Küchenutensilien: Bunter und leichter

Bambus oder Silikon: Mit Porzellan und Holz konkurrieren jetzt neue Materialien. Doch sie müssen für Lebensmittel hergestellt sein und man muss wissen, wie man richtig damit umgeht.

von Heidi Loidl, 14.07.2019

Mikrowellengeschirr:

Vorteile: In ein und demselben Gefäß können Lebensmittel tiefgefroren und erhitzt werden.
Was drin ist: Meist Polypropylen. Der Kunststoff gilt – korrekt hergestellt und verwendet – als unbedenklich.
Beachten: Die maximale Temperatur für den Dauereinsatz liegt bei 100 Grad, auch wenn einige Hersteller etwas anderes angeben. Vorsicht: Wasserhaltige Speisen werden bis 100 Grad heiß, fetthaltige bis 200 Grad, auch in der Mikrowelle. Daher raten Verbraucherschützer zu anderen Materialien.
Alternative: Glas und Porzellan ohne Gold- oder Silberrand sind mikrowellen­­tauglich; Metalle (auch Aluschalen) dagegen nicht.

Silikon:

Vorteile: Leicht, unzerbrechlich, fettsparend wegen antihaftender Oberfläche, flexibel, spülmaschinenfest, platzsparend zu lagern. Gibt es als Eiswürfel­­behälter, Backform, -pinsel, -matte, Teigrolle, Dichtung für Dosen in der Küche.
Was drin ist: Kunststoff aus Silizium, Kohlen-, Sauer- und Wasserstoff. Gute Produkte riechen nicht. Sie werden beim letzten Herstellungsschritt ausgeheizt, um flüchtige, potenziell schäd­liche Stoffe zu entfernen, die ins Essen gelangen könnten.
Beachten: Backform vor dem ersten Gebrauch spülen, im Ofen für eine Stunde auf 200 °C erhitzen, erneut reinigen. Zum Backen nur dafür vorgesehene Formen verwenden, nicht etwa Eiswürfelbehälter. Auch wenn der Hersteller höhere Temperaturen angibt: Backformen nicht auf über 200 °C erhitzen und weder auf Back- ofenboden noch Herdplatte stellen. Pfannenwender nicht in der heißen Pfanne liegen lassen. Produkte entsorgen, wenn sie abgenützt sind und Antihaftwirkung nachlässt.
Alternative: Herkömmliche Backformen mit Keramik- oder Emaille-Beschichtung.

Melamin:

Vorteile: Leicht, bruchsicher und stabil. Sieht aus und fühlt sich an wie Porzellan. Melamin gilt als "hochwertiger Kunststoff". Beliebt als Camping- oder Kinder­geschirr und für Ess- und Trinkhilfen, in Kitas und Altenheimen als Essgeschirr. Auch Pfannenwender oder Kochlöffel können daraus hergestellt sein.
Was drin ist: Kunststoff aus den Bestandteilen Me­lamin und Formaldehyd.
Beachten: Um welchen Kunststoff es sich handelt, muss nicht deklariert sein, beim Kauf fragen! Auf keinen Fall in die Mikrowelle, die Produkte sind nur bis 70 °C sicher. Darüber setzen sie schädliches Melamin und Form­aldehyd frei. Das Einfüllen heißer Flüssigkeiten wie Tee oder Schokolade hält das Bundesinstitut für Risikobewertung für unproblematisch, falls diese auf unter 70 °C abgekühlt sind. Pfannenwender und Kochlöffel aus Melamin höchstens
zum kurzen Umrühren verwenden.
Alternative: Pfannenwender und Kochlöffel aus Holz. Herkömmliches Ess- und Trinkgeschirr.

Bambus:

Vorteile: Bambus ist leicht und wächst als Rohstoff schnell nach. Traditionell
für Schneidebretter sowie Kochlöffel verwendet. Bambusmehl kommt neuerdings in Geschirr zum Einsatz, verbreitet sind Coffee-to-go-Becher.
Was drin ist: Bambusmehl und Maisstärke dienen nur als Füllstoff, Basis ist meist Melamin- oder Harnstoff-Formaldehyd-Harz.
Beachten: Das Basismaterial ist nur bis 70 °C hitzebeständig.
Alternative: Edelstahl, Glas oder Porzellan für Thermobecher oder Polypropylen als schadstoffarmer Kunststoff.

Fachliche Beratung:
Dr. Kerstin Etzenbach-Effers, Diplom-Chemikerin, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen