Neun Schlafmythen unter der Lupe

Schlafen ältere Menschen wirklich weniger? Und ist Alkohol ein guter Schlummertrunk? Wir klären auf

von Elke Schurr, 17.11.2015
Ruhe finden ohne Nebenwirkungen

Ruhige Nacht: Über den Schlaf kursieren viele Gerüchte


1. Acht Stunden Schlaf braucht der Mensch 

Sieben! Das haben amerikanische Forscher als durchschnittlichen Schlafbedarf von Erwachsenen aktuell festgelegt. Fühlen Sie sich schon nach sechs Stunden ausgeruht und fit? Dann haben Sie einfach ein geringeres Schlafbedürfnis. Der Versuch, sein Wohlfühl-Quantum an Schlaf weiter auszureizen, würde ohnehin nicht funktionieren.

 

Senior sitzt im Pyjama auf dem Bett

2. Ältere Menschen schlafen weniger

Für die Nacht mag das zutreffen, aber Mittagsschläfchen gleichen am Tag das Zuwenig wieder aus. Grundsätzlich bleibt der persönliche Schlafbedarf im Alter unverändert. Allerdings ist der Seniorenschlaf unruhiger und hat mehr Wach- und weniger Tiefschlafphasen.

3. Der Schlaf vor Mitternacht ist der gesündeste

Nein. Hauptsache, wir wachen am Morgen erholt auf. Was aber stimmt: Die Qualität des Schlafs ändert sich im Lauf der Nacht. Wenn wir zwischen 22 und 24 Uhr das Nachttischlicht ausknipsen, steigt das Schlafhormon Melatonin, und die Körpertemperatur sinkt – gute Voraussetzungen für festen Schlaf. Wer erst um vier Uhr früh ins Bett geht, ist zwar hundemüde, die Körpertemperatur und das Wachhormon Kortisol beginnen aber schon wieder zu steigen. Das macht den Schlaf störanfälliger und flacher.

4. Wer gut schläft, wacht nachts nicht auf

Es kommt darauf an, ob der Schläfer sich an die Unterbrechungen erinnert. Bis zu 20-mal die Stunde können Schlafforscher sekundenkurze Wachmomente im EEG nachweisen. Diese sind völlig normal, auch wenn wir nichts davon mitkriegen. Sich hingegen wach im Bett zu wälzen, öfter auf die Toilette zu müssen und danach nicht mehr einzuschlafen mindert die Schlafqualität enorm. Wer sich also an keine Unterbrechung erinnert und nachts nie rausmuss, schläft begnadet.

Vollmond über der Stadt

5. Bei Vollmond schläft man schlechter

Wissenschaftler schütteln da den Kopf: Es gibt keinen erklärbaren Zusammenhang. Doch mancher, der mal in einer Vollmondnacht wach lag, war fortan auf "schlaflos" programmiert. Sensible Schläfer sollten besser den Mondkalender ignorieren und in allen Nächten das Schlafzimmer verdunkeln.

6. Alkohol eignet sich gut als Schlummertrunk

Alkohol ist eine Art Betäubungsmittel. Das kann jeder nachvollziehen, der schon mal zu tief ins Glas geblickt hat. Folge: Die Bettschwere lässt einen zwar leichter einschlafen, doch Alkohol stört den gesunden Ablauf der Schlafphasen: Das Durchschlafen klappt nicht, und der Erholungseffekt fehlt.

7. Schäfchen zählen hilft beim Einschlafen

Es geht auch mit Giraffen! Noch schneller wirken beruhigende Szenen wie ein rauschender Wasserfall. Entspannungstechniken und Rituale sind wunderbare Einschlafhilfen und stoppen das Gedankenkarussell. Erlaubt ist, was gefällt – solange es klappt. Wenn nicht, verweisen Schlafmediziner auf ein paar Regeln. Eine wichtige: Nicht zu viel Zeit im Bett verbringen! Schlaf lässt sich nicht erzwingen – vor allem nicht, wenn Sie länger im Bett liegen, als Ihr Körper es verlangt.

8. Sport am Abend fördert den Schlaf

Stimmt, aber zwischen Gymnastikkurs und Bettgang sollten mindestens drei Stunden liegen. Sport kann nämlich dazu führen, dass das schlafnotwendige Hormon Melatonin später ausgeschüttet wird. Um sich von der Anspannung des Tages zu befreien, ist Bewegung dagegen ein heilsames Mittel.

9. Zu wenig Schlaf holt man später nach

Wer mal unter der Woche zu lange aufblieb, kann meist am nächsten Tag oder Wochenende bis in die Puppen aus-, also nachschlafen. Schlafdefizite, die sich über Monate aufgebaut haben, lassen sich jedoch nur schwer abbauen. Spätestens ab der dritten Nacht wacht der Übermüdete trotzdem wieder zum gewohnten Zeitpunkt auf.


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