"Es geht ans Eingemachte": Woher Redensarten rund ums Essen kommen

Beleidigte Leberwurst, alles in Butter, seinen Senf dazugeben: Viele Redensarten haben mit dem Essen zu tun. Aber woher kommen sie eigentlich?

von Angelika Karl , 27.09.2019

Essen und Trinken, das tun wir alle, am liebsten zusammen. Es ist "ein Kulturgut, das Menschen seit Jahrtausenden verbindet", so Prof. Dr. Beate Kellner, ­Germanistin an der Ludwig-­Maximilians-Universität München. "Jeder greift daher gern auf Bilder und Vergleiche rund um das Essen zurück. Sie machen die Sprache anschaulicher und lebendiger." Viele benutzen wir, ohne ihre ursprüngliche, oft kuriose Bedeutung zu kennen.

Beleidigte Leberwurst

Die Leber galt schon in der Antike als Sitz der Gefühle, vor allem des Zorns. Die "Wurst" wurde erst angehängt, als diese Vorstellung verloren gegangen war. So erfand man diese Geschichte: Ein Metzger habe Würste gekocht und alle anderen vor der Leberwurst aus dem Kessel genommen. Deshalb war sie beleidigt und platzte vor Wut. Heute verspottet man damit Menschen, die scheinbar grundlos eingeschnappt sind oder schmollen.

Ans Eingemachte gehen

Bis in die 1960er-Jahre kochten die meisten Haushalte Obst, Gemüse oder andere Lebensmittel ein – als Vorrat für den Winter oder für Notzeiten. Waren frische Lebensmittel aufgebraucht oder nicht verfügbar, musste man diese letzten Reserven angreifen. Gemeint ist also: Es wird ernst und geht an die Substanz. 

Bei ihm ist Hopfen und Malz verloren

Die Redensart tritt erstmals im 16. Jahrhundert in der Bierbrauerei auf: Hopfen und Malz sind die Grundzutaten für das Brauen. Wenn das nicht gelang und kein gutes Bier entstand, waren Hopfen und Malz verloren. Übertragen heißt das: Alle Mühe ist umsonst, jemand wird sich trotz aller Ermahnungen nicht mehr ändern.

Seinen Senf dazugeben

Wer sich unerwünscht in ein Gespräch einmischt und ungefragt seine Meinung sagt, kriegt zu hören: "Immer musst du deinen Senf dazugeben." Im 17. Jahr­hundert – aus dieser Zeit datiert der Spruch – spielte Senf eine besondere Rolle. Wirte servierten es zu jedem Essen, um es aufzuwerten, auch wenn das Gewürz gar nicht dazu passte.

Das hast du dir selbst eingebrockt

Gab es früher Suppe mit Brot, brockte sich das üblicherweise jeder selbst in den Teller. Also musste jeder das essen, was er sich "eingebrockt" hatte. Die ­Redewendung benutzt man, wenn sich jemand selbst in Schwierigkeiten gebracht hat. Wer die Folgen trägt, "muss die Suppe auslöffeln".

Alles in Butter

Butter war einmal ein teures Luxusgut. Konnte man es sich leisten, Speisen förmlich in Butter schwimmen zu lassen, statt mit billigem Fett zuzubereiten, war alles in Ordnung. Im Mittelalter verwendete man Butter sogar, um wertvolle Gegenstände sicher zu transportieren. Eingegossen in Butter, konnte Gläsern und Geschirr nach dem Abkühlen unterwegs nichts ­passieren: Alles war bestens geregelt.

Kohldampf schieben

Sowohl "Kohl" als auch "Dampf" bedeuten "Hunger", und zwar in der alten Gaunersprache, dem Rotwelsch. Die Doppelung beschrieb vermutlich eine Notsituation: Man hatte großen Hunger, war aber mittellos und konnte deshalb den leeren Bauch nicht füllen. "Kohldampf" steht noch heute für einen Riesenhunger.

Mit dem ist nicht gut Kirschen essen

Im Mittelalter, als diese Redewendung aufkam, waren Kirschen noch selten und teuer. Nur Wohlhabende konnten sich die süßen Früchte leisten und ­trafen sich, um sie gemeinsam zu essen. Unfeine oder unerwünschte Gäste ­wurden mit Kirschkernen bespuckt oder mit den Stielen beworfen, damit sie verschwanden. Ist mit jemandem nicht gut Kirschen essen, kommt man mit ihm nicht aus und sollte sich besser von ihm fernhalten.

Jemanden dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst

Weiter weg konnte man sich früher einen unbeliebten Menschen nicht wünschen. Pfeffer war das Hauptgewürz des Mittelalters, ­Indien ein Herkunftsland, das in fast unerreichbarer Ferne lag. Kolumbus wollte in das gewürzreiche Indien gelangen und entdeckte dabei Amerika. Die Redensart gibt es etwa seit dem 16. Jahrhundert. Soll jemand hingehen, wo der Pfeffer wächst, soll er verschwinden.

Das macht den Kohl auch nicht fett

Schon Martin Luther benutzte diese Redensart. Kohl- oder Krautgerichte waren früher ein Arme-Leute-Essen, das mit extra viel Fett oder Gewürzen zubereitet wurde, um es schmackhafter zu machen, wenn das teure Fleisch fehlte. Andere Zutaten waren jedoch kein Ersatz und machten deshalb den Kohl nicht "fett", also wohlschmeckend. Die Redensart beschreibt, dass Kleinigkeiten nicht viel weiterhelfen.