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Tipps, wie Sie richtig schenken

Warum beschenken wir uns zu Weihnachten? Welche Fallstricke lauern dabei? Soziologe Alexander Engemann verrät im Interview, warum fantasielose Geschenke oft nicht die schlechteste Wahl sind

von Elke Schurr, aktualisiert am 14.12.2016
Weihnachtsstreß

Enttäuscht am Gabentisch: Beim Schenken kann einiges schiefgehen


Herr Engemann, was sind eigentlich unsere Motive beim Schenken?

Wir versuchen damit, unseren viel­fältigen Beziehungen zu anderen Menschen einen symbolischen Aus­druck zu verleihen. Das ist alles an­dere als leicht. Ein Geschenk kann misslingen und Enttäuschung aus­lösen, auf beiden Seiten.

Warum schenken wir dann noch?

Es wird von uns erwartet. Zu vielen gesellschaftlichen Anlässen besteht dieses soziale Gebot, dem wir uns fü­gen. Mal mit mehr, mal mit weniger Freude. Auf alle Fälle gehen wir das Risiko ein, dass es nicht gelingt. Das erfordert Mut, wenn Sie so wollen. Der ist an sich schon lobenswert. Wir schenken ja vor allem, weil wir uns freuen, wenn sich der andere freut.

Wie vermeidet man denn, dass das schiefgeht?

Ein Geschenk darf niemanden in Verlegenheit bringen. Es sollte in sei­nem materiellen wie symbolischen Wert der Beziehung zum Beschenk­ten entsprechen. Das heißt, es darf weder zu teuer noch zu billig sein. Niemand soll denken: "So wenig bin ich dem an­deren wert?" Aber auch ein zu wertvolles Geschenk kann eine unangenehme Situation auslösen und dazu führen, dass sich der Beschenkte schlecht fühlt, da er nichts Gleichwertiges hat. Für manche Situationen gibt es deshalb klare Konventionen – denken Sie an die Flasche Wein zur Einladung bei Freunden oder den Blumenstrauß am Muttertag. Sich an solche Konventionen zu halten ist für beide Sei­ten oft eine Entlastung.

Manche älteren Paare vereinbaren, sich gar nichts zu schenken ...

Wenn sie damit zufrieden sind und sich daran halten, warum nicht. So ganz kann man sich den Pflichten aber selten entziehen. Besser wäre es, sich weniger zu schenken und gegenseitige Erwartungen runterzuschrauben. Das ist ein Trend, der auch bei der jüngeren Generation zu beobachten ist.

Darf ein Geschenk auch praktisch sein? Es soll ja Männer geben, die Küchenmaschinen verschenken …

Na ja. Vielleicht hat sie sich jemand gewünscht. Wenn nicht, steht die Frage im Raum: "Was will mein Mann mir damit sagen?" Die Gefahr zu enttäuschen wird geringer, wenn man sich offen über seine Wünsche austauscht – und wenn man auch sagt, was man sich nicht oder nicht schon wieder wünscht.

Der Überraschungseffekt ist dann futsch ...

Mal ganz ehrlich: So richtig über­rascht wird man doch selten. Über­raschen zu wollen bedeutet auch Stress – auf beiden Seiten. Nicht zu überraschen ist das geringere Übel beim Schenken als das Risiko, völlig daneben zu liegen.

Also am besten Geld – fantasielos, aber praktisch?

Durchaus. Wobei hier Einkommens­unterschiede schon eine Rolle spie­len: Großeltern dürfen Enkeln Geld schenken, aber nicht umgekehrt. Ich kenne keinen Jugendlichen, der sich nicht über einen Geldschein freut.

Ist ein Gutschein ein guter Kompromiss?

Ja, mit Gutscheinen geht man we­niger Risiken ein. Sie können sogar sehr persönlich und originell sein, etwa wenn man gemeinsame Erleb­nisse wie einen Restaurantbesuch oder eine Reise verschenkt.


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