Das A und O bei trockener Haut

Reife Haut wird leicht trocken, schuppig oder juckt. Wie gute Pflege sie wieder ins Lot bringt
von Elke Schurr, aktualisiert am 14.10.2016

Wenn reife Haut spannt oder juckt, ist Eincremen die beste Hilfe

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"Kein Mensch braucht Duschgels, außer vielleicht Bauarbeiter", sagt die Apothekerin Ina Schulze-Sfeliniotis. "Wirklich schmutzig ist doch niemand mehr." Die Filialleiterin einer Münchener Apotheke, die sich speziell dem Wohl und Wehe unserer empfindlichen Schutzhülle widmet, würde am liebsten alle Seifen dieser Welt verbannen. Sind sie doch einer der Gründe, weshalb die ohnehin trockene Haut im Alter immer mehr Probleme zeigt. Doch nicht nur den Waschgewohnheiten ihrer Kunden gilt ihr Interesse. Die Liste der Übeltäter ist länger, weiß die Hautexpertin aus langjähriger Erfahrung: "Sonnenbäder, zu geringe Trinkmengen, überheizte Räume und vor allem ungeeignete Cremes."

Wer der Zwei-Quadratmeter-Schale zu oft das Falsche zumutet und ihr vom Richtigen zu wenig gönnt, landet schon mal verzweifelt kratzend beim Hautarzt. "Mit dem richtigen Waschverhalten und der richtigen Pflege bekommen Sie das aber wieder in den Griff", versichert Professor Markus Braun-Falco, Hautarzt in München. Man müsse der Haut nur all das wieder zurückgeben, was sie selbst nicht mehr kann oder nicht mehr von allein herstellt. Klingt ziemlich einfach. Ist es aber nicht.

Zu viel Duschen schadet der Haut

So mancher Pflegeversuch scheitert bereits an der simplen Gewohnheit, täglich zu duschen oder viel zu baden. Gerade wer zu trockener Haut neigt, sollte das besser lassen. "Der Mensch ist nicht fürs Duschen gemacht", stellt Hautarzt Dr. Attila Antal aus Mühldorf klar. Wasser wirke wie ein Lösungsmittel, das die Hornschicht aufweicht und bestehende Defekte nur noch vergrößert. Ist das Wasser heiß, verschlimmert sich das Problem, warnt der Mühldorfer Experte: "Da können Sie zuschauen: wie bei einer heißen Suppe, in der sich die Fettaugen auflösen."

Wer sich dann noch regelmäßig einseift, kann sich bald die trockenen Schuppen von der Haut kratzen. Experten raten deshalb, wenn schon täglich, dann nur die Faltenregionen des Körpers, also Achseln, Intimbereich, Knie und Füße mit seifenfreien und rückfettenden Produkten zu reinigen. "Selbst Öl- und Salzbäder oder Duschöle ersetzen nicht das Eincremen danach", betont Antal, "sie begrenzen nur den Schaden durch das Wasser!"

Cremen, cremen, cremen

"Schmieren, schmieren, schmieren", lautet der Rat aller Hautärzte. Und zwar umso mehr, je älter wir werden. Denn mit den Jahren muss unsere Schutzhülle fortwährend größere Verluste verkraften. Sowohl die Ober- als auch die Lederhaut, in der Nährstoffe liefernde Blutgefäße verlaufen, nehmen an Dicke ab. Ihre Zellen sind weniger aktiv als in der Jugend – mit der Konsequenz, dass die Haut sich nur noch schwer regeneriert.

Dass die ältere Haut stärker zur Austrocknung neigt, liegt an den Talgdrüsen. "Deren Arbeit lässt allmählich nach", erklärt Braun-Falco. "Die hauteigene Rückfettung klappt nicht mehr." Die Hornschicht, die normalerweise wie ein Schutzschild die Haut versiegelt und Feuchtigkeit speichert, wird brüchig und durchlässig. Wichtigste Gegenmaßnahme deshalb: Fett, aber auch Feuchtigkeit nachliefern.

Auf die Inhaltsstoffe kommt es an

Bei der Pflege passieren jedoch leicht die nächsten Fehler: Der Griff zum falschen Tiegel verschlimmert die trockenen Zonen und den Juckreiz oft noch. "Viele glauben, es reiche, einfach Fett auf die Haut aufzutragen, und besorgen sich Melkfett", berichtet der Münchener Hautarzt aus seiner Praxis. Ein fataler Irrtum: Die Haut ist danach wie zugekleistert, atmet kaum mehr. Außerdem fehlt ihr immer noch die notwendige Feuchtigkeit. "Das A und O bei trockener Haut sind deshalb Stoffe wie Harnstoff oder Glyzerin, die Feuchtigkeit in den oberen Hautschichten binden."

Diese Inhaltsstoffe helfen bei trockener Haut

Welche Grundlage, welche weiteren Zutaten, ob Lotion oder Salbe infrage kommen, weiß Ihr Apotheker oder Ihr Hautarzt. Für Laien ist der Markt inzwischen unübersichtlich geworden, die Begriffe verwirren: Rückfettende oder hydratisierende Gelcremes? Wasser in Öl? Öl in Wasser? "Zusammen mit dem Patienten tasten wir uns langsam an das richtige Produkt heran", sagt Schulze-Sfeliniotis. "Wir beginnen mit dünnflüssigen Zubereitungen, damit sich gerade auch pflegescheue Männer ans Schmieren gewöhnen. Später kann man zu den reichhaltigeren übergehen." Manchmal klappt das mit Fertigprodukten, manchmal rühren Apotheker individuell das Passende selbst an. Beim Ausprobieren ist aber Geduld gefragt, betont Apotheker-Kollege Dr. Dominic Kram aus Neukirchen: "Vorausgesetzt, Sie vertragen die Rezeptur, können Sie erst nach vier Wochen intensiven Cremens ein Urteil fällen."

Wann zum Arzt?

Falls sich die trockenen Stellen röten, entzünden und sich ein Ekzem bildet, ist ärztlicher Rat gefragt. Denn die Haut braucht dann offenbar mehr: Ob der Dermatologe kurzfristig Kortisonsalben oder andere antientzündliche Wirkstoffe verschreibt, hängt davon ab, wie belastend die Beschwerden für den Patienten sind.

Wenn Pflegemaßnahmen gegen das quälende Jucken nichts ausrichten und es chronisch wird, stecken möglicherweise Dauermedikamente oder Krankheiten dahinter. Dann sollte immer ein Arzt einen solchen Verdacht abklären. Er stellt etwa einen Diabetes gut ein oder verschreibt einen anderen Blutdrucksenker. Das Präparat zu wechseln ist aber nicht immer möglich, gibt Dr. Dominic Kram zu bedenken: "Dann bleibt nur, die Haut noch intensiver zu pflegen." Heißt: Der Rest ist Schmieren.


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