Wie sich Streit ums Erbe vermeiden lässt

Wenn es ums Erbe geht, brechen unter den Hinterbliebenen oft heftige Konflikte auf. Therapeut und Mediator Michael Preußler erklärt, welche Lösungen es gibt
von Silke Becker, aktualisiert am 26.08.2015

Warum reagieren Erben oft so emotional?

In Erbschaftsstreitigkeiten setzen sich meist bestehende familiäre Konflikte fort. Die Verteilung des Erbes macht noch einmal deutlich, welches Kind den Eltern besonders am Herzen lag. Manche Eltern wollen auch ein letztes Mal Macht ausüben, etwa ein Kind bestrafen, weil es ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. Wenn jemand erbittert um jeden Teller kämpft, geht es meistens darum, eine jahrelange tatsächliche oder gefühlte Benachteiligung auszugleichen, nicht ums Geld.

Gibt es dabei typische Gemeinsamkeiten?

Das zentrale Thema bei fast allen Erbkonflikten ist Gerechtigkeit. Für die einen bedeutet Gerechtigkeit, alle Kinder absolut gleich zu behandeln. Für die anderen dagegen, ein Kind, das besonders viel für die Eltern getan hat, beim Erbe zu bevorzugen, beispielsweise wenn es die Mutter gepflegt hat. Wenn diese beiden Vorstellungen aufeinandertreffen, gibt es natürlich Streit.

Dr. Michael Preußler ist Mediator, Paar- und Familientherapeut aus Berlin

W&B/M.Preußler

Spielt auch die Persönlichkeit eine Rolle?

Eigenschaften wie Egoismus, Gier oder Neid verstärken natürlich bestehende Konflikte. Je unabhängiger man als Erwachsener von der Anerkennung und Bestätigung der Eltern ist, desto gelassener kann man meist mit dem Thema umgehen. Heutzutage ist ja kaum jemand existenziell auf ein Erbe angewiesen. Das war früher anders, wenn enterbte Kinder beispielsweise den Hof nicht bekommen haben.

Wie lässt sich das Problem lösen?

Meist hilft es, darüber zu reden. Ob das möglich ist, hängt aber auch von den Persönlichkeiten ab. Der eine stürzt sich in Aktivität, geht gleich zum Anwalt, der andere reagiert mit Rückzug, verweigert jedes Gespräch. Insgesamt fällt die Kommunikation heute aber oft leichter als noch vor 20 Jahren.

Und wenn kein Gespräch möglich ist?

Wenn die Situation absolut verfahren ist, sollte man sich professionelle Hilfe holen, zum Beispiel einen Mediator. Nicht immer, aber häufig findet man so doch noch einen akzeptablen Kompromiss. Das ist oft schneller und billiger als ein Gerichtsverfahren. Vor allem aber kann man selbst gestalten. Vor Gericht dagegen entscheidet der Richter. Dann hat man am Ende zwar ein Urteil, aber die Familie ist meist endgültig zerstritten.                      


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