So können Sie Vogelfutter selbst herstellen

Ob ein Vogel genügend Futter findet, kann im Winter schnell über Leben und Tod entscheiden. So können Sie den Tieren helfen.

von Orla Finegan, 31.12.2018

Fast gleichzeitig mit den Lebkuchen und Nikoläusen kommt im Herbst auch das Vogelfutter wieder in die Supermarkt-Regale. Meisenknödel für die Bäume vor dem Haus oder Körnermischungen für das Vogelhäuschen im Garten – wer den Tieren im Winter etwas Gutes tun möchte, hat die Wahl. Warum es durchaus Sinn macht, die Vögel zu füttern, erklärt Ornithologe Peter Berthold: "Auf den Feldern ist Tabula rasa. Ein Vogel findet vielleicht mal ein liegengebliebenes Maiskorn, aber mehr auch nicht." Samen und andere Körner würden Vögel mittlerweile vergeblich suchen, die konventionelle Landwirtschaft habe zu viele Wildpflanzen verdrängt.

Da ein Vogel in einer kalten Nacht aber bis zu zehn Prozent seines Körpergewichts verlieren kann, muss er am nächsten Morgen schnell wieder die Reserven auffüllen. Weiß er, wo er zuverlässig immer wieder Körner- oder Fettfutter findet, steigen seine Überlebenschancen, erklärt der erfahrene Vogelkundler.

Peter Berthold war von 1991 bis Januar 2005 Leiter der Vogelwarte Radolfzell, einer Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen. Der Vogel-Experte hat mehrere Bücher zum Thema Vögel und Vögelfütterung verfasst.

Und genau deswegen lohne es sich auch, nicht erst zu füttern, wenn Schnee liegt oder die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt gesunken sind. Wer also rechtzeitig anfängt zu füttern, gewöhnt die Tiere an den Futterplatz. Auch aus einem anderen Grund plädiert Vogelexperte Berthold sogar für eine ganzjährige Fütterung: Die Vögel haben während der Brutzeit einen sehr hohen Energiebedarf, da sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Futter für den Nachwuchs beschaffen müssen. Können sie selbst an einem Futterplatz zuverlässig Energie in Form von Körnern tanken, kommen auch mehr Jungvögel in den Sommer.

Berthold rät daher, das ganze Jahr über Fettfutter anzubieten – zum Beispiel in Form von Meisenknödeln. "Viele Vögel wissen aber gar nicht, wie man sich da dran hängt", bemerkt Berthold. "Deswegen empfehlen wir auch Streufutter mit Getreideflocken und Körnermischfutter aus Sonnenblumenkernen, Hanfsamen oder Mohnsamen. Die kleinen Singvögel wie die Heckenbraunelle essen am liebsten feine Samen oder weiche Flocken, Vögel mit dickeren Schnäbeln, wie zum Beispiel der Kirschkernbeißer, knacken Haselnüsse oder eben Kirschkerne auf." Je vielfältiger das Futter, desto mehr Vögel werden satt.

Wer nicht auf das abgepackte Futter aus dem Supermarkt zurückgreifen möchte, kann auch ganz leicht selbst Vogelfutter herstellen: Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt. Egal ob in Tannenzapfen gewälzt, in alte Kaffeebecher oder Kokosnussschalen gegossen oder mit Plätzchenformen ausgestochen – erlaubt ist, was Spaß macht. Wichtig ist nur, dass ein paar Grundregeln beachtet werden. So sollten die verwendeten Körner und Samen frisch sein und das verwendete Öl oder Fett nicht ranzig. Nun gilt es, eine Masse herzustellen, die dann in Form gegossen wird.

So können Sie selbst Vogelfutter herstellen:

Zutaten:

  • 500 Gramm Fett: Rindertalg aus der Metzgerei oder Kokosöl
  • 2-3 EL Speiseöl, die in das geschmolzene Fett gerührt werden, damit das Futter nicht gefriert.

Auf 500 Gramm fett kommt etwa ein Kilogramm Samen und Körner. Entweder kaufen Sie loses Streufutter oder Sie stellen selbst eine Mischung her. Folgende Zutaten bieten sich an:

  • Haferflocken
  • Sonnenblumenkerne
  • Hanfkörner
  • Weizenkleie
  • Leinsamen
  • Sesam
  • Kürbiskerne
  • Erdnüsse
  • Haselnussbruch

Das Fett in einer alten Konserve im Wasserbad erwärmen, bis es flüssig ist. Speiseöl unterrühren und dann vorsichtig die Körner- und Samenmasse unterheben.

So können Sie das Vogelfutter den Tieren anbieten:

Entweder, Sie füllen die Masse in eine alte Tasse und funktionieren sie so zu einer Futterglocke um. Stecken Sie auch einen kleinen Ast in das noch warme Futter, an dem sich die Vögel festhalten können (s. Bild). Wenn die Mischung ausgehärtet ist, ziehen Sie eine Kordel durch den Henkel der Tasse – voila, die Futterglocke ist bereit zum Aufhängen.

Weitere Möglichkeiten:

Füllen Sie die Masse in ein altes Zwiebel- oder Knoblauchnetz, tauchen Sie einen Tannenzapfen in die Masse oder bestreichen Sie ein Backblech und stechen dort mit Plätzchen-Ausstechern kleine Vogelplätzchen aus. Mit einer Strick- oder Stopfnadel können Sie in die ausgekühlten, festen Plätzchen ein Loch stechen und ein Band durchziehen. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die warme, flüssige Masse auch in unebene Baumrinde streichen, bei winterlichen Temperaturen wird das Futter schnell fest.

Ob nun gekauft oder selbst zusammengerührt – das Futter muss nur noch an die Bäume oder ins Vogelhäuschen. Und davon profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch Sie: Nutzen Sie die Gelegenheit zu einem entspannten Spaziergang durch den Park. Das bringt den Kreislauf in Schwung, stärkt die Abwehrkräfte und beugt einer Erkältung vor. Suchen Sie nach Bäumen und Sträuchern, die sich eignen um das Futter aufzuhängen und die Sie beim nächsten Mal wiedererkennen können.