Trickbetrug: So schützen Sie sich

Mit raffinierten Geschichten zielen Verbrecher gezielt auf Senioren ab. Wer die typischen Tricks kennt, kann die Betrüger leichter durchschauen

von Dagmar Fritz, 29.01.2018

Enkel-Trick: Verbrecher machen sich die Hilfsbereitschaft von Senioren zunutze


An der Haustür oder per Telefon versuchen Betrüger mit Senioren persönlich in Kontakt zu kommen. Über einen Vorwand, wie die Bitte um ein Glas Wasser, einen Stift oder einen Toilettenbesuch, wollen sie in die Wohnung gelangen. Auch gerne angewendet: Die Täuschung als Handwerker, Mitarbeiter von Kirche, Krankenkasse oder Rentenversicherung.

"Es gibt viele Gründe, die Fremde vorschieben, um in die Wohnung zu gelangen", so Kriminalrat Arno Helfrich, Leiter für Prävention und Opferschutz am Polizeipräsidium München. Ist der Täter erst einmal im Haus, beginnt das Ablenkungsmanöver, denn meist betritt unbemerkt eine zweite Person die Wohnung und sucht nach Wertsachen.

Masche: Die falschen Polizisten

"Ältere Menschen geraten häufiger ins Visier der Verbrecher, weil sie altersbedingt unsicherer auftreten und sich von Amtspersonen leichter beeindrucken lassen", sagt Kriminalrat Arno Helfrich. Deshalb funktioniert auch die Masche mit den "falschen Polizisten" so gut. Dabei handelt es sich um einen Trickbetrug, der telefonisch eingefädelt wird.

Am Telefon gibt sich ein Betrüger als Polizist aus, berichtet von einem Einbruch in der Nachbarschaft, bei dem ein Notizbuch des Einbrechers mit Adressen gefunden wurde. Auch die Adresse des Angerufenen sei darunter. Der falsche Polizist erkundigt sich, ob alles in Ordnung sei, ob sich Bargeld und Schmuck im Haushalt befinden und wo die Wertgegenstände verwahrt werden. Dann kündigt er an, dass ein Polizist vorbei kommen wird, um alles zu kontrollieren.

Bei der "Kontrolle" bemerkt der falsche Polizist, dass es sich um Falschgeld handelt, das sofort beschlagnahmt werden müsse, um es im Labor zu untersuchen. "Weigern sich die Leute das Geld auszuhändigen, werden sie unter Druck gesetzt", sagt Kriminalexperte Arno Helfrich. "Die Täter drohen damit, dass man sich strafbar mache, wenn man Falschgeld zu Hause behält und zum Mittäter werde, wenn man das Geld nicht sofort der Polizei übergibt."

Zieht die Masche, ist der Schaden groß: "Die ergaunerten Summen sind meist fünfstellig. Die Wahrscheinlichkeit, dass man Geld oder Wertsachen zurück erhält, ist sehr gering", sagt Kriminalrat Helfrich.

Um sich vor Betrügereien an der Hautür zu schützen rät die Polizei:

  • Lassen Sie fremde Personen nicht in die Wohnung.
  • Sichern Sie Ihre Wohnungstür mit einem Türriegel. So können Sie mit Fremden sprechen, ein Glas Wasser oder einen Stift reichen und Abstand wahren. 
  • Bevor Sie einen Handwerker in die Wohnung lassen, rufen Sie bei der Hausverwaltung an und fragen Sie nach, ob jemand beauftragt worden ist. 
  • Lassen Sie sich durch angebliche Notfälle nicht unter Druck setzen, sondern fragen Sie beim Hausmeister oder bei den Stadtwerken an. Die Nummer sollten Sie selbst zur Hand haben. 
  • Händigen Sie fremden Personen niemals Geld oder Wertsachen aus und erzählen Sie niemandem, wo Sie Wertgegenstände aufbewahren.

Immer noch erfolgreich: Der Enkeltrick

"Rate mal, wer am Telefon ist?", diese Frage sollte Sie skeptisch machen. Beim sogenannten "Enkeltrick" gibt sich eine fremde Person am Telefon als Verwandter aus. "Die Täter gehen dabei psychologisch und rhetorisch äußerst geschickt vor", erklärt Kriminalexperte Helfrich. Es wird eine rührselige Geschichte erzählt. In seiner Notlage bittet der Anrufer um Geld. Willigt das Opfer ein zu zahlen, schicken die Betrüger einen Boten oder geben genaue Anweisungen für eine Onlineüberweisung.

"Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit älterer Menschen wird von Betrügern gezielt ausgenutzt", sagt der Experte der Münchner Kriminalpolizei. Die Scham ist groß, wenn man merkt, dass man einem Trickbetrüger auf den Leim gegangen ist. "Trickbetrüger sind Profis der organisierten Kriminalität", sagt Helfrich, "sie haben für jeden eine passende Geschichte. Opfer müssen sich nicht schämen, sondern sollten die Tat der Polizei melden."

So schützen Sie sich vor Betrug am Telefon:

  • Bei der Suche nach möglichen Opfern orientieren sich die Täter an alt klingenden Vornamen im Telefonbuch. Deshalb sollte man seinen Vornamen im Telefonbuch nur mit einem Buchstaben abgekürzt eintragen lassen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf merkwürdig vor, legen Sie sofort auf und lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln. 
  • Geben Sie am Telefon keine persönlichen Daten wie Kontonummern oder Kreditkartennummern weiter.
  • Melden Sie einen betrügerischen Anruf bei der Polizei, das unterstützt die Ermittlungen.  
  • Rufen Sie bei unbekannten Rufnummern nicht zurück. Über gebührenpflichtige Sondernummern kann ein Rückruf teuer werden.
  • Wenn Sie Verwandten finanziell helfen möchten, sollten Sie das Geld persönlich übergeben. Händigen Sie Bargeld oder Wertgegenstände nie fremden Personen aus.
  • Um die Glaubwürdigkeit z. B. des "falschen Polizisten" zu erhöhen, arbeiten Betrüger mit getarnten Rufnummern, die auf dem Display erscheinen. Dabei ist die Notrufnummer 110 z. B. mit einer Vorwahl wie 089 oder 069 verbunden. Diese Nummern sind gefälscht, die Polizei hat diese Nummer nicht als Displaynummer. Die 110 ist eine Notrufnummer, von der aus niemals angerufen wird.
  • Wenn Ihnen ein "Polizei-Anruf" seltsam vorkommt, rufen Sie unter 110 den Notruf an. Schildern Sie den Anruf und erkundigen Sie sich, ob es einen aktuellen Polizeieinsatz gibt. In der Zentrale sind alle Einsätze vermerkt.

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