Rente: Was darf ich dazuverdienen?

Viele ältere Menschen arbeiten neben der Rente. Ab 2017 gelten hier einige neue Regeln. Wir klären Sie über Hinzuverdienstgrenzen auf

von Silke Becker, aktualisiert am 21.04.2020

Mit einem Nebenjob die Rente aufbessern – für viele Senioren ist das Alltag. Dafür gibt es viele Gründe, einige machen es aus Spaß an der Arbeit, andere, um nicht einzurosten und manche aus finanziellen Motiven. Immer aber gilt: Das zusätzliche Einkommen wird in bestimmten Fällen angerechnet und führt dann zu einer geringeren Rente.

Ob die Rente gekürzt werden muss, hängt von Ihrer individuellen Lebenssituation ab. Entscheidend ist, ob Sie das gesetzliche Rentenalter bereits erreicht haben. Es steigt bis zum Jahr 2031 stufenweise auf 67 Jahre an. Wir befinden uns mitten in dieser Umstellung, sodass für jeden Jahrgang unterschiedliche Altersgrenzen gelten. Beim Hinzuverdienst gilt diese Altersgrenze auch für Menschen mit einer Schwerbehinderung, obwohl sie aufgrund ihrer Einschränkungen bereits vorher abschlagfrei in Rente gehen dürfen.

Alle, die im Jahr 1953 oder früher geboren wurden, haben ihr gesetzliches Rentenalter im Jahr 2020 bereits erreicht. Für die Jahrgänge ab 1954 gelten folgende Altersgrenzen:

Das gesetzliche Rentenalter:

 

Geburtsjahr:

Gesetzliches Rentenalter:
1954 65 Jahre, 8 Monate
1955 65 Jahre, 9 Monate
1956 65 Jahre, 10 Monate
1957 65 Jahre, 11 Monate
1958 66 Jahre
1959 66 Jahre, 2 Monate
1960 66 Jahre, 4 Monate
1961 66 Jahre, 6 Monate
1962 66 Jahre, 8 Monate
1963 66 Jahre, 10 Monate
1964 und später 67 Jahre

Sie haben Ihr gesetzliches Rentenalter bereits erreicht?

Wenn Sie das für Ihren Jahrgang vorgesehenen Rentenalter erreicht haben, dürfen Sie beliebig viel hinzuverdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird. Auch Menschen mit einer Schwerbehinderung dürfen erst ab diesem Alter unbegrenzt hinzuverdienen.

Wenn Sie mögen, können Sie Ihre Rente durch Ihren Nebenjob sogar noch weiter erhöhen. Seit 2017 dürfen Sie nämlich freiwillig weiter Rentenbeiträge zahlen. Dann werden, wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis auch, sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer Rentenbeiträge abgeführt. Dadurch bekommen Sie immer im Juli des Folgejahres eine höhere Rente.

Sie haben Ihr gesetzliches Rentenalter noch nicht erreicht?

Es ist egal, aus welchen Gründen Sie vorzeitig in Rente gegangen sind: Ihre Rente wird gekürzt, sobald Ihr Gehalt die Hinzuverdienstgrenzen übersteigt. Dies gilt nicht nur bei Erwerbsminderungsrenten sondern auch bei gesunden Rentnern, die mit Abschlägen früher in den Ruhestand gegangen sind sowie bei abschlagfreien Renten nach 45 Berufsjahren.

Die Hinzuverdienstgrenzen gelten bis zu dem Monat, in dem Sie Ihr gesetzliches Rentenalter erreichen. Ab dem darauf folgenden Monat dürfen Sie beliebig viel zusätzlich verdienen, ohne dass dies Auswirkungen auf Ihre Rente hat.

Die Hinzuverdienstgrenzen:

Erhalten Sie nur eine Teilrente wegen Erwerbsminderung oder eine Witwenrente, gelten spezielle Regelungen (siehe unten). Ansonsten gilt: Ein 450-Euro-Minijob geht immer. Grundsätzlich wirkt sich ein Einkommen von bis zu 6300 Euro brutto pro Jahr nämlich überhaupt nicht auf Ihre Rente aus. Dabei ist es egal, ob Sie angestellt, selbständig oder freiberuflich arbeiten. Es spielt auch keine Rolle, wie sich Ihr Einkommen im Laufe des Jahres verteilt. Sie dürfen also beispielsweise im Januar 800 Euro haben, im Februar nur 100 Euro und im März 500 Euro usw., solange Sie im gesamten Jahr insgesamt die 6300-Euro-Grenze nicht überschreiten.

Liegt Ihr Jahreseinkommen über diesen 6300 Euro brutto, wird Ihre Rente gekürzt. Dann dürfen Sie von jedem zusätzlichen Euro 60 Prozent behalten, die restlichen 40 Prozent werden auf die Rente angerechnet. Dazu ein Rechenbeispiel: Sie verdienen in Ihrem Nebenjob 7500 Euro brutto pro Jahr und liegen damit 1200 Euro über der Grenze. Pro Monat sind das 100 Euro. Davon werden 40 Prozent (= 40 Euro) angerechnet und ihre Rente wird folglich um 40 Euro pro Monat gekürzt.

Obergrenzen für Gutverdiener

Wer neben der Rente extrem viel verdient, sollte außerdem noch den sogenannten Hinzuverdienstdeckel kennen. Das ist eine Obergrenze, die verhindern soll, dass jemand durch Rente und Nebenjob besser dasteht als durch Arbeit alleine.

Dabei gilt folgende Regel: Auch nach der oben beschriebenen Anrechnung darf die (gekürzte) Rente zusammen mit dem Hinzuverdienst insgesamt keine größere Summe ergeben, als Ihr höchstes Bruttoeinkommen in den letzten 15 Jahren vor Rentenbeginn. Die genaue Berechnung ist relativ kompliziert. In der Praxis spielt diese Regelung jedoch kaum eine Rolle, da Rentner nur in den allerseltensten Fällen derartig lukrative Nebenjobs haben.

Sie haben das gesetzliche Rentenalter noch nicht erreicht, erhalten aber nur eine Teilrente, weil Sie nur teilweise erwerbsgemindert sind?

Haben Sie die das gesetzliche Rentenalter noch nicht erreicht, und beziehen eine Teilrente wegen teilweiser Erwerbsminderung, gelten individuelle Hinzuverdienstgrenzen, die von Ihrer persönlichen Situation abhängen. Dazu berechnet die Rentenversicherung zunächst Ihren individuellen Mindestbetrag. Diese Summe dürfen Sie auf jeden Fall hinzuverdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird. Der genaue Betrag hängt von Ihrem Einkommen in den letzten 15 Jahren vor Eintritt Ihrer Erwerbsminderung ab. Je mehr Sie früher verdient haben, desto höher fällt auch Ihr individueller Freibetrag aus.

Hatten Sie früher nur ein sehr geringes Einkommen, profitieren Sie von einem gesetzlichen Mindestbetrag. Diesen Betrag dürfen Sie in jedem Fall hinzuverdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird. Er wird jedes Jahr angepasst und beträgt im Jahr 2020 jährlich 15.479,10 Euro.

Liegt Ihr Einkommen über dem Freibetrag, dürfen Sie 60 Prozent des Überschusses behalten und 40 Prozent werden angerechnet. Verdienen Sie beispielsweise 100 Euro mehr, wird Ihre Rente um 40 Euro (= 40 Prozent von 100 Euro) gekürzt.

Diese 60/40-Anrechnung gibt es aber nicht unbegrenzt, sondern nur bis zu einer bestimmten Obergrenze. Einkommen, das über dieser Grenze liegt, wird vollständig auf die Rente angerechnet. Auch dieser Höchstbetrag wird individuell berechnet und orientiert sich an Ihrem Einkommen in den letzten 15 Jahren vor Eintritt Ihrer Erwerbsminderung. In der Praxis wird diese Regelung aber nur sehr selten angewendet, da Menschen mit einer Erwerbsminderung nur in Ausnahmefällen derartig hoch dotierte Nebenjobs haben.

Sie bekommen nach dem Tod Ihres Ehepartners Witwen- bzw. Witwerrente?

Bei der Hinterbliebenenrente gibt es einen festen Freibetrag, der immer dann ansteigt, wenn auch die Renten erhöht werden. Er beträgt aktuell monatlich 872,52 Euro (West) bzw. 841,90 Euro (Ost) und steigt ab Juli 2020 auf 902,62 Euro (West) bzw. 877,27 Euro (Ost) pro Monat.

Liegt Ihr Einkommen oberhalb dieses Freibetrages, wird Ihre Hinterbliebenenrente gekürzt. Dabei dürfen Sie 60 Prozent des Überschussbetrages behalten, und 40 Prozent werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Überschreitet Ihr monatliches Einkommen den Freibetrag beispielsweise um 100 Euro, dürfen Sie davon 60 Prozent behalten und 40 Prozent werden angerechnet, sodass Ihre Hinterbliebenenrente um 40 Euro pro Monat gekürzt wird.

Vorsicht! Bei Hinterbliebenenrenten zählen auch weitere Zahlungen als Einkommen, nicht nur das Gehalt aus einem Nebenjob! Immer mitgezählt wird Ihre eigene gesetzliche Rente. Haben Sie nach 2002 geheiratet oder wurden beide Ehepartner nach dem 1. Januar 1962 geboren, berücksichtigt die Rentenversicherung zusätzlich auch noch andere Einnahmen, beispielsweise eine eventuelle Betriebsrente, eine private Rentenversicherung, Mieteinnahmen und Ähnliches.

Wie die Rentenversicherung Ihr Einkommen genau berechnet, ist ziemlich kompliziert, weil dabei verschiedene Pauschalen abgezogen werden. Deshalb sollten Sie vor Jobantritt bei der Rentenversicherung nachfragen, wie viel Sie hinzuverdienen dürfen, ohne Ihre Hinterbliebenenrente zu gefährden.