Erkältung im Alter

Es ist Schnupfenzeit! Wie Sie Beschwerden lindern und wann ein Besuch beim Arzt ratsam ist.

von Elke Schurr , aktualisiert am 09.02.2020

Wie kommt es zu einer Erkältung?

"Erkältung kommt von Kälte", heißt es oft. Ganz so einfach ist es nicht. Nicht die Kälte verursacht Schnupfen. Schuld sind in aller Regel Viren. Warum man sich trotzdem häufiger im Winter und seltener im Sommer erkältet? Das liegt daran, dass die Viren vor allem von Oktober bis April ihr Unwesen treiben. Weil in dieser Zeit mehr Menschen erkranken, steigt auch die Ansteckungs­gefahr. Besonders leichtes Spiel haben die Viren, wenn man übermüdet oder zu dünn angezogen ist oder bei kalter Nässe lange irgendwo draußen steht.

Wie lang dauert das?

"Sie kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage". Die Volksweisheit eignet sich zur Orientierung recht gut, weil sie das Wesent­­liche erfasst: Eine Erkältung braucht ihre Zeit. Wie lange man tatsächlich hustet, schnieft oder sich elend fühlt, hängt aber in erster Linie vom Abwehr­­system ab. Und das kann mit zunehmendem Alter und mög­lichen Begleiterkrankungen langsam schwächer werden. Mancher Senior kämpft deshalb schon mal länger als eine gute Woche mit einem Infekt, bis er sich wieder rundum fit fühlt.

Was tun gegen Erkältung?

In den ersten Tagen das Bett zu hüten ist sinnvoll – zu mehr wäre man oftmals gar nicht fähig. Ausreichend Schlaf stärkt überdies unsere Abwehrkraft.

Gegen die Viren selbst ist in der Tat noch kein Kraut gewachsen. Viele Präparate lindern aber die Beschwerden. So lockern rezeptfreie Hustenmittel mit pflanzlichen oder synthetischen Wirkstoffen den Schleim und erleichtern das Abhusten (viel trinken!). Andere entspannen die Bronchialmuskulatur und dämpfen den Hustenreiz. Ein Nasenspray mit Salzwasser und ätherischen Ölen durchlüftet die Nase. Lutschpastillen mit Isländisch Moos sind eine Wohltat, wenn‘s im Hals kratzt.

Viele schwören auf eine heiße Zitrone. Vitamin C ist zwar hitzeempfindlich, aber frisch zubereitet liefert eine heiße Zitrone immer noch eine gute Portion davon. Auch empfehlenswert: frisch gepresster Orangensaft oder frische Ingwerscheiben in trinkwarmem Tee. Die Viren werden Sie damit allerdings nicht los. Vitamin C oder Mineral­stoffe wie Zink können zwar die Dauer und Schwere einer Erkältung mildern, aber nur im Vorfeld eines Infekts. Wer sich also das ganze Jahr über vitamin- und mineralstoffreich ernährt, wappnet sich durchaus gegen Virenangriffe: Das kann die Erkältungszeit verkürzen und die ­Beschwerden mildern.

Bitte nicht: erkältet in die Sauna gehen!

Oft heißt es, man könne die Erkältung so herausschwitzen. Im Gegenteil: Wer bereits angeschlagen in die Sauna geht, tut sich selbst und den anderen Besuchern nichts Gutes. Denn die starke Hitze belastet den Organismus zusätzlich. Das bei einem Infekt beanspruchte Immunsystem wird also nicht ­gestärkt, sondern sogar geschwächt.

Im gesunden Zustand dagegen ­können sich regelmäßige Sauna­besuche durchaus positiv auswirken. Der krasse Wechsel von Heiß und Kalt beeinflusst die ­Wärmeregulation des Körpers. Es heißt, dass Saunagänger im Winter nicht so schnell frieren. Wer keine Sauna mag: Ebenfalls gut für die Fitness und für das Immunsystem ist es, sich ausgewogen und gesund zu ernähren und vor allem regelmäßig Sport zu treiben.

Reicht eine Grippeimpfung?

Leider nicht. Das Influenza-Virus wechselt von Saison zu Saison seine Gestalt. Für wirksamen Schutz muss der Impfstoff jedes Jahr neu ­angepasst werden. Welche Impfungen für Senioren empfohlen werden, erfahren Sie hier.

Auf andere Erkältungs­viren lässt sich das leider nicht anwenden. Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten von ihnen – zu viele für einen Impfstoff. 

Braucht es Antibiotika?

Antibiotika töten Bakterien. Gegen Viren richten sie nichts aus. Um den Angriff "normaler" Erkältungsviren oder des echten Grippe­virus zu überstehen, ist das Immunsystem zuerst selbst gefordert. Manchmal verschreibt der Arzt allerdings trotzdem Antibiotika. Zum Beispiel, wenn ein Patient hohes Fieber bekommt, weil Bakterien hinzugekommen sind, die zu entzündeten Nasennebenhöhlen führen oder die Lunge in Mitleiden­schaft ziehen. Ob Bakterien im Spiel sind, kann der Arzt mit einem Test herausfinden.

Was tun bei Fieber?

Bei jüngeren Erwachsenen darf man abwarten. Denn das Fieber zeigt, dass das Abwehrsystem effektiv ­arbeitet.

Bei Senioren sieht die Sache anders aus: Ältere Menschen bekommen sehr viel seltener Fieber als jüngere. Steigt die Körpertemperatur auf deutlich über 37,8 °C und hält das Fieber an, sollte der Hausarzt zurate gezogen ­werden. Welche fiebersenkenden Maßnahmen dann im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet der Mediziner.

Soll ich einen Mundschutz tragen?

Nicht unbedingt. Hände waschen hilft mehr. Der Irrtum liegt in der Annahme, dass sich die Erreger nur in der Luft befinden und beim Husten oder Niesen andere über Tröpfchen anstecken. Weitaus häufiger wandern die Viren durch Handkontakt von einem zum anderen – und bei dem wieder auf die Schleimhäute. Sie lauern auch auf Türklinken, Einkaufswagen und Telefonhörern. Also nicht ins Gesicht fassen – und vor allem: regelmäßig die Hände waschen, mit Seife, viel Wasser – und mindestens eine Minute! Beim Husten und Niesen gilt: in die Ellenbeuge und nicht in die Hand!

Fachliche Beratung:

Prof. Uwe Gerd Liebert, Virologe, Leipzig

Benjamin Striegan, Apotheker, Viechtach

Klaus Schäfer, Allgemein- und Hausarzt, Hamburg