Sicher schwimmen

Jeden Sommer ertrinken mehrere hundert Menschen in deutschen Gewässern, rund ein Drittel davon Senioren. Viele Todesfälle sind vermeidbar, sagt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft – wenn man ein paar Regeln beachtet.

von Dr. Lillian Reiter, 06.07.2021

Sie sehen nach Idylle aus, können aber zur Gefahr werden: Seen und Flüsse. Gerade hier ertrinken die meisten Menschen, denn diese Gewässer sind oft unbewacht. Laut einer Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ertranken 2020 insgesamt 378 Menschen, 147 davon waren älter als 56 Jahre. Häufig sind Ältere geübte Schwimmer – und das schon seit Jahrzehnten. Jedoch geht ihnen oft schnell die Kraft aus, auch Herz- und Kreislaufversagen können gefährlich werden. Viele Todesfälle lassen sich aber vermeiden, wenn man Vorsichtsmaßnahmen ergreift, erklärt Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG und ehemaliger Rettungsschwimmer.

Nicht mit vollem Bauch in den See

Die DLRG empfiehlt, langsam ins Wasser zu gehen. So gewöhnt sich der Kreislauf an den Temperaturunterschied. Auch sollte man nicht mit zu vollem oder zu leerem Bauch baden gehen: Ist der Bauch voll, steckt der Körper seine ganze Energie in die Verdauung und fährt das Herz-Kreislauf-System herunter. Die Bewegung im Wasser fällt schwerer. Ist der Magen leer, hat der Körper nicht genug Energie zum Schwimmen. "Gerade bei Diabetikern kann es durch Unterzuckerung zu Orientierungslosigkeit kommen. Das kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden", so Achim Wiese.

Sich eincremen, nicht bei Gewitter ins Wasser und kein Alkohol: Hier erfahren Sie mehr über Baderegeln.

Nur dort baden gehen, wo andere sind

Oft hört man Tipps wie nicht alleine baden gehen. Doch was, wenn man keinen Begleiter hat? Wiese empfiehlt, sich eine Stelle zu suchen, an der schon Menschen im Wasser sind. "Denn sollte ich in Not geraten, sind Menschen da, die meine Hilferufe hören können. Wir stellen immer wieder fest, dass die Menschen, die ertrinken – gerade im Binnenland –, häufig irgendwo alleine baden gewesen sind."

Parallel zum Ufer schwimmen

Ältere Menschen überschätzen häufig ihre eigene Kraft und Leistungsfähigkeit. Daher rät der Experte, nicht Richtung Seemitte zu schwimmen, sondern in der Nähe des Ufers zu bleiben. "Am Ufer entlang kann ich meistens kilometerweit schwimmen und ich habe die Gewissheit, dass wenn ich nicht mehr kann, das Ufer relativ nah ist. In der Mitte des Sees oder draußen auf dem Meer ist die Situation anders."

Was, wenn mir beim Schwimmen die Kraft ausgeht?

Wenn man im Wasser in Gefahr gerät, ist die wichtigste Regel: Ruhe bewahren! "Schauen Sie, ob Sie sich irgendwie bemerkbar machen können. Gibt es einen Segler, ein Boot oder einen Schwimmer in der Nähe?", so Wiese. "Wichtig ist auch, sich in die Rückenlage zu drehen, denn so ist es einfacher, sich über Wasser zu halten als auf dem Bauch. Außerdem fällt auf dem Rücken das Atmen leichter."

Was tun bei einem gesundheitlichen Notfall meines Partners?

Selber ruhig bleiben, um Hilfe rufen und dem Partner gut zureden und beruhigen. "Denn es besteht die Gefahr, dass der andere in Panik gerät und sich an der Begleitperson festklammert. Im schlimmsten Fall geraten beide in Not", so Wiese. Der ehemalige Rettungsschwimmer empfiehlt auch hier die Rückenlage und zu versuchen, den Kopf des anderen über Wasser zu halten, bis Hilfe kommt.

Schwimmhilfen sind empfehlenswert

Schwimmnudeln hält Achim Wiese für sehr sinnvoll, da sie tatsächlich das Gewicht des Menschen tragen: "Ich hänge die Arme darüber und paddele entspannt." Auch Schwimmbretter, an dene man sich festhalten kann, sind eine gute Alternative. "Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Schwimmhilfe eine CE-Kennzeichnung hat. Das bedeutet, dass diese geprüft und sicher ist", so Wiese. Von aufblasbaren Gummitieren oder Matratzen rät die DLRG dagegen ab.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft bietet eine kostenlose App mit Informationen zu sicheren Badeorten an – für Android oder Apple.

Nicht in Flüssen baden!

"Senioren sollten nicht in Flüssen schwimmen", sagt Achim Wiese, "es sei denn, ein Strandabschnitt des Flusses ist offiziell als Badestelle ausgegeben und beaufsichtigt." Denn die Strömung in Flüssen ist unterschiedlich stark und verändert sich häufig. Dazu kommt noch die Schifffahrt. "Durch vorbeifahrende Schiffe entwickelt sich ein Sog, der den Schwimmer in Richtung Flussmitte zieht – genau dahin, wo die Strömung am stärksten ist."

Welche Badeorte sind bewacht?

In der DLRG-Info-App oder auf der Internetseite der DLRG findet man aktuelle Informationen zu den gesicherten Badezonen an den Küsten und Wasserrettungsstationen in ganz Deutschland. Jedoch beteiligen sich nicht alle örtlichen Vereine daran. Findet man bei der DLRG keine Information, empfiehlt Achim Wiese den Anruf beim lokalen Ordnungsamt. "Denn diese geben die Seen frei für den Badebetrieb." Alternativ kann man ortskundige Menschen fragen, ob es in dem Gewässer gefährliche Stellen gibt, an denen man nicht baden sollte – zum Beispiel Strömung oder Schlingpflanzen.