Trauer bewältigen, wenn der Partner stirbt

Wie Hinterbliebene nach dem Verlust eines geliebten Menschen ihren Schmerz verarbeiten und wieder neuen Mut fassen
von Dagmar Fritz, 22.11.2017

Gedenken an den Verstorbenen: Die Trauer zu überwinden benötigt Zeit

Thinkstock/istock

Wenn der Partner stirbt, stehen Hinterbliebene der eigenen Trauer oft hilflos gegenüber. "Ältere Menschen trifft der Tod des Lebenspartners noch härter als jüngere Menschen, besonders wenn eine starke emotionale Abhängigkeit bestand", erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf aus Mannheim. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Trauerarbeit und bietet auf ihrer Internetseite www.psychotipps.com Informationen und Tipps dazu an.

Wie gut es Menschen gelingt, ihre Trauer zu verarbeiten, hängt nicht vom Alter ab: "Persönliche Strategien, um Probleme zu bewältigen, und die eigene Lebensseinstellung sind entscheidend dafür, wie man den Tod des Partners verarbeitet", sagt Wolf.

Therapeutische Unterstützung

Es gibt Menschen, die aus eigener Kraft ihre tiefe Trauer um den Partner nicht abschließen können. Depressionen und Suizidgedanken können die Folge sein. In diesen Fällen ist professionelle Hilfe nötig. Betroffene sollten sich an ihren Hausarzt wenden. Er kann einschätzen, welche Unterstützung nötig ist. Auch die direkte Kontaktaufnahme mit einem Psychotherapeuten ist möglich.

Mitarbeiter von Hospizdiensten können als geschulte Trauerbegleiter Hinterbliebenen ebenfalls wertvolle Unterstützung bieten. Informationen dazu bietet der örtliche Hospizdienst.

Drei Trauerphasen

In der Trauer lassen sich oft unterschiedliche Phasen erkennen: Am Anfang stehen der Schock und die Verleugnung. Man kann nicht glauben, dass der geliebte Mensch nicht mehr da ist. "Bei unerwarteten Todesfällen ist diese Phase besonders stark ausgeprägt, weil man sich auf den Todesfall nicht einstellen konnte", erklärt Wolf.

In der zweiten Phase brechen die Gefühle auf: Der Trauerschmerz und die Verzweiflung sind besonders stark. Angehörige leiden unter Schuldgefühlen, machen sich Vorwürfe, haben Zukunftsängste und das Gefühl etwas versäumt zu haben. "Diese Phase ist die schmerzlichste und schwierigste in der Trauerbewältigung", so Wolf. Meist geht sie einher mit körperlichen Beschwerden wie Unruhe, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit. Manchen Trauernden gelingt es nicht, diese Trauerphase gut abzuschließen. Sie belassen alles so, als ob der geliebte Mensch bald zurückkommen würde.

In der dritten Phase akzeptiert der Trauernde langsam den Verlust des Partners. Die  Gedanken kreisen nicht mehr so häufig um den Verstorbenen. Der Hinterbliebene beginnt langsam, sich wieder nach außen zu orientieren. Er nimmt alte Hobbys wieder auf oder entdeckt neue Aktivitäten für sich. Dadurch entwickelt sich ein neues Selbstwertgefühl.

Jeder trauert anders

Die einzelnen Phasen können sich überlappen, zusammenfallen oder sich vermischen. "Wenn die Wunden heilen sollen, muss man jede dieser Phasen durchlaufen", so Wolf. Am Ende dieses Prozesses kommt eine Zeit des inneren Friedens. "An Stelle der Trauer und Verzweiflung tritt ein neues Lebensgefühl und die Gedanken an den Verstorbenen sind weniger schmerzhaft", sagt die Psychologin.

Alltag neu erlernen

Viele durchleben nach dem Tod des geliebten Menschen eine persönliche Krise. "Senioren, die ihren Partner verloren haben, verlieren auch einen Teil von sich selbst", sagt Marianne Bevier, Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung. Die Theologin unterstützt seit Jahren als Trauerbegleiterin und Pastoralpsychologin Angehörige bei der Trauerverarbeitung. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Trauernde sich selbst ausreichend Zeit geben müssen. "Ein halbes Jahr nach dem Todesfall muss man noch nicht wieder funktionieren", sagt die Experten und ergänzt: "Das erste Trauerjahr ist sehr wichtig. In ihm erlebt man alle Feste und Geburtstage zum ersten Mal ohne den Partner. Man erkennt aber auch: Das halte ich aus."

Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf vergleicht den Verlust eines geliebten Menschen mit einer Operation: "Eine Operation ist schmerzhaft und hinterlässt eine Wunde, die zu einer Narbe wird. Aber mit dieser Narbe können Körper und Seele lernen zu leben."

Isolation vermeiden

"Trauer im Alter bedeutet oft einsam und alleine zu sein", so die Erfahrung von Trauerbegleiterin Bevier. "Mit einem guten sozialen Umfeld gelingt es Trauernden leichter, zurück ins Leben zu finden." Sie rät dazu, familiäre Kontakte zu pflegen, Freundschaften und Hobbys wieder aufzunehmen. Neue Lebensfreude empfindet man auch, wenn man körperlich aktiv ist, sich regelmäßig bewegt.

Über die eigenen Gefühle zu sprechen, ist eine große Hilfe bei der Verarbeitung. Dabei können "Trauercafés" ein guter Anlaufpunkt sein. Bei den regelmäßig stattfindenden Treffen haben Trauernde die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen austauschen, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Wo und wann ein Treffen in der Umgebung stattfindet, erfährt man durch einen Anruf beim örtlichen Hospizdienst oder im Internet.

Den Neuanfang wagen

Die meisten Menschen, die sich ihrer Trauer stellen, können irgendwann wieder nach vorne schauen. Hilfreich für die Neuausrichtung kann es sein, sich über ein paar Fragen Gedanken zu machen: Welchen neuen Sinn kann ich meinem Leben geben? Welche Möglichkeiten habe ich? Gibt es etwas, was ich immer schon tun wollte aber dem Partner zuliebe nicht getan habe?

Trauernde können irgendwann den Blick wieder in die Zukunft richten. Dabei gibt es viele Möglichkeiten seine Zeit zu gestalten: Eigene Interessen verfolgen oder ehrenamtliches Engagement. Warum nicht eine neue Sprache lernen oder ein Instrument? Expertin Wolf rät: "Hinterbliebene sollten sich die Möglichkeit geben neue Erfahrungen zu machen. Neue Menschen kennenzulernen und zu erleben, dass man auch ohne den Partner leben kann."


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