{{suggest}}


So bleiben Sie in Bewegung – auch in der Corona-Zeit

Auch aus Angst vor Ansteckung bleibt Sport bei vielen Älteren derzeit auf der Strecke. Wir stellen Möglichkeiten vor, aktiv zu sein.

von Raphaela Birkelbach, 27.08.2020

Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus bleiben viele Senioren derzeit lieber zu Hause. Der Pilates-Kurs im Turnverein findet teilweise nur eingeschränkt statt, den Einkauf besorgt der Enkel und der Spaziergang zum Café, wo eigentlich das wöchentliche Kaffeekränzchen stattfindet, entfällt ebenso ...

Ute Blessing: Stimmt, gerade ältere Menschen fürchten sich verständlicherweise vor der Ansteckung, sie gehören zur Risikogruppe. Es ist richtig, dass sie sich davor schützen wollen. Es gibt dennoch viele Möglichkeiten, in Bewegung zu bleiben.

Ute Blessing ist Expertin für Seniorensport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Können Sie Beispiele nennen?

Bewegung lässt sich prima zuhause in den Alltag einbauen, mit den verschiedensten Übungen. Sehr effektiv ist beispielsweise das Gehen auf der Stelle, am besten bei geöffnetem Fenster und dabei tief ein- und ausatmen. Kniebeugen und Dehnübungen sind möglich. Oder einfach beim Aufstehen aus dem Sessel sich bewusst mit den Armen von der Lehne hochdrücken. Beim Müll entsorgen stets die Treppe zu nehmen statt den Aufzug trainiert ebenso die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System.

Es spricht auch alles dafür, weiter wie bislang spazieren zu gehen – selbst wenn es nur eine kleine Runde ist. Vorausgesetzt, derzeit gültige Hygieneregeln werden eingehalten. Jede Bewegung zählt.

Aber diese Bewegung kann die vom Profi angeleitete Sportgruppe nicht ersetzen.

Unter dem geschulten Augen einer Übungsleiterin zu trainieren ist immer sinnvoll. Sie weiß, wie sich bestimmte Muskelgruppen gezielt stärken lassen und was im fortgeschrittenen Alter ratsam ist. Sportvereine bieten teilweise wieder Kurse unter Corona-Bedingungen an. Es lohnt sich, bei Vereinen oder in der Gemeinde nach entsprechenden Angeboten zu fragen. Oft wird das Training, das sonst in der Halle stattfand, ins Freie verlegt. Gerade für Senioren, die ein Training drinnen besser meiden sollten, ist das ein gutes Angebot. Der Hausarzt kann helfen, das jeweilige Risiko einzuschätzen.

Jeder kann daheim aber auch einfache Gymnastik-Übungen wiederholen, die er bereits im Verein unter Anleitung einstudiert hat. Möglich ist es, im Wald oder Park einen bestehenden Fitness-Parcous auszuprobieren. Es gibt bundesweit viele Trainingspfade, wo jeder gezielt Kraft, Koordination und Ausdauer trainieren kann. Auch hier kann sich jeder bei der Gemeinde oder beim örtlichen Sportverein erkundigen, wo sich ein solches Angebot in der näheren Umgebung befindet. Und nicht zuletzt gibt es im Internet viele professionelle Anleitungen für Übungen, die jeder daheim in seinen vier Wänden machen kann.

Was raten Sie mir, wenn ich mich mit dem Internet schwer tue?

Hier können Kinder, Enkel oder Nachbarn behilflich sein. Sie können zum Beispiel eine Fitness-App mit einfachen Trainingsanleitungen aufs Tablet oder Handy laden oder Übungen ausdrucken. Sie können ein Video oder eine DVD besorgen. Oder noch besser: Sie nehmen sich die Zeit und machen gemeinsam mit dem Betreffenden die Übungen - selbstverständlich mit dem notwendigen Abstand. Das macht noch mehr Spaß, weil der wichtige soziale Faktor hinzukommt. Vielleicht kann der Enkel auch die Großeltern anrufen und sie daran erinnern, die tägliche Viertelstunden-Gymnastik zu machen. Manche Fernsehsender bieten Tele-Gymnastik an, die jeder vor dem Bildschirm leicht mitturnen kann. Gute Anleitungen fürs Training bieten zudem Broschüren von Krankenkassen, Sportvereinen oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Wie oft sollte ich als Senior trainieren?

Viele Bewegungsabläufe lassen sich wie gesagt leicht in den Alltag integrieren. Die Alltagsbewegung findet dann täglich statt. Das Pensum an gezielten Gymnastik-Übungen, Walkingrunden oder Trainingseinheiten auf dem Fitness-Parcours muss jeder je nach Fitness für sich selbst austesten. Bereits eine tägliche Viertelstunde körperliche Aktivität ist schon gut. Wer Beschwerden hat oder chronisch krank ist, sollte das Pensum immer vorher mit seinem Arzt absprechen.

Wichtig ist, dass ein Trainingseffekt entsteht. Der Betreffende sollte versuchen, immer besser zu werden. Also beispielsweise eine Übung sechs Mal absolvieren – statt wie in der Woche zuvor nur fünf Mal. Die gute Nachricht dabei: Wer anfängt, sich wieder mehr zu bewegen, spürt rasch an Leib und Seele, wie gut ihm das tut. Auf einmal kommt man die Treppe wieder ohne zu schnaufen hoch. Schmerzen in den Gelenken lassen nach. Es kostet nicht mehr so viel Kraft, den Wäschekorb zu heben. Oder es fällt deutlich leichter, sich zu bücken. Diese Erfahrungen helfen, auf Dauer bei der Stange zu bleiben, denn wer rastet, der rostet. Hauptsache, man fängt an. Corona ist da keine Ausrede.


Newsletter abonnieren

Newsletter Senioren Ratgeber

Senioren Ratgeber - Newsletter