"Es gibt für fast jede Lebenssituation ein passendes Lied von mir"

Der Sänger Rolf Zuckowski spricht mit dem Senioren Ratgeber über den Unterschied zwischen Erwachsenen- und Kinderliedern und warum er selbst gerne noch einmal Kind wäre

von Thomas Röbke, 25.04.2021

Senioren Ratgeber: Man verbindet Sie vor allem mit Kinderliedern. Kommen Ihre Lieder für Erwachsene zu kurz?

Rolf Zuckowski: Alles hat seine Zeit. Am Anfang meiner Karriere sang ich in einer Beatband, dann schrieb ich Pop- und Schlagertexte. Dann rückten unsere Kinder in den Mittelpunkt, und weil es damals kaum zeitgemäße Kinderlieder gab, schrieb und sang ich selber welche. Aber man lebt ja nicht nur als Mutter und Vater. So sind immer schon sehr viele Stimmungen, Erlebnisse, Erfahrungen in Lieder geflossen, die nicht den Kindern gewidmet waren. Erstaunlicherweise mögen Kinder solche Lieder oft besonders gern, vielleicht weil sie sie neugierig machen.

Manches "Erwachsenenlied" wäre auch ein gutes Kinderlied!  

Eine richtig scharfe Trennung ist weder möglich noch sinnvoll. Viele Kinderlieder bewegen auch Erwachsene stark, und ich finde es gut, dass nicht alles in Schubladen passt. 

Jetzt haben Sie wieder mal eine CD für Ältere veröffentlicht.

Im "Herbst des Lebens" sind meine Frau und ich ja nun auch angekommen. Das Album heißt "Gemeinsam unterwegs", so wie das Lied von 1983, das wir in unserer Familie zu besonderen Anlässen singen. Es verbindet die Generationen. Ich vergleiche darin die Lebensreise mit einer Schiffsreise. Der Blick geht dankbar zurück auf viel Erlebtes und Überstandenes und neugierig voraus auf das, was noch kommen wird.

"Gemeinsam unterwegs" ist auch der Titel einer Wanderausstellung, an der Sie mitwirken.

Kerstin Slowik, die einen ambulanten Hospizdienst in Hanau leitet, ist gut mit Maler Anselm Prester auf Langeoog bekannt und hatte die Idee, seine Bilder und meine Liedtexte zusammenzufügen. So ist "eine Ausstellung von Leben und Endlichkeit" entstanden, und ich staune immer wieder, wie gut das zusammenpasst.

Welches Lied würden Sie als Ihr wichtigstes bezeichnen?

"Ich schaff das schon!" Ich weiß, dass es vielen Jugendlichen und Erwachsenen in schweren Zeiten geholfen hat, den Blick nach vorne nicht zu verlieren, sich aufzurichten, Kräfte in sich zu mobilisieren. Manchmal bewirkt ein Lied mehr, als man es beim Schreiben je für möglich hält.

Erinnern Sie sich noch, wie das Lied entstanden ist?  

Unser Sohn Andreas war vier Jahre alt, als er bei einem Spaziergang hinfiel. Ich wollte ihm aufhelfen, doch er sagte nur: "Ich schaff das schon!" Dann überlegte ich, wer noch viel schaffen muss in unserem Umfeld.

Rolf Zuckowski
*12. Mai 1947 in Hamburg

Liedermacher Mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern ist er einer der erfolgreichsten deutschen Musiker, Komponisten und Autoren.
Privatmann Mit seiner Frau Monika hat er eine Tochter und zwei Söhne. Das Paar lebt in Hamburg.

"Ich wollte nie erwachsen sein" heißt es in dem Rockmärchen "Tabaluga", das Sie mitgeschrieben haben. Wie war es bei Ihnen?

"War mit Sorgen oft allein, wollte gern erwachsen sein", habe ich mal in einem Lied über meine Kinderzeit gesungen. Diesen Antrieb haben wohl alle Kinder: groß sein, ernst genommen werden, gewisse Dinge selbst entscheiden. Den Gedanken "Ich wollte nie erwachsen sein" haben wir der weisen, 200-jährigen Schildkröte in der Welt bei Tabaluga in den Mund gelegt. Sie meint damit: Kind sein ist sehr wichtig. Der Panzer um mich herum ist gewachsen, und so kann ich das Kind in mir schützen.

Wären Sie gerne noch mal Kind?

Ja. Meine Kindheit fiel in eine Zeit, die wirklich nicht ganz einfach war, die Nachkriegszeit. Aber die Eltern und Großeltern zeigten uns immer den Weg nach vorn. Sie halfen uns, optimistisch zu sein, auch wenn manche Tage für sie wirklich schwer waren. Das bekommt man als Kind ja gar nicht alles mit. Erst später, wenn man selber erwachsen wird, fragt man Mutter oder Vater: Wie hast du das damals geschafft? Wie hast du uns durch diese Zeit gebracht?

War Kindheit früher sorgloser, weil diese Flut an Infos fehlte?

Ja, vieles war nicht so allgegenwärtig. Kinder können sich heute nicht in ihrer Kindheits-Filterblase abschotten, es gibt zum Weltgeschehen überall etwas in die Augen, in die Ohren. Das macht es für sie nicht leicht, stabil zu bleiben. Sie brauchen vielleicht mehr als früher die Erwachsenen, um das zu gewichten und auch wirklich ernste Dinge nicht als permanente Bedrohung zu sehen, sondern als Phasen, durch die man durchmuss, vielleicht sogar als Chancen.

"Wie schön, dass du geboren bist!", "In der Weihnachtsbäckerei": Bei vielen Ihrer Lieder kann fast jeder mitsingen. Erfüllt Sie das mit Freude, Stolz, Befriedigung?

Mit Freude, vor allem mit Dankbarkeit. Man setzt solche Lieder ja nicht in die Welt, um Volkslieder zu schaffen. Wenn sie die Kraft dazu haben, ist das ein großes Geschenk. Stolz ist nicht das richtige Wort. Das hat einen Hauch von Überheblichkeit.

"Wir werden älter, nur die Träume bleiben jung …", singen Sie. Wovon haben Sie mal geträumt?

Die Visionen kamen mit der Musik. Dass man mit Gitarre und Gesang bei den Mädchen landen kann, wurde mir sehr schnell klar. Das Liederschreiben hat mich schon immer beflügelt. Oft hatte ich das Gefühl: Das wird ein Riesenhit, den wird die Welt singen. Viele dieser Lieder sind nie veröffentlicht worden, die existieren nur auf alten Tonbändern. Unerfüllte Träume sind ja etwas Wertvolles. Wer keine Träume mehr hat, ist arm dran.

Wie sind Sie als Großvater? Anders als als Vater?

Das kann ich schlecht selbst einschätzen. Es ist spannend, wie anders die Enkelkinder sind als unsere Kinder. Jedes ist eine eigene Persönlichkeit, geprägt durch zwei Familien, zwei Hintergründe, bayerisch und hamburgisch. Wenn unsere vier Enkel bei uns sind, gehen wir mit ihnen nicht viel anders um als mit unseren Kindern. Ich kann relativ streng sein, wenn es um gutes Benehmen geht.

Kinder brauchen auch die Großelternfunktion, dass da ein paar Dinge vielleicht etwas strenger sind als zu Hause. Immer gebettet in Liebe und Zuneigung. Aber vor allem bin ich ein lustiger bis alberner Großvater. Ein bisschen der Clown zu sein, für ein paar Stunden, macht mir viel Spaß.

Wird man auch musikalisch weiser mit dem Alter?

Ja. Ich war immer froh, nicht Musik studiert zu haben. Ich glaube, dann weiß man zu viel, was andere komponiert haben, was man regelgerecht machen sollte und was nicht. Ich habe sehr viel von anderen gelernt. Weiser ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Einerseits erfahrener, andererseits ein bisschen vorsichtiger. Ich habe in den vergangenen Jahren nur sehr wenig Lieder geschrieben.

Warum?

Es gibt schon für fast jede Lebenssituation ein passendes Lied von mir. Aber wer weiß? Vielleicht fällt mir morgen mein allerwichtigstes Lied ein.