Das hilft gegen trockene Augen

Eine dünne Schicht aus Tränen schützt unser Augen und sorgt für klare Sicht. Doch was, wenn das Auge trocken bleibt? Was gegen das sogenannte Sicca-Syndrom hilft.

von Raphaela Birkelbach, 09.08.2019

Der Professor vergleicht das Sehorgan mit einer verschmierten Windschutzscheibe: "Ein trockenes Auge ist zwar nicht beschädigt, aber die Sicht ist erheblich schlechter", sagt Claus Cursiefen vom Zentrum für Augenheilkunde an der Universität Köln. Ein Volksleiden: Bis zu jeden fünften Bundesbürger plagt es, mit fortschreitendem Alter nimmt es zu, und Frauen trifft es häufiger als Männer. Auch Umwelteinflüsse, Krankheiten sowie bestimmte Arzneimittel fördern das trockene Auge. "Es ist der häufigste Grund, warum Patienten zum Augenarzt gehen", sagt Cursiefen. Von ihm erfahren sie, warum sich ihre Augen ständig trocken anfühlen, tränen, brennen, jucken und gerötet sind. "Der Tränenfilm, der die Hornhaut benetzt, ist gestört", erklärt der Experte. Der Leidensdruck ist häufig groß, lässt sich aber nicht durch den ärztlichen Befund erklären. "Manchmal ist der Tränenfilm noch relativ intakt, aber der Betreffende hat große Beschwerden", so der Kölner Professor. Und umgekehrt.

Tränen: Schutzfilm aus drei Schichten

Das Sekret aus der Tränen- und der Meibomdrüse benetzt die Hornhaut. Mit jedem Lidschlag verteilt sich dieser Tränenfilm über die Augen. Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: Schleim, Wasser und Fett. Reißt die Fettschicht, verdunstet Wasser, das trockene Auge entsteht.

Doch was passiert im Detail beim Sicca-Syndrom, wie das trockene ­Auge in der Fachsprache heißt? Wenn der Augenarzt seinen Patienten mit Spezialinstrumenten ins Sehorgan schaut, nimmt er den Tränenfilm genau unter die Lupe. Als "komplexes System aus mindestens drei Schichten" beschreibt er ihn. Schleim, Wasser und Fett benetzen die Hornhaut. Doch der Schutzfilm ist verletzlich: Mitunter ändert sich seine Zusammensetzung krankhaft, die Tränendrüsen produzieren zu wenig Sekret, oder die Fettschicht reißt. Bei vielen Patienten bestehen diese Probleme gleichzeitig.

Doch hinter einem trockenen ­Auge steckt meist mehr, wissen Forscher inzwischen. "Bei länger bestehenden Beschwerden ist oft die Augenoberfläche entzündet", erklärt der Kölner Experte. Es entwickelt sich ein eigenständiges Auto­immunleiden, "das Immunsystem richtet Abwehrzellen gegen das körpereigene Gewebe". In dem Fall ist es das Auge. Die neuen Erkenntnisse beeinflussen auch die Therapie des Sicca-Syndroms. "Liegt keine Entzündung vor, reichen künstliche Tränen, um die Augenoberfläche zu benetzen und zu schützen", sagt Cursiefen.

Trockene Augen: Der Schmerz koppelt sich ab

Bringen die rezeptfreien Präparate aus der Apotheke keine Linderung, sollten Patienten spätestens dann zum Augenarzt. Steckt ein anderes Leiden dahinter? Hat sich das Auge entzündet? In dem Fall helfen je nach Schweregrad antientzündliche Wirkstoffe wie Kortison, Ciclosporin und Antibiotika. Dabei unbedingt an die ärztlichen Empfehlungen zur Anwendung halten. Bei sehr schweren Krankheitsverläufen sind therapeutische Kontaktlinsen, Eigenbluttropfen oder kleine Eingriffe an dem Sehorgan das Mittel der Wahl.

Derzeit testen Experten an der Universität Köln ein neues Schmerzmittel. "Das trockene Auge kann zu einem chronischen Schmerz führen", erläutert der Leiter des Zentrums für Augenheilkunde in Köln. Er entkoppelt sich und bleibt, obwohl das Sinnesorgan wieder gut benetzt ist. "Diese Patienten werden bei uns dann wie Schmerzpatienten behandelt."

Sein Trost: Manchmal sorgt bereits regelmäßige Lidrandpflege für neuen Durchblick. Ein Gefühl, als schaue man durch ­eine klare Windschutzscheibe.