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22 Tipps für mehr Ruhe

Ob dröhnender Fernseher, Trittgeräusche oder Baustelle: Lärm nervt und mindert die Lebensqualität. Was das Wohnen für alle angenehmer macht.

von Petra Haas, 16.06.2019
Mann sitzt auf der Couch

Nachbarschaftslärm zählt für die meisten von uns zu den größten Ärgernissen. Sechs von zehn Bundesbürgern fühlen sich davon belästigt, zeigt eine aktuelle Umfrage des Umweltbundesamts. Übertroffen wird er nur vom Krach vorbeirauschender Autos, Laster oder Züge.

Gerade Ältere bevorzugen daher ruhige Wohngegenden. Dort leiden sie aber häufig unter Lärm innerhalb des Hauses, so der Berliner Mieterverein. Dazu kommt, dass Senioren mit Hördefiziten besonders geräuschempfindlich sind. Wie Nachbarn besser miteinander klarkommen.

1. Ruhezeiten einhalten

In der Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr gilt für Geräusche: Zimmerlautstärke. Lärmintensive Arbeiten wie Hecke trimmen oder Laub blasen sind in Wohngebieten werktags nur zwischen 9 und 13 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr erlaubt.  

2. Nicht alles ist Lärm

Tönt der Fernseher des Nachbarn trotz normaler Laut­stärke in älteren, hellhörigen Häusern ab und zu durch die Wand, müssen dies Mieter meist dulden. Auch bei Geräuschen, die von Kleinkindern ausgehen, gilt weitestgehend: Tolerant sein!

3. Ruhe-Oasen sind rar

In der Stadt ist es laut, auf dem Land ruhig? Nicht unbedingt! Die Gründe für Ärgernisse reichen von Kuhglockengebimmel über neu gebaute Umgehungsstraßen bis hin zu brummenden Wärmepumpen in Neubausiedlungen.

4. Zuständigkeit kennen

Die laute Lüftung einer Bäckerei, Baumaschinen, die bis spätabends auf dem Nachbargrundstück rattern? Für Lärm, der von Gewerbe ausgeht, gibt es unterschiedliche ­Zuständigkeiten. Beraten kann die Gemeinde oder das Amt für Immissionsschutz. Ist ein Nachbar der Verursacher, bleibt im äußersten Fall nur der Weg einer zivilrechtlichen Unterlassungsklage.

5. Oft laut im Altbau

Häuser, die vor den 1950er- Jahren erbaut wurden, haben oft hellhörige Holz­balken- oder Betondecken. Ungeschickt geplante Schächte können bewirken, dass man Gespräche aus dem Nachbarbad ­mitbekommt. Mieter sollten bei Sanierung aber nicht automatisch auf bessere Schalldämmung hoffen. Der Ver­mieter schuldet den Standard, der zum Zeitpunkt des Baus vorgegeben wurde.  

6.Clever renovieren

Bessere Karten haben Eigen­tümer: Für jeden Bodenbelag gibt es schallschluckende Dämmmatten. Dazu muss der Estrich neu und schwimmend, Randdämmstreifen müssen sauber verlegt werden. Stehen Renovierungen an, sollten Maßnahmen frühzeitig bei der Eigentümerversammlung besprochen werden.

7. Mit Bedacht dämmen

Die Fassade des Mehrfamilien­hauses erhält eine neue ­Wärmedämmung? Vorsicht: Manche Bau­stoffe, die gut gegen Kälte schützen, sind schlechte Schalldämmer. Für Wärme- und Schallschutz ­benötigt man mitunter verschiedene Baumaterialien.

8 .Umzug? Nachforschen

Ob eine Wohnung hellhörig ist, kann man ihr schlecht ansehen. Bauträger werben beim Verkauf zudem mit Schallschutz-DIN-Normen. Doch das sind oft nur Mindestanforderungen, warnen Experten. Einen guten Eindruck erhält, wer die Wohnung zu unterschiedlichen Zeiten besucht. Auch ein ­­Gespräch mit Handwerkern, wenn das Haus noch im Bau ist, kann aufschlussreich sein.

9. Möbel clever stellen

Hohe Räume mit glatten Wänden reflektieren den Schall und schlucken kaum Lärm. Unebene Flächen stehen Geräuschen im Weg. Das erreicht man durch Schrankwände, kleinteilige Möbel wie Regale oder dicke Vorhänge.

10. Teppichboden verlegen

Ein hochfloriger Teppich schluckt so viel Schall wie kein anderer Fußbodenbelag. Lärmmindernd wirken auch Filzgleiter für Stuhlbeine und das Tragen von Hausschuhen mit Gummisohle. Zimmer­türen lassen sich dämmen.

11. Nach außen abschotten

Gegen Außenlärm hilft oft das Erneuern alter Fensterdichtungen. Schallschutzfenster mindern den Geräuschpegel noch stärker. Es gibt sie in unterschiedlichen Klassen.

12. Anonymität beenden

Der neue Nachbarsjunge kickt mit dem Ball laut im Garagenhof? Wie wäre es, eine Runde mitzuspielen? Bei Menschen, mit denen man einen freundschaftlichen Kontakt pflegt, nimmt man eine Ruhestörung weniger wahr, wissen Psychologen.

13. Miteinander reden

Ob Geräusche stören, hängt auch davon ab, ob man sie beeinflussen kann. Findet über der eigenen Wohnung eine Feier statt, so kommt man damit besser zurecht, wenn der Nachbar einen vorab aufgefordert hat, ihm mitzuteilen, wenn es zu laut wird.

14. Geschickt beschweren

Wie tut man seinen Ärger kund, ohne gleich als Spießer zu gelten oder in Streit zu geraten? Profis empfehlen, Ich-Botschaften zu verwenden. Etwa so: "Herr Nachbar, Sie mähen in der Mittagszeit ­Ihren Rasen. Ihr Mäher ist ziemlich laut. Ich fühle mich gestört, weil ich gerne den Kaffee auf meiner Terrasse genießen möchte. Haben Sie Lust, eine Tasse mitzutrinken und später weiterzumähen?" Zudem ist es wichtig, Beschwerden nicht auf die lange Bank zu schieben. Andernfalls kann sich Ärger aufstauen, der sich dann bei einer Nichtigkeit umso stärker entlädt.

15. Vermieter einschalten

Helfen Gespräche nicht, können sich Mieter beim Vermieter beschweren und eine Mängelbe­sei­tigung verlangen. Sinnvoll: ein Lärmpro­tokoll führen und von Zeugen bestätigen lassen.

16. Nicht gleich klagen

Bevor zerstrittene Nachbarn vor Gericht landen, raten ­Experten zu einer Mediation. Als neutraler Dritter versucht der Mediator, beide Seiten zu einer Einigung zu bringen.

17. Grundstück umzäunen

Gartenbesitzer, die sich durch ihr Umfeld gestört fühlen, können sich mit Lärmschutz­wänden aus Holz oder Kokosfaser behelfen. Zaunbauer vor Ort beraten dabei; Eigentümer sollten sich vorab beim Bauamt informieren.

18. Alltag anpassen

Ausschlafen: schwierig, wenn der Nachbar jeden Morgen im Badezimmer klappert. Besser den Alltag anpassen: aufstehen, Radio an, anstatt sich grummelnd im Bett zu wälzen.

19. Gehörsinn beruhigen

Wer schlecht hört, verarbeitet Reize anders und reagiert so besonders sensibel auf Geräusche. HNO-Kliniken bieten Desensibilisierungstrainings an. Durch ein Hörgerät, Entspannungstechniken und tragbare Geräte gelingt es oft, Störgeräusche auszublenden.

20.  Zu Stöpseln greifen

Schnarchender Partner? Für kurze Zeit sind Ohrstöpsel ein Segen! Ob Vor-Ohr- oder In-Ohr-Modelle besser sind, weiß der Apotheker.

21. Kopfhörer aufsetzen

Mit einem Kopfhörer können stark hörgeschädigte Per­sonen fernsehen oder Radio hören, ohne Mitbewohner oder Nachbarn zu stören. Bei Baustellenlärm auf dem Nachbargrundstück helfen geräuschhemmende Kopfhörer.

22. Leise Geräte wählen

Nervig, wenn die Spülmaschine laut rattert. Bei Neukauf auf den aufgedruckten Schallleistungspegel achten. Ein besonders leiser Staubsauger erzeugt nur noch 65 Dezibel.

Fachliche Beratung: Anton Glaser, Fliesenlegermeister, München; Susanne Helbach-Grosser, Takt und Stil, Schwäbisch Gmünd; Apotheker Jens Kloppenburg, Goslar; Ulrich Ropertz, Dt. Mieterbund, Berlin; Agnes Schwartzenberger, Schallschutz-Expertin, Pöcking; Dr. Harald Seidler, Präs. Dt. Schwer­hörigenbund, St. Wendel


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