrichten oder nicht vertragen werden, wenn Blasensteine oder ein kompletter Harnverhalt drohen, wird der Arzt eine OP vorschlagen.


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