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Alleine verreisen

15 Tipps für Singles: Warum Alleinreisende ihr Selbstvertrauen stärken, wie man Gleichgesinnte findet und warum Gruppenreisen prinzipiell eine gute Idee sind

von Petra Haas, aktualisiert am 05.11.2020

1. Positive Seite sehen
In Rente gehen, die Enkel sind groß. Eine neue Lebensphase beginnt, doch niemand hat Zeit, mitzureisen? "Sehen Sie erst mal die positiven Seiten am Alleineverreisen", ermuntert Ursula Zeh, Psychologin bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Nürnberg. "Endlich haben Sie die Freiheit, Ihren Interessen und Wünschen nachzugehen."

2. Wünsche aufschreiben
Der Berliner Psychologe Petros Stathakos rät: "Machen Sie sich eine Liste mit Reisezielen. Ordnen Sie sie nach der Umsetzbarkeit, nahe Ziele zuerst." Etwa: in den nächsten Kurort, danach mit dem Schiff
 die Donau entlang. Das schriftliche Festhalten steigert die Wahrscheinlichkeit, Pläne umzusetzen.

3. Reisepartner finden
Sie wünschen sich einen Reisegefährten? Wer auf einem Portal wie www.reisepartner-­gesucht.de das Alter 60 bis 
80 eingibt, erhält für alle denk­baren Urlaubsformen Such­anfragen. Aktive, die einen Rad- oder Yogaurlaub planen, finden in entsprechenden Magazinen Inserate. Zum Knüpfen von Kontakten gibt es auch im Umfeld Gelegenheiten – beim Kaffee mit Freunden, Plaudern am Gartenzaun. Gleiche Interessen sind wichtig, aber: "Reisepartner bilden oft eine Zweckgemeinschaft. Man verlässt sich aufeinander, doch man muss nicht dick befreundet sein", stellt Stathakos klar.

Wegfahren in Corona-Zeiten, ob Deutschland, EU oder weiter weg: Bevor Sie planen, erkundigen Sie sich, welche Ziele möglich sind. Bedingungen können sich jederzeit verändern. Wer innerhalb Deutschlands wegfahren möchte, dem hilft unser Reise-Check. Er zeigt Ihnen schnell und einfach, ob Ihre Reise möglich ist. Postleitzahl oder Ortsname eingeben – fertig! Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise lesen Sie auch auf der Homepage des Auswärtigen Amts. 

4. Pauschalreisen für 60 plus
Wissen, wo man schläft und isst. Ausflüge spontan dazubuchen. Abschätzbare Kosten. Und vor allem: Ein Ansprechpartner daheim und vor Ort sowie mehr Rechte, wenn aufgrund einer Pandemie Reisen dorthin nicht möglich sind. Pauschalreisende genießen viele Vorteile. Immer mehr Veranstalter schnüren Urlaube für Singles ab 60 Jahren. Wie wäre es etwa mit einem Italienischkurs in Südtirol? Nachmittags gehtʼs mit anderen Senioren zum Kochkurs oder Wandern. Erkundigen Sie sich im Reisebüro.

Gut versichert? Vor allem bei teuren, lange im Voraus gebuchten Reisen ist eine Reiserücktritts- und Reise­abbruchpolice sinnvoll. Ein Muss ist eine private Auslandsreisekrankenversicherung bei sämt­lichen Urlauben außerhalb Deutschlands und stets auf einer Kreuzfahrt.

5. Hobby pflegen
Ob Vögel auf Helgoland beobachten oder wandern entlang des Lechs: Gruppenreisen sind vielfältig. "Dass Alleinreisende über 60 sich häufig für eine Gruppenreise entscheiden, hat aber noch andere Gründe", sagt Bente Grimm von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Im Alter rücken Gedanken in den Vordergrund wie: Schaffe ich das noch? Wer hilft mir, wenn es mir nicht gut geht? Bei einer Gruppentour kann man sich entspannt zurücklehnen, alles ist organisiert. "Der Austausch mit Gleichgesinnten ist sehr wichtig, da wird der Urlaub oft zur Nebensache", sagt der Reiseveranstalter Holger Kähler von videlis Seniorenreisen e. V. Der eine weiß, wo es das leckerste Gebäck gibt, ein weiterer findet stets den kürzesten Weg. "Jeder bringt seine Stärke ein, so entsteht eine tolle Dynamik und enger Zusammenhalt in der Gruppe."

Solange die Corona-Pandemie anhält, bergen Gruppenreisen ein gewisses Risiko, sich anzustecken. Jetzt zum Wandern mit einer Kleingruppe, oder doch lieber noch abwarten? Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt darüber.

6. An Handicaps denken
Mit dem Rollstuhl eine Flusskreuzfahrt auf der Donau unternehmen? Das geht! Manche Veranstalter haben sich auf Handicaps spezialisiert. Sie achten etwa bei Unterkünften auf Aufzüge, barrierefreie Badezimmer, eine gute Ausleuchtung. Manche bieten eine Haustürabholung, so muss man keinen Koffer schleppen. Anbieter online nennt etwa www.myhandicap.de

7. Katzentisch meiden
Wer sich beim Essen allein unbehaglich fühlt, lässt sich einen Tisch zuweisen, an dem man mit dem Rücken zur Wand sitzt und den Raum gut überblickt. Aufmerksame Servicekräfte fragen des Öfteren nach, ob alles passt oder was man erlebt hat. Manche erzählen auch bereitwillig von sich. Als Gast im Ausland erfährt man so viel über andere Kulturen! Wenn Sie die Wahl haben: lieber Büfett als Menü buchen. Die Atmosphäre ist lockerer, man steht oft auf und hat so die Gelegenheit, andere Gäste kennenzulernen.

8. Nach Single-Tarifen fragen
Bucht man eine Reise zu zweit im Doppelzimmer, kommt das meist günstiger als das Einzelzimmer. In eher kleinen Unterkünften gibtʼs aber noch Einzelzimmer ohne Aufpreis, moderate Anbieter berechnen 10 Euro extra pro Nacht. Auf Gruppenreisen kann man ein halbes Doppelzimmer buchen, das man sich mit einem Mitreisenden gleichen Geschlechts teilt. Veranstalter kennen Konditionen für Singles, mit denen sich sparen lässt. Nur bei der Auswahl von Reiseziel und Hotel muss man etwas flexibler sein.

Checkliste 
Reiseapotheke

  • Persönliche Arzneien in
 ausreichender Menge
  • Desinfektionsmittel für unterwegs, Gesichtsmasken
  • Sonnenschutz
  • Repellents gegen Mücken
  • Mittel gegen Juckreiz
  • Verbandmaterial
  • Desinfektionsspray
  • Fieberthermometer
  • Mittel gegen Erkältung, 
Fieber und Schmerzen
  • Mittel gegen Durchfall und Magenverstimmung
  • Mittel gegen Reisekrankheit

Der Apotheker hilft beim Zusammenstellen

9. Nahe Ziele testen
Ob Besuchsreise zur Schulfreundin nach Berlin oder Wellness-Aufenthalt im nahen Kurort. Wer sich ans Alleineverreisen erst herantasten will, beginnt mit einem Ziel vor der Haustür. Ist es spannend, alleine im Zug zu sitzen, 
den Tag selbst zu gestalten? Eine gute Gelegenheit, sich 
besser einzuschätzen. Wer sich wohlfühlt, hat auch später auf Fernreisen, wenn diese wieder möglich sind, meist kein Pro­blem damit.

10. Sich Mut machen
Im Sommer gehtʼs das erste Mal alleine in den Urlaub nach Schottland. Große Schritte erfordern manchmal viele kleinere. Der Psychologe Petros Stathakos rät: "Nehmen Sie sich ab sofort jede Woche eine Premiere vor." Sie haben noch nie indisches Essen gekostet? Waren niemals zuvor in der Oper? Probieren Sie Neues aus, das gibt Ihnen Mut und Selbstvertrauen für Ihre bevorstehende Reise.

11. Vor Ort ins Gespräch kommen
Ein Kommentar zum Wetter. Das reicht oft schon für einen Gesprächseinstieg. Stellen Sie, wenn möglich, offene Fragen, die Ihr Gegenüber nicht nur mit Ja oder Nein beantworten kann. Erzählen Sie Persönliches über sich, dann kann sich auch der andere ein Bild von Ihnen machen, etwa: "Das ist meine erste Reise allein, ich fühle mich noch unsicher. Wie ist das bei Ihnen, Sie wirken so selbstsicher?", nennt Ursula Zeh ein Beispiel. Seien Sie aktiv und neugierig: Vor Ort gibtʼs Zumba, einen Kanukurs, oder einen Ausflug mit dem E-Bike? Probieren Sie es aus, oft nutzen auch andere Gäste ein solches Angebot erstmalig, und man lernt einander über lustige Missgeschicke kennen.

Zeitig 
vorbereiten

6 bis 8 Wochen vorher:

  • Den Arzt fragen: Sind Impfungen nötig? Was müssen chronisch Kranke wissen?
  • Ausweisdokumente auf 
Gültigkeit prüfen, um Versicherungen kümmern, gibt es Einreiseregeln, müssen z.B. vorab Formulare ausgefüllt werden
  • Post, Pflanzen, Mülltonne: Wer übernimmt das?

Eine Woche vor Abreise:

  • Koffer packen beginnen
  • Um Geldmittel kümmern
  • Reiseapotheke bestücken
  • Ausweiskopien anfertigen, wichtige Telefonnummern notieren (Arzt, Apotheke)

12. Die ersten Tage planen
Die ersten Tage im Urlaub, wenn man allein unterwegs ist, fühlen sich oft komisch an. "Lassen Sie kleine Tiefs ruhig zu", meint Ursula Zeh, die vorab zu einem groben Zeitplan rät: "Schauen Sie sich am ersten Tag im Hotel um. Gibt es eine Tagesbar? Nehmen Sie Platz. Vielleicht ergibt sich ein netter Kontakt." Am Tag darauf gehtʼs etwa in die Therme.

13. Sich informieren
Urlauber sollten sich nicht zur aktuellen Corona-Lage sowie zu Einreiseregeln, sondern auch zu Gepflogenheiten und zu Gefahren ihres Reiselandes informieren. Aktuelle Reisewarnungen findet man auf der Internetseite www.auswaertiges-amt.de. Vor Ort wissen Einheimische gut Bescheid. Eine unbeleuchtete Gasse zum Shop? Der Weg kann tagsüber 
okay, im Dunklen aber gruselig sein! Reiseversicherer wissen: Die Risiken liegen auch im Alltäglichen – Durchfall vom Essen, eine Erkältung durch die Klimaanlage. Reden Sie mit Ihrem Arzt und Apotheker, wie Sie sich schützen können.

14. Mit daheim verbunden
Anfangs ist man mit dem Kopf noch zuhause, hat vielleicht Sehnsucht, Zweifel kommen auf, doch das ändert sich mit neuen Eindrücken! Tauschen Sie sich dennoch regelmäßig mit Ihren Lieben daheim aus. Verabreden Sie sich etwa alle drei Tage zum Telefonieren. Sie erfahren, ob es etwas Neues gibt. Und haben das gute Gefühl, dass im Notfall eine vertraute Person erreichbar ist.

15. Tagebuch führen
Jeden Abend notieren, was man erlebt hat. Das hilft, Begegnungen und Gegebenheiten für sich und andere festzuhalten. "So werden auch eigene Veränderungen sichtbar", weiß Ursula Zeh. Wie habe ich das geschafft, obwohl ich zuerst keinen kannte? So können Sie den Mut, den Stolz, Neues gemeistert zu haben, später im Alltag wieder aufleben lassen. Super fürs Selbstbewusstsein!


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