Partnerschaft: Gemeinsam Ziele erreichen

Abnehmen, Sport treiben oder mit dem Rauchen aufhören: Wenn der Partner mitmacht, fällt es leichter, Gewohntes aufzugeben. Experten und Leser geben Tipps für den Start – und zum Durchhalten
von Heidi Loidl, 15.09.2016

Gesünder leben: Klappt besser, wenn der Partner mitmacht

W&B/Achim Graf

Zwölf Kilo weniger – auch noch zwei Monate nach Ende des Kurses! Bärbel W. hat Erfahrung mit dem Abnehmen. Seit mit den Wechseljahren die Kilos kamen, gehörte zur Vorbereitung auf den großen Sommerurlaub die Diät – jedes Jahr wieder, mal "Brigitte", mal "Hollywood", mal Kohlsuppe. Diesmal lief es anders: Ihr Mann war mit von der Partie. Kein doppeltes Kochen. Kein distanziertes "Iss du nur deins, aber lass mir meins". Es einfach zusammen tun! Der Effekt: "Wir essen jetzt anders und werden uns auch nicht mehr zurückorientieren", sagen beide einhellig.

Eine langjährige Partnerschaft hat großen Einfluss auf die Gesundheit, berichten Forscher. Wie stark Schmerzen empfunden werden, hängt von der Qualität der Beziehung ab. Wie sehr eine Herzkrankheit aufs Gemüt schlägt, liegt auch an der Kommunikation der Eheleute untereinander. Mit der Gewissheit, den Partner auch in schlechten Zeiten an seiner Seite zu haben, fühlt man sich gesünder.

Häufig spornt die Frau den Mann zu mehr Bewegung an

Teilen Paare Tisch und Bett, gehen sie gemeinsam durch dick und dünn. Wenn sich im Lauf der Jahre bei ihm die Kilos ansammeln, ist es oft die Partnerin, die ihren Ehemann anspornt, mit mehr Bewegung gegenzusteuern. So jedenfalls deutet der Heidelberger Soziologe Dr. Ingmar Rapp die Beobachtung, dass Männer ab 50 aktiver sind, wenn sie mit einer Partnerin zusammenleben.

Noch wirksamer, als den Partner anzuhalten, ist es, selbst mitzumachen. Darauf weist eine aktuelle Befragung von 3700 Paaren in England hin. Ob es ums Abspecken geht, um mehr Bewegung oder darum, endlich von der Zigrette loszukommen – zu zweit ist die Erfolgsrate höher. Am besten klappt es, wenn beide sich an einen Tisch setzen und miteinander reden.

So klappt ein bewegteres Leben mit dem Partner

  • Richtige Sportart wählen
  • Ziel abstimmen: Leistung steigern oder entspannen?
  • Rollen klären: sind Ratschläge okay – und in welcher Form?
  • Aktivitäten fest vereinbaren, Ausreden erkennen und ansprechen
  • Die eigene Leistung sehen, statt sich am Partner messen
  • Nicht um jeden Preis alles zusammen machen

Partner kann Unterstützung und Herausforderung sein

Rita und Wolfgang L. aus Dachau haben es getan. Erst war es nur ein Tanzkurs. Doch Wolfgang wollte mehr. Tanzen ist für ihn perfekt zum Abschalten von der Arbeit. Rita ist ohnehin viel auf den Beinen, aber das Gemeinsame reizt sie. Gleichzeitig gesteht sie: "Allein würde ich mich nach einem vollen Tag oft nicht mehr aufraffen."

Gut, dass der Partner wenn nötig den entscheidenden Schubs gibt. Sonst bleibt alles beim Alten. Gewohnheiten sind stark, dagegen muss man aktiv vorgehen, das schafft man allein oft einfach nicht. Der Partner ist derjenige, mit dem man sich austauscht, über Erfolge, aber auch Frust. Oder mit dem man Zwischenbilanz zieht: Was klappt gut, was kann noch besser werden? "Den Partner stets um sich zu haben, ist eine tolle Unterstützung", weiß die Kölner Sportmedizinerin Professor Christine Graf, "es kann aber auch eine Herausfordernung sein." Vielleicht möchte man auch mal in Ruhe gelassen werden und keinen Rat zum optimalen Laufstil hören. "Das sollten Partner einander sagen."

Deutlich sprechen und richtig zuhören, "das üben wir beim Tanzen ständig", sagt Rita L., "denn nichts anderes ist Führen und Sichführen-lassen". Inzwischen sind die beiden darin so gut, dass sie bei Turnieren antreten.

Sportarten für zwei: Von Tanzen bis Radeln

Tanzen ist aber nur eine von vielen Sportarten für zwei. "Vielleicht findet man beim Laufen kein gemeinsames Tempo. Auf dem Tandem oder beim Rudern dagegen spielen die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse keine Rolle", sagt Sportpsychologin Dr. Jeannine Ohlert von der Sporthochschule Köln. "Oder die Partner laufen erst einige gemütliche Kilometer gemeinsam, dann hängt der Fittere noch eine Extrarunde an."

Veronika und Walter K. aus Pesterwitz bei Dresden haben ihren Weg gefunden. "Wir radeln gern und lieben es, uns in der Natur zu bewegen", sagt sie. "Mein Mann fährt gern mal in seinem Tempo voraus – soll er ruhig. Anderntags radle ich sportlich und er gemütlich hinterdrein."

Gemeinsames Abnehmen: Sich Mut zusprechen

Beim Abnehmen zu zweit ist das gemeinsame Essen ein wichtiger Motor. Und nicht das Fernziel Abnehmen, sondern der Geschmack ist der stärkste Beweggrund dranzubleiben. Bei Bärbel und Bernd W. aus Issum am Niederrhein fängt es schon mit dem Einkauf an: Gemeinsam suchen sie auf dem Markt die frischesten Zucchini und die aromatischste Mango. Wenn sie mittags mit Gewürzen experimentiert, ist er ihr kritischster Esser. Gemeinsam haben sie viele Rezepte ausprobiert – und viele Genussmomente erlebt.

Tipps fürs gemeinsame Abnehmen

  • Zielgewicht individuell festlegen
  • Kontrolle ja, Druck nein: Sprechen Sie ab, wann und wie Sie an Ihr Ziel erinnert werden wollen
  • Jeder übernimmt die Verantwortung für seine Ausrutscher selbst
  • Bei Stillstand Verständnis zeigen statt Vorhaltungen machen
  • Auszeiten einplanen, zusammen genießen

Die große Herausforderung beim Abnehmen: Beim einen purzeln die Pfunde, während das Gewicht beim anderen stagniert – wie frustrierend! Vorsichtig haben Bärbel und Bernd W. sich dann Mut zugesprochen: "Schau mal, du hast zwar nicht ab-, aber auch nicht zugenommen." Keine großen Worte – nur ein kleines Signal: Ich weiß schon, wie das ist. Das Fazit des Paares zwei Monate nach Kursende: "Die neue Gemüseküche schmeckt uns und tut uns gut." Die Waage bestätigt den Erfolg.

Michael Pagelsdorf vom NutriVille-Institut in Kamp-Lintfort, der Bärbel und Bernd begleitet hat, freut sich mit über die Veränderung: "Allein schon sich vor niemandem rechtfertigen zu müssen, dass und warum man jetzt anders isst, erleichtert es Paaren. Man tut es ja zusammen."

Rauchstopp? Partner spielt die wichtigste Rolle

Nicht zuletzt ist es die Verantwortung füreinander, die die gemeinsame Umstellung trägt. "35 Jahre sind wir nun verheiratet", sagt Dagmar K. aus Berlin, "haben drei Kinder großgezogen. 2013 stellte der Arzt bei meinem Mann eine schwere Lungenkrankheit fest. Einzig wirksame Therapie: Rauchstopp. Da bin ich doch dabei – es ist ja auch für mich."

Bei keiner anderen Verhaltensänderung ist der Partner so wichtig wie beim Rauchstopp. Hört er nicht mit auf, ist die Rückfallquote höher. Kein Wunder, wenn man das Objekt der Begierde ständig vor Augen hat! Rauchen "hat nichts mit Lifestyle zu tun, es ist eine handfeste Suchterkrankung", stellt Dr. Tobias Rüther, Leiter der Münchner Tabakambulanz, richtig. Wer aufhört, muss mit Entzugserscheinungen rechnen. Dann ist der Partner als Stütze besonders wichtig. Der Psychiater ermuntert alle seine Patienten: "Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner, die meisten wollen weg vom Nikotin." Drei von fünf älteren Rauchern (ab 50) möchten einer Umfrage zufolge ganz aufhören, ein knappes Drittel würde zumindest gern weniger rauchen.

Den Nikotinentzug zu zweit richtig angehen

  • Partner ins Boot holen: um Hilfe bitten statt diese einzufordern
  • Ärztlich beraten lassen: Medikamente zur Unterstützung?
  • Den Stopptag gemeinsam festlegen
  • Den Entzug bewusst planen: Was hilft über die schwierige erste Phase hinweg?

"Sprechen Sie in Ich-Botschaften"

Um den Partner zu gewinnen, ist der richtige Ton ganz wichtig: "Sprechen Sie in Ich-Botschaften", rät Tobias Rüther, "zum Beispiel so: Ich möchte gern aufhören und habe Angst, dass es schwierig wird, wenn du weiter rauchst. Kannst du dir vorstellen, mit mir zusammen aufzuhören?" Wer zu fordernd herangeht, Vorwürfe macht oder die negativen Konsequenzen des Rauchens aufzeigt, erzeugt schnell Widerstand.

Aber auch wenn der Partner selbst nicht aufhören will, kann er unterstützen. Vielleicht helfen schöne Unternehmungen über den Entzug hinweg. Sicher aber ist es leichter, wenn der Partner rausgeht zum Rauchen.

Seit dem 11. Mai 2013 sind Dagmar und Klaus K. rauchfrei. "Es war ein hartes Training: das Buch in die Hand zu nehmen, aber nicht gleichzeitig die Zigarette, ans Telefon zu gehen, ohne dabei eine anzustecken. Oft genügte ein kurzer, aufmunternder Blick, und es ging leichter", erinnert sich Dagmar. "Bis heute empfinden wir es als großes Glück, nicht mehr zu rauchen." Es als Paar geschafft zu haben, hat die beiden neu zusammengeschweißt.

Das ist die Chance, die in jeder gemeinsamen Veränderung steckt – ganz abgesehen von der positiven Wirkung auf die Gesundheit.


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