Gemeinsam aktiv: Sport in der Gruppe

Ob nach einem Herzinfarkt oder bei Rheuma – Sport zusammen mit anderen Patienten hat viele Vorteile.

von Petra Haas, 14.11.2018
Yogakurs

Warum gibt es Gruppen für chronisch Kranke?

Weil Senioren mit Lungenproblemen, Herzerkrankungen oder Rheuma Bewegung unter professioneller Anleitung guttut. Doch Betroffene haben, abhängig von Beschwerden und Einschränkungen, spezielle Bedürfnisse.

Eine Lungen­erkrankung wie COPD geht häufig mit Muskelschwäche einher. In solchen Gruppen liegt der Fokus auf behutsamem Krafttraining. Frauen nach einer Krebs-OP profitieren von Übungen, die helfen, die Körperwahrnehmung zu verbessern. Wie hoch sind Puls und Blutdruck? Diese Werte sind in Herzgruppen wichtig.

Spielt die Krankheits­bewältigung eine Rolle?

Ja, in Osteoporosegruppen erfahren Teilnehmer, welche Lebensmittel eine kalziumreiche Ernährung gewährleisten. Patienten mit Lungenproblemen lernen wohltuende Atemtechniken kennen. Qigong ermöglicht es Krebspatienten, wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper zu fassen.

Für welche Krankheiten existieren Gruppen?

Bundesweit gibt es Sportgruppen für Herzerkrankungen, Gefäßleiden wie paVK, Lun­gen­erkrankungen wie COPD oder Asthma, für Rheuma, Diabetes, Osteoporose, ­Arthrose, bei Krebs sowie bei Adipositas oder Demenz.

Wann ist Sport grundsätzlich erlaubt?

Das entscheidet im Einzelfall der Arzt. Wurde zum Beispiel ein Herzinfarkt rasch erkannt und behandelt, dürfen die Betroffenen normalerweise ­bereits eine Woche danach beginnen, unter Anleitung zu trainieren. Bei Krebs verordnen Ärzte Bewegung manchmal vor, nach und sogar während einer Therapie.

Welche Vorteile haben Gruppen noch?

Ob über Sorgen oder ihre Beschwerden: Besonders schätzen viele Teilnehmer
den Austausch unter Gleichgesinnten. Der regelmäßige Termin in einer festen, überschaubaren Gruppe dient auch als Ansporn, dabei­zubleiben. Die Übungsleiter sind zudem sehr gut über die ­Bedürfnisse der Teilnehmer informiert – und erkennen frühzeitig, wenn etwa jemand bei einer Übung eine leichtere Alternative benötigt.

Walken oder Aquagymnastik, was ist besser?

Die Inhalte der Sportstunde sind in der Regel sehr genau auf das Krankheitsbild ab­gestimmt. Bei vielen rheumatischen Leiden oder bei ­­Übergewicht ist das Bewegen im Wasser ein Segen. Anders bei Osteoporose – brüchige Knochen brauchen einen ­starken Reiz, um an Festigkeit zu gewinnen.

Sanftes Hüpfen bei der Gymnastik ist günstig, Aquagymnastik dagegen bringt wegen der Schwere­losigkeit wenig. Untrainierte Herzpatienten fühlen sich meist beim moderaten Walken wohl. Chronisch Kranke, die lieber in eigener Regie aktiv sind, etwa einen neuen Yogakurs ausprobieren wollen, sollten daher den Arzt fragen.

Ist ein Arzt dabei?

Herzgruppen werden stets von einem Arzt und Übungsleiter betreut. Puls, Blutdruck, subjektives Befinden, all das wird dokumentiert. Bei manchen Anbietern beginnt das Programm mit einem ausführlichen Sport-Check. Der Doktor steht den Teilnehmern zudem für sämtliche Fragen zu Medikation, Beschwerden oder Therapien zur Verfügung. Gruppen für alle anderen Erkrankungen wie Rheuma, COPD oder Osteoporose ­werden von speziell für die Erkrankung weitergebildeten Übungsleitern gestaltet.

Wer bezahlt das?

Ältere sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob Bewegung auf Rezept verordnet werden kann. Wer eine Reha macht, kann sich bei den Ärzten vor Ort erkundigen. Eine ­Verordnung gilt für mehrere Monate und ein bis drei Stunden Sport pro Woche. Ein Anspruch besteht in jedem Fall nach einem Infarkt und bei Krebs. Gesetzlich Ver­sicherte können bei ihrer ­Kasse zudem einen Antrag auf ­Kostenübernahme oder ­Be­zuschussung stellen. Dafür zeitig vor Kursbeginn die Krankenkasse kontaktieren.

Wo finde ich eine passende Gruppe?

Immer mehr Kliniken, Arzt- und Physiotherapiepraxen, Sportvereine, Gesundheits­studios und Volkshochschulen bieten Sportgruppen für ­­chronisch Kranke an. Ärzte, Physiotherapeuten und Apotheker sind gut vernetzt – und können entsprechende Adressen nennen.

Adressen im Internet:


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