Warum Beratung in Apotheken wichtig ist

Apotheker sind Arzneimittel-Fachleute. Sie erklären, wie man Medikamente anwendet, weisen auf Nebenwirkungen hin und setzen sich auch mal gegen die Krankenkasse durch
von Raphaela Birkelbach, 09.11.2015

Apotheker sind nicht nur Verkäufer von Arzneien, sondern auch Berater.

W&B/Henglein & Steets

Diabetes, Schlaganfall, Oberschenkelhalsbruch und fast blind. "Mein Mann war schwer krank." Käte von G. aus Wiesbaden sitzt neben Apothekerin Ursula Funke und wirft ihr einen Blick zu, der schwere Zeiten ahnen lässt. "Ich konnte Frau Funke Tag und Nacht anrufen und ihr von meinen Nöten erzählen ", erzählt die 74-Jährige.

Es ist zu spüren: Zwischen der Apothekerin und der Witwe herrscht tiefe Verbundenheit, die sich über die Jahre aufgebaut hat. "Vertrauen ist eine gute Basis bei der Beratung von Kunden", findet Apothekerin Funke, die ihren Kunden manchmal Trost spendet, ihnen Mut zuspricht oder einfach auch nur zuhört, wenn zu viele Sorgen drücken.  

Expertenrat um die Ecke

Für viele Menschen ist der Apotheker wichtiger Lotse im Alltag. Dort sind keine langen Wartezeiten wie beim Arzt zu befürchten. Praktisch auch, wenn sich das rote A gleich um die nächste Ecke findet. Besonders die ältere Generation nutzt das niedrigschwellige Angebot: Mehr als jeder zweite über 60-Jährige geht mindestens einmal im Monat in die Apotheke, jeder siebte Senior tut das sogar mindestens einmal pro Woche.

Doch es geht bei dem Gespräch mit dem Pharmazeuten um mehr als nur Vertrauen. "Ich bin Arzneimittelexpertin. Dieses Wissen soll den Kunden nutzen", betont die hessische Apothekerin. Ihr Know-how ist unterschiedlich gefragt. Mal sind Kunden bereits gut informiert, wenn sie ein Rezept einlösen. Andere brauchen mehr Auskunft. Wie wirkt das Blutdruckmittel? Welche Risiken hat es? Passt es zum anderen Tablettenmix? "Gerade Ältere nehmen oft viele Medikamente ein. Ich als Apothekerin habe den besten Überblick darüber", sagt Ursula Funke.

Sichere Arzneitherapie

Die Beratung des Pharmazeuten ist passgenau auf den Kunden zugeschnitten. Ein Beispiel: Die Krankenkasse tauscht ein Asthmaspray aus Kosten­gründen gegen ein wirkstoffgleiches, aber preiswerteres Präparat aus. "Aber nicht jeder Patient kommt mit dem Wechsel zurecht", weiß Dr. Peter Aurnhammer aus Ismaning bei München. Was dann? "In begründeten Fällen lehne ich aus pharmazeutischen Bedenken einen Medikamententausch ab und vermerke das auf dem Rezept."

Individuellen Service bieten die Arzneimittelexperten auch bei der Handhabung von Medikamenten. Ob Tabletten teilen, Kortisonspray anwenden oder Tropfen zählen, "damit tun sich ältere Menschen oft schwer", beobachtet Aurnhammer.­ "Wir zeigen den Kunden Schritt für Schritt, wie es richtig geht."

Auch jenseits von Arzneimitteln bieten die fachkundigen Experten ihr Wissen an. Ob Reiseimpfung, Diätplanung oder Raucherentwöhnung: Viele Apotheker haben sich in Weiterbildungen auf solche Gesundheitsthemen spezialisiert, geben Tipps als Ernährungsberater, sind vernetzt mit Selbsthilfegruppen oder helfen Angehörigen beim Umgang mit Hilfsmitteln (Homecare-Apotheken).

Laut einer repräsentativen Studie sehen 65 Prozent der Kunden den Apotheker als wichtigen Berater in Gesundheitsfragen. Es müssten 100 Prozent sein, findet Apotheker Dr. Jochen Pfeifer, der zu dem Thema "Kundenbetreuung" wissenschaftliche Artikel veröffentlicht. "Manche halten Apotheker für einen logistischen Verwalter, der nur Medikamente aus der Schublade holt", bedauert der engagierte Pharmazeut. Um das Image aufzupolieren, sieht er seine Kollegen in der Pflicht. "Nicht alle Apotheker arbeiten gleich gut. Sie müssen von sich aus ihr Können mehr unter Beweis stellen. "

Mut zur Kritik

Doch auch der Kunde ist gefordert. "Er sollte so lange fragen, bis er alles verstanden hat. Wer sich nicht ernst genommen fühlt, sollte die Apotheke wechseln", rät Pfeifer. Gerade Senioren fällt es schwer, Kritik zu üben, bedauert der Experte aus Velbert. "Dabei geht es um nichts Geringeres als die eigene Gesundheit!" Deswegen ruhig meckern, fordert Pfeifer. "In gravierenden Fällen sollte sich der Kunde an die Apothekerkammer wenden."

Barbara H. aus Ismaning hat die Beratung schätzen gelernt. Der Arzt hatte ihr ein Haarwuchsmittel verordnet. "Erst der Apotheker hat mich darauf hingewiesen, dass dann auch die Körperbehaarung zunimmt – und das wollte ich nicht. Für diesen Hinweis bin ich ihm heute noch dankbar."

Was Sie bei Ihrem Apotheker erfragen sollten (Beispiele):

  • Mir ist immer schwindelig. Liegt das an den Blutdrucktabletten?
  • Wie kann ich meine Tabletten­ teilen?
  • Welche Größe brauche ich für meine Kompressionsstrümpfe?  
  • Wo gibt es für mich als Diabetiker Selbsthilfegruppen in der Nähe?
  • Wie lange muss ich das Antibiotikum einnehmen?
  • Können Sie meine Arzneimittel auch zu mir nach Hause bringen?
  • Ich reise nach Südafrika. Welche Reiseimpfung brauche ich dafür?
  • Warum hilft meine Herztablette verzögert?
  • Beraten Sie auch zum Thema Pflegehilfsmittel? 
  • Ich bin chronisch krank und brauche täglich acht Tabletten. Vertragen sich alle miteinander?
  • Meine Haut ist sehr empfindlich. Können Sie eine Spezialcreme mixen?
  • Ich kann schlecht sehen. Wie soll ich da meine Arzneitropfen abzählen?


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