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Neue Einrichtung, lohnt sich das jetzt noch?

Ihre Möbel sind von anno dazumal? Die Wandfarbe völlig überholt? Zum Umgestalten ist es nie zu spät. Gerade ältere Menschen sollten sich in ihren vier Wänden rundum wohlfühlen. Das tut auch der Psyche gut

von Simone Herzner, 29.11.2011
Senioren sitzen auf Sofa und lesen

Ein schönes, gemütliches Zuhause steigert die Lebensfreude


Zu klein, zu vollgestellt, zu dunkel. Im Laufe der Jahre wächst oft der Besitz an Dingen – der zur Verfügung stehende Wohnraum jedoch nicht. Langsam aber sicher, platzt die Wohnung aus allen Nähten. Die alten Möbel, die in die Jahre gekommenen Vorhänge, der ganze Kram in den Schränken und Regalen: All das können Sie nicht mehr sehen? Es engt Sie ein und verdirbt Ihnen die Freude am Daheimsein? Dann ist es Zeit, die Wohnung oder das Haus umzugestalten – und mit den neuen Möbeln, Stoffen und Farben nicht nur einen frischen Wind in die vier Wände, sondern in Ihr ganzes Leben zu bringen.

Umgestalten lohnt sich immer

"Umgestalten lohnt sich immer und in jedem Alter", ist Martina Fuchs überzeugt. Sie ist Expertin für Einrichtung und Raumgestaltung, speziell für das "Wohnen 50+". Seit 15 Jahren berät Fuchs in ihrer Münchner Agentur Kunden vom Arzt mit eigener Praxis bis zu Privatpersonen. "Mir geht es vor allem darum, die Menschen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Leben und Umfeld aktiv zu gestalten." In der kleinsten Kammer steckt das Potenzial für eine persönliche Wohlfühlzone. Nach der Erfahrung der Einrichtungsberaterin kann das Umgestalten der eigenen vier Wände sogar seelische Blockaden lösen und neue Lebensfreude schenken. Für den "Bauplan Lebensglück" seien oft nur kleine Veränderungen nötig.

Kleine Veränderung – große Wirkung

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung auf die Psyche – davon ist auch Günter Lüers überzeugt. Der gelernte Orthopädie-Mechaniker und Geschäftsführer der Koordinierungsstelle "Wohnen im Alter" im niedersächsischen Cloppenburg berät Senioren, die sich eine alter- und alternsgerechte Wohnung und Einrichtung verwirklichen möchten. "Ich erlebe viele glückliche Senioren, die sich nach der Renovierung in den eigenen vier Wänden wieder viel sicherer fühlen. Das ist eine enorme Steigerung der Lebensqualität."

Schöner wohnen muss nicht teuer sein

Umgestalten schön und gut. Viele Menschen scheuen jedoch neben dem finanziellen Aufwand auch den Berg an Arbeit, dem sie sich nicht mehr gewachsen fühlen. Martina Fuchs beruhigt in beiden Punkten: "Sie können Ihr Zuhause schon mit wenigen Hundert Euro verschönern." Neue Vorhänge, Kissen und Wohnaccessoires verändern ein Zimmer komplett. Umso mehr Farben und Muster Sie kombinieren, desto lebendiger wird der Raum. "Wenn Sie eine ruhige Atmosphäre schaffen möchten, empfehle ich, in einer Farbfamilie zu bleiben." Die Vorhänge in zarten Gelbtönen, die Kissen in einem kräftigen Sonnengelb, ein neuer Überzug fürs Sofa – inzwischen gibt es tolle Stoffe für kleines Geld. Auch der Berg an Arbeit erscheint viel kleiner, wenn Sie sich Hilfe für schwere Tätigkeiten holen und ein Zimmer nach dem anderen anpacken. "Lassen Sie sich Zeit und genießen Sie das Umgestalten", rät Fuchs. Warum die vermeintlich lästige Aufgabe nicht eine Zeitlang zum Hobby machen? So wird aus Arbeit Vergnügen.

Sind Sie mit Ihrer Wohnungseinrichtung zufrieden?
Zum Ergebnis

Ihre Bedürnisse sind wichtig

Bevor Sie beginnen, sollten Sie sich ein paare zentrale Frage stellen: Kann ich bis ins hohe Alter in meinen vier Wänden bleiben? Ist die Wohnung barrierefrei oder kann ich sie so gestalten? Oder ist es sinnvoll, umzuziehen? "Oft hilft es außerdem, sich klarzumachen, was in dem Raum stattfinden soll", rät Fuchs. Soll er ein Ort der Ruhe für Sie allein sein, oder wollen Sie häufig Besuch empfangen? Ihre eigenen Bedürfnisse sind entscheidend. Denn gerade mit zunehmendem Alter geht es darum, das persönliche Umfeld zu stärken. Sie sollten sich in Ihrem Zuhause pudelwohl fühlen, schließlich kann es sein, dass Sie künftig mehr Zeit daheim verbringen – etwa weil Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Schaffen Sie darum Inseln für sich. Das alte Kinderzimmer ist zu schade, um nur als Abstellkammer oder Bügelzimmer genutzt zu werden. "Gerade Frauen können sich hier einen Raum für sich gestalten. Mit einem kleinen Sofa, einer Leseecke, schönen Bildern. Gönnen Sie sich diesen kleinen Luxus", appelliert Fuchs.

Je reicher ein Mensch an Jahren ist, desto gemütlicher und schöner sollte er wohnen. Eine hübsche Wohnung tut der Seele gut und bereitet jeden Tag aufs neue Freude. Warum für später oder für die Kinder sparen? Ihre Kinder freuen sich bestimmt mit Ihnen, wenn Sie glücklich sind und Ihr Leben weiterhin aktiv gestalten. Ganz abgesehen davon, dass sich auch Kinder und Enkel in einer schönen Wohnung wohler fühlen und gerne zu Besuch kommen.

Bitte keine falsche Sparsamkeit

Das Geld für später oder für die Kinder aufzusparen, ist sowieso meist zu kurz gedacht. "Sollten Sie irgendwann einmal in einer Pflegeeinrichtung leben müssen, ist das Ersparte schnell aufgebraucht", sagt Günter Lüers. Dann lieber beizeiten in die eigenen vier Wände investieren, damit diese auch im hohen Alter für Sie bewohnbar bleiben. "Wenn Sie die Sache selbst in die Hand nehmen, bestimmt später außerdem kein Dritter über Ihr Geld und Ihren Kopf hinweg", empfiehlt der Seniorenberater.

Praktische Tipps von der Expertin

Martina Fuchs hilft mit einigen praktischen Tipps. Mit einem neuen Anstrich peppen Sie Ihre Wohnung schon für rund 200 Euro auf. Ein schlichtes Weiß oder Creme lässt die Zimmer größer aussehen. Für einen farbigen Anstrich gilt die Regel: weniger ist mehr. Also bitte nicht alle vier Wände bunt streichen, sondern die Farb-Akzente auf eine Wand oder eine Bordüre reduzieren. Auch die Wahl der Wandfarbe will wohlüberlegt sein. Kräftige, warme Farben wie Rot oder Orange machen einen Raum optisch kleiner. Sie sollten in diesem Fall nur vorsichtige Farbtupfer setzen. Ein größeres, helles Zimmer verträgt mehr Farbe. "Eine tolle Kombination ist zum Beispiel ein kräftiges Fuchsia mit einem zarten Grün. Damit holen Sie sich den Frühling in die Wohnung", schwärmt Wohnexpertin Fuchs. Ein helles Gelb oder zartes Blau eignet sich auch für eine ganze Wand. Im Fachhandel gibt es außerdem Schablonen mit hübschen Motiven wie Blumen oder Vögel. Oder wie wäre es mit einer Motiv- oder Mustertapete? "Diese Tapete sind wieder groß in Mode", erzählt Fuchs. Auch hier gilt: Nicht das ganze Zimmer tapezieren, einzelne Streifen sehen oft schöner aus.

Auch mit Lampen können Sie tolle Akzente setzen. Ob Stehleuchten, Deckenleuchten oder Wandleuchten – mit raffinierten Lichtquellen scheint selbst in einem dunklen Flur plötzlich die Sonne. "Menschen, die nicht mehr viel ins Freie können, empfehle ich spezielle Sonnenlicht-Lampen", sagt Fuchs. Diese Lampen haben ein ähnliches Spektrum wie das natürliche Sonnenlicht und sind besonders für Menschen interessant, denen dunkle, trübe Regen- oder Wintertage aufs Gemüt schlagen.

Neue Möbel: weniger ist mehr

Ein etwas größeres Budget brauchen Sie für neue Möbel. Sie müssen ja nicht gleich alles neu kaufen. Ein Mix aus Alt und Neu kann sehr charmant wirken. Überlegen Sie sich daher, was Sie am dringendsten auswechseln möchten. Zum Beispiel ein neues Bett oder Sofa, von dem sie leichter aufstehen können.

Wenn Sie schon Möbel schleppen, können Sie auch gleich ausmisten und Platz schaffen. Die Klamotten, die Sie seit Jahren nicht mehr getragen haben, das alte Geschirr im Keller – das kann alles weg. Vielleicht können Sie sich auch von den Hunderten Dias von der ersten Reise mit Ihrem Partner trennen. Die schönsten Motive haben Sie doch bestimmt im Fotoalbum verewigt? "Seine Lebensgeschichte trägt man im Herzen", sagt Martina Fuchs. Ob Möbel, Haushaltsgegenstände oder Kleidung – machen Sie es sich zur Gewohnheit, beim Kauf eines neuen Teils mindestens ein altes wegzuwerfen.

Weniger unnützer Besitz macht das Leben leichter – und den wuchtigen Wohnzimmerschrank in Zukunft unnötig. Vielleicht reichen jetzt zwei schöne Sideboards, die den neuen Flachbildfernseher richtig zur Geltung bringen?

Achten Sie auf viel Bewegungsfreiheit

Seniorenberater Lüers rät grundsätzlich, genügend Bewegungsfläche um die Möbel herum einzuplanen. Wichtig seien gerade Wege und ausreichend Bewegungsfreiheit ohne Barrieren. Also bitte Teppiche und Kabel auf ihre Stolpergefahr prüfen. "Sämtliche Steckdosen, Lichtschalter und Haushaltsgegenstände sollten bedien- und erreichbar sein, auch wenn Sie sich später einmal nicht mehr so gut bücken oder strecken können", sagt Lüers. Für Lichtschalter empfehlen sich zum Beispiel farbige Einfassungen, damit Sie die Schalter auch dann noch auf der weißen Wand erkennen, wenn die Augen schlechter werden.

Fazit: Eine neue Einrichtung tut Körper und Seele gut. Sie sind wieder lieber Zuhause, die freundliche Einrichtung strahlt auf Sie zurück. "Räume sind das Spiegelbild von uns selbst", sagt Fuchs. Ein Raum sei wie eine Energieglocke, die einen in alten Mustern und Verhaltensweisen gefangen halte – oder die durch äußere Veränderungen den Weg für das Überwinden innerer Barrieren freimache.


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